- 17.04.2003, 08:04:56
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Konstantin Wecker zu Gast bei Helmut Zilk in der ORF-Sendung "Lebens-Künstler"
Wien (OTS) - Er wurde gefeiert und geächtet - auf künstlerische
Hochs folgten private Tiefs: In der 36. Ausgabe der ORF-Sendereihe
"Lebens-Künstler" begrüßt Helmut Zilk Konstantin Wecker. Bei der
Aufzeichnung am Montag im Wiener Ringturm plauderte der Liedermacher
mit Zilk über seine Kindheit sowie über sein bewegtes Leben als
Sänger, Schauspieler, Dichter, Filmkomponist und Gastwirt. Der ORF
zeigt diese Ausgabe von "Lebens-Künstler" am Ostermontag, dem 21.
April, um 22.45 Uhr in ORF 2.
Konstantin Wecker - Liedermacher und Lebenskünstler
Konstantin Alexander Wecker wurde am 1. Juni 1947 in München geboren
und wuchs als Einzelkind auf. Vater Alexander, Kunstmaler,
Opernsänger und Besitzer eines Schuhgeschäfts, war wohl mehr als sein
großes Vorbild: "So wie meinen Vater, so habe ich mir als Kind immer
den lieben Gott vorgestellt", singt er in seinem Lied "Vater". Auch
Mutter Dorothea förderte früh die Talente ihres Sohnes. Die Beziehung
zu ihr war jedoch nicht ungetrübt: "Meine Mutter hat mich oft
genervt, hat mir das Leben schwer gemacht. Aber eines verdanke ich
ihr, und daran gibt's nichts zu rütteln: den aufrechten Gang", meint
Wecker.
Nach seinem Studium an der Musikhochschule München und einigen
Semestern Philosophie und Psychologie an der Universität München kam
er im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal ins Gefängnis. Wecker hatte
gemeinsam mit einem Freund 30.000 DM aus dem Tresor der
Rennbahn München-Riem gestohlen. "Ich wollt' einfach nur mal abhauen
und hab' mir gedacht, nachdem das bis jetzt nie so recht geklappt
hat, weil ich nie Geld gehabt habe, wollte ich mit viel Geld abhauen.
Ich fand das selbstverständlich, das Geld zu nehmen und damit zu
existieren. Ich war so verträumt und dachte, ich kann damit jahrelang
auskommen. ... Es war ein notwendiger Dämpfer, schon wichtig für
mich", meint Wecker zu diesem Abschnitt seines Lebens.
Früher Start der Gesangskarriere
Schon früh startete der kleine Konstantin seine Gesangskarriere: Von
1955 bis 1960 war Konstantin Wecker Mitglied des
Rudolf-Lamy-Kinderchors und Solist bei einer Plattenaufnahme des
Chors. 1968 gab er erste Soloauftritte in der Kleinkunstszene und ab
1972 erschienen seine ersten LPs. Der Durchbruch gelang ihm 1977 mit
seiner LP "Genug ist nicht genug". Weckers musikalisches Vorbild Carl
Orff meinte einmal zu seinen Klavierkünsten: "Mozart bist du keiner,
Beethoven auch nicht. Was aber viel wichtiger ist: Du bist Wecker!"
Literarisch geprägte Kindheit
Bereits während seiner Studienzeit war Wecker als Komponist tätig und
kreierte zahlreiche Kompositionen für Theater, Film und Musicals.
Schon als Kind war er zudem durch seine Eltern literarisch geprägt.
Seine Mutter konnte zahlreiche Gedichte auswendig und rezitierte sie
öfters. Wecker begeisterte sich schon als Jugendlicher für
Naturgedichte von Eichendorff und Rilke. Sein Vorbild war jedoch Kurt
Tucholsky. So war für Wecker die Verleihung des
Kurt-Tucholsky-Preises 1995 eine besonders große Auszeichnung: "Diese
Nähe zu Tucholsky, diesem schrägen Querkopf, ehrt mich ungemein", so
Wecker.
In den sechziger Jahren begann Wecker seine Schauspielkarriere. Es
folgten Nebenrollen in rund 30 TV-Filmen und -Serien, u. a. auch im
Jahr 2000 im Film "Edelweiß" von Xaver Schwarzenberger.
Plädoyer, Süchtigen zu helfen
Anlässlich der Veröffentlichung seines Buchs "Ketzerbriefe eines
Süchtigen" (1981) hielt Wecker öffentlich ein Plädoyer für die
Notwendigkeit, Süchtigen Hilfe zu geben. Dann folgte seine
Kokain-Affäre: Im November 1995 wurde Wecker wegen Besitz und
Gebrauch von Kokain verhaftet - am 15. Dezember wurde er gegen
Hinterlegung einer hohen Kaution und zehn weiteren Auflagen - u. a.
einer Drogentherapie - auf freien Fuß gesetzt. 1998 kam es zur
Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft, im April 2000 folgte die
Revision des Urteils zu 20 Monaten Bewährung und einer Geldstrafe.
"Außerdem nenne ich meine Sucht lieber Krise. Unsere Gesellschaft,
die ist süchtig. Wir können mit fast nichts mehr umgehen, nicht nur
mit Drogen nicht. Wir können mit Fernsehen nicht umgehen, wir können
mit dem Kaufen nicht umgehen. Wir versuchen dauernd, uns davon
abzulenken, auch nur eine Stunde mit uns selbst in der Stille allein
zu sein. Aber das sollten wir. Egal, ob man meditiert, betet oder
einfach nur da sitzt. Still muss es sein. Weil nur in der Stille
erfahren wir, dass in uns noch etwas anderes wohnt. Nur auf diese
Weise kann man Sucht überwinden", meint Wecker, der sich immer wieder
mit seinen Meinungen zu gesellschaftspolitischen Themen hervortat.
Spätes privates Glück
Im Privatleben verlor Konstantin Wecker schon früh seine Freundin
Tine Wagner: Sie kam 1984 im Alter von 19 Jahren durch einen Unfall
ums Leben. Es folgten seine Ehe mit Carlien Seiser, seine Beziehung
zu Langzeitfreundin Kerstin Groß und seine Ehe mit Annik Berlin.
Konstantin Wecker ist zudem stolzer Vater von Valentin-Balthasar
(geboren 1997) und Tamino Gabriel (geboren 1999). Über seinen
Erstgeborenen meint Wecker: "Er erzieht mich. Zur Langsamkeit, zum
Hinschauen. Er zeigt mir, was man alles sehen kann. Und er zeigt mir
eine neue Dimension der Liebe, die ich noch nie erlebt habe. Ich bin
sehr froh, das erleben zu dürfen. Und dass ich es erst so spät
erlebe. Früher wäre zu früh gewesen."
Rückfragehinweis:
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Sabine Braunsteiner
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