- 11.04.2003, 18:24:06
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Von Amerika lernen heißt nicht, es lieben
"Presse"-Leitartikel von Andreas Unterberger
Wien (OTS) - Amerika hat den Irak-Krieg (so gut wie) gewonnen.
Selbst die Araber haben das nun realisieren müssen. Amerika hat den
Krieg sogar mit großer Leichtigkeit gewonnen, obwohl es seine Armee
rund um den Globus transportieren musste. Obwohl es nur von dem
winzigen Kuwait aus angreifen konnte. Obwohl der Großteil der Welt
(aus nationalen Interessen, aus Antiamerikanismus, aber auch aus
edlen Motiven heraus) massiv gegen die Amerikaner war. Obwohl die
irakische Armee eigentlich als relativ stark gegolten hatte. Obwohl
Amerika die geplante Front aus der Türkei nicht eröffnen konnte.
Es ist ernsthaft und kritisch zu diskutieren, was das alles für
UNO und Völkerrecht bedeutet - auch wenn den Fotos von verstümmelten
Kriegsopfern nun immer mehr Berichte über Saddams Folterungen und
Morde gegenübertreten. Diese Diskussion ist umso legitimer, als die
USA bisher keine Beweise für die vermuteten Chemie-Waffen haben.
Dennoch: Diese Diskussion ist müßig, wenn nicht Europa auch eine
zweite führt: Warum sind die Amerikaner so dramatisch überlegen? Dass
sie weltweit einmarschieren können. Dass sie mächtiger sind, als das
in der Geschichte je ein Land gewesen ist. Dass ihre Armee schon
stärker ist als die zehn nächststärksten übrigen Armeen zusammen,
obwohl sie relativ weitaus weniger für Rüstung ausgeben als in
Vietnam-Zeiten.
Europa kann jetzt lange - und in etlichen Punkten mit vollem Recht
- über Amerika schimpfen. Es kann viele Fehler der USA aufzeigen. Es
beginge aber selbst den allergrößten Fehler, wenn es nicht Amerikas
Erfolgsmodell genau studierte. Von den USA (die ja nicht auf eine
größere oder besser ausgebildete Einwohnerschaft als Europa aufbauen
können) lernen heißt auch noch nicht, sie zu lieben.
Als Basis der Stärke stößt man immer wieder auf die Reformen unter
Ronald Reagan. Amerika ist ein Land, in dem sich Investitionen dank
der Deregulierung am schnellsten rentieren; in dem man von jedem
verdienten Dollar nur 29 Cent Abgaben zahlt (in Österreich hingegen
mehr als 45!); in dem (nicht zuletzt von der Armee) massiv in
Spitzenforschung investiert wird; in dem die einstige Kriminalität
durch "Zero Tolerance" dezimiert worden ist; in dem zum Unterschied
von Europa nicht auf die Kinderproduktion vergessen worden ist; in
dem keine Provinz-, Landes-, Währungs- und Sprachgrenzen das
Wirtschaften erschweren; in dem man Menschen lieber fürs Arbeiten als
fürs Nichtarbeiten (=Rente oder Arbeitslosigkeit) bezahlt.
Ist es da ein Wunder, dass alle Welt ihr Spargeld in diesem Amerika
anlegt? Dass die Europäer oder Japaner auf diese Weise unbeabsichtigt
Amerikas Rüstung, Amerikas Konsumfreude, Amerikas Überlegenheit
finanzieren?
Wir können den Hochmut der einzigen Megamacht der Geschichte
beklagen, der sich auch politisch niederschlägt. Europa sollte aber
den Irak-Schock ebenso zum Anlass für einen Bauchaufschwung nehmen,
wie Amerika selbst in den 60er Jahren durch den sowjetischen
Sputnik-Vorsprung und in den 70ern durch die Vietnam-Niederlage
aufgeweckt worden ist.
P. S.: Diese Erkenntnis etwa zur hiesigen Pensionsreform
weiterzubuchstabieren, wäre gar nicht mehr schwierig.
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