Konstantin Wecker zu Gast bei Helmut Zilk in der ORF-Sendung "Lebens-Künstler"

Wien (OTS) - Er wurde gefeiert und geächtet - auf künstlerische Hochs folgten private Tiefs: In der 36. Ausgabe der ORF-Sendereihe "Lebens-Künstler" begrüßt Helmut Zilk Konstantin Wecker. Bei der Aufzeichnung am Montag im Wiener Ringturm plauderte der Liedermacher mit Zilk über seine Kindheit sowie über sein bewegtes Leben als Sänger, Schauspieler, Dichter, Filmkomponist und Gastwirt. Der ORF zeigt diese Ausgabe von "Lebens-Künstler" am Ostermontag, dem 21. April, um 22.45 Uhr in ORF 2.

Konstantin Wecker - Liedermacher und Lebenskünstler

Konstantin Alexander Wecker wurde am 1. Juni 1947 in München geboren und wuchs als Einzelkind auf. Vater Alexander, Kunstmaler, Opernsänger und Besitzer eines Schuhgeschäfts, war wohl mehr als sein großes Vorbild: "So wie meinen Vater, so habe ich mir als Kind immer den lieben Gott vorgestellt", singt er in seinem Lied "Vater". Auch Mutter Dorothea förderte früh die Talente ihres Sohnes. Die Beziehung zu ihr war jedoch nicht ungetrübt: "Meine Mutter hat mich oft genervt, hat mir das Leben schwer gemacht. Aber eines verdanke ich ihr, und daran gibt's nichts zu rütteln: den aufrechten Gang", meint Wecker.
Nach seinem Studium an der Musikhochschule München und einigen Semestern Philosophie und Psychologie an der Universität München kam er im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal ins Gefängnis. Wecker hatte gemeinsam mit einem Freund 30.000 DM aus dem Tresor der
Rennbahn München-Riem gestohlen. "Ich wollt' einfach nur mal abhauen und hab' mir gedacht, nachdem das bis jetzt nie so recht geklappt hat, weil ich nie Geld gehabt habe, wollte ich mit viel Geld abhauen. Ich fand das selbstverständlich, das Geld zu nehmen und damit zu existieren. Ich war so verträumt und dachte, ich kann damit jahrelang auskommen. ... Es war ein notwendiger Dämpfer, schon wichtig für mich", meint Wecker zu diesem Abschnitt seines Lebens.

Früher Start der Gesangskarriere

Schon früh startete der kleine Konstantin seine Gesangskarriere: Von 1955 bis 1960 war Konstantin Wecker Mitglied des Rudolf-Lamy-Kinderchors und Solist bei einer Plattenaufnahme des Chors. 1968 gab er erste Soloauftritte in der Kleinkunstszene und ab 1972 erschienen seine ersten LPs. Der Durchbruch gelang ihm 1977 mit seiner LP "Genug ist nicht genug". Weckers musikalisches Vorbild Carl Orff meinte einmal zu seinen Klavierkünsten: "Mozart bist du keiner, Beethoven auch nicht. Was aber viel wichtiger ist: Du bist Wecker!"

Literarisch geprägte Kindheit

Bereits während seiner Studienzeit war Wecker als Komponist tätig und kreierte zahlreiche Kompositionen für Theater, Film und Musicals. Schon als Kind war er zudem durch seine Eltern literarisch geprägt. Seine Mutter konnte zahlreiche Gedichte auswendig und rezitierte sie öfters. Wecker begeisterte sich schon als Jugendlicher für Naturgedichte von Eichendorff und Rilke. Sein Vorbild war jedoch Kurt Tucholsky. So war für Wecker die Verleihung des Kurt-Tucholsky-Preises 1995 eine besonders große Auszeichnung: "Diese Nähe zu Tucholsky, diesem schrägen Querkopf, ehrt mich ungemein", so Wecker.
In den sechziger Jahren begann Wecker seine Schauspielkarriere. Es folgten Nebenrollen in rund 30 TV-Filmen und -Serien, u. a. auch im Jahr 2000 im Film "Edelweiß" von Xaver Schwarzenberger.

Plädoyer, Süchtigen zu helfen

Anlässlich der Veröffentlichung seines Buchs "Ketzerbriefe eines Süchtigen" (1981) hielt Wecker öffentlich ein Plädoyer für die Notwendigkeit, Süchtigen Hilfe zu geben. Dann folgte seine Kokain-Affäre: Im November 1995 wurde Wecker wegen Besitz und Gebrauch von Kokain verhaftet - am 15. Dezember wurde er gegen Hinterlegung einer hohen Kaution und zehn weiteren Auflagen - u. a. einer Drogentherapie - auf freien Fuß gesetzt. 1998 kam es zur Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft, im April 2000 folgte die Revision des Urteils zu 20 Monaten Bewährung und einer Geldstrafe. "Außerdem nenne ich meine Sucht lieber Krise. Unsere Gesellschaft, die ist süchtig. Wir können mit fast nichts mehr umgehen, nicht nur mit Drogen nicht. Wir können mit Fernsehen nicht umgehen, wir können mit dem Kaufen nicht umgehen. Wir versuchen dauernd, uns davon abzulenken, auch nur eine Stunde mit uns selbst in der Stille allein zu sein. Aber das sollten wir. Egal, ob man meditiert, betet oder einfach nur da sitzt. Still muss es sein. Weil nur in der Stille erfahren wir, dass in uns noch etwas anderes wohnt. Nur auf diese Weise kann man Sucht überwinden", meint Wecker, der sich immer wieder mit seinen Meinungen zu gesellschaftspolitischen Themen hervortat.

Spätes privates Glück

Im Privatleben verlor Konstantin Wecker schon früh seine Freundin Tine Wagner: Sie kam 1984 im Alter von 19 Jahren durch einen Unfall ums Leben. Es folgten seine Ehe mit Carlien Seiser, seine Beziehung zu Langzeitfreundin Kerstin Groß und seine Ehe mit Annik Berlin. Konstantin Wecker ist zudem stolzer Vater von Valentin-Balthasar (geboren 1997) und Tamino Gabriel (geboren 1999). Über seinen Erstgeborenen meint Wecker: "Er erzieht mich. Zur Langsamkeit, zum Hinschauen. Er zeigt mir, was man alles sehen kann. Und er zeigt mir eine neue Dimension der Liebe, die ich noch nie erlebt habe. Ich bin sehr froh, das erleben zu dürfen. Und dass ich es erst so spät erlebe. Früher wäre zu früh gewesen."

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