• 11.04.2003, 18:34:43
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Irak-Befreiungskrieg oder: Als die Bilder lügen lernten" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 12.04.2003

Graz (OTS) - Echte Jubelbilder fälschen den Kriegsgrund im
Nachhinein um.

Wieder war es ein Krieg der Bilder. Fotografen und Kameraleute
marschierten durch den Irak. In den letzten Tagen konnte man
einfache Soldaten via TV durch den Palmenhain pirschen sehen. Und
seit den brennenden Twin-Towers am 11. September 2001 dürfte wohl
kein Motiv derart weltweite Publizität gefunden haben wie der Sturz
der großen Saddam-Statue in Bagdad. Wahre Bilderfluten brachen über
die Medien herein. Allein unsere Redaktion erreichten im
Tagesschnitt 600 Fotos unter dem Stichwort Irak. Mehr als 18.000 in
den letzten drei Wochen.

Aber welche Rolle haben Bilder in diesem Krieg gespielt? Die meisten
Motive, die wir aus dem Zweiten Weltkrieg und vom Holocaust kennen,
wurden erst nach 1945 öffentlich. Wären sie schon vorher kursiert,
hätte sich das NS-Regime wohl nicht so lange gehalten.

Seit Vietnam wissen wir, dass Bilder einen Krieg beenden helfen
können. Selbst wenn das militärisch eine Niederlage bedeutet. Die
Aufnahmen napalmverbrannter Kinder und öffentlich exekutierter
Vietkong ließ die Meinung in den USA kippen. Der Krieg wurde
politisch nicht fortführbar.

Seit dem ersten Golfkrieg 1991 wissen wir, dass Bilder einen Krieg
auch verhüllen können, man mit ihnen einen Videogame-artigen Vorhang
vor Leid, Blut und Tod ziehen und das Ganze als eine Art klinischen
Eingriff darstellen kann.

Und seit den letzten Tagen im Irak haben Bilder eine weitere
Funktion bekommen: Sie scheinen im Nachhinein den Krieg zu
rechtfertigen.

Die US-Army wusste, dass sie diesmal mit grünlichen Nachtaufnahmen
und abstrakten Radarmotiven nicht durchkommen würde. Also nahm sie
sich viele Lichtbildner als "eingebettete" Journalisten zur Brust.

Flott rollende Panzer, aufstiebende Staubfontänen, Artillerieblitze
am nächtlichen Horizont durften signalisieren: Ja, es ist Krieg.
Freundliche und zuletzt jubelnde Iraker aber schienen zu beweisen,
dass dies ein Krieg für die Menschen sei. Jener Befreiungskrieg, den
Bush und Blair ständig im Munde führten. Und der er eher nebenbei
auch war.

Die Bilder sollten aber wohl auch vergessen machen, dass man den
eigentlichen Kriegsgrund, die Auffindung tödlicher
Massenvernichtungswaffen, bisher nicht rechtfertigen konnte. Das
scheint gelungen.

Alle Tragik hat auch etwas Komisches: Als das Saddam-Denkmal
gestürzt wurde, sah man, dass es innen hohl war. Zwei lächerliche
Eisenstrünke wurden sichtbar. Eine starke Metapher für eine
brutales und dennoch schwaches Regime. ****

Rückfragehinweis: Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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