• 11.04.2003, 12:00:32
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  • OTS0116 OTW0116

Wiener Deklaration im Wortlaut: "Irak - gefährdetes Kulturerbe"

Wien (OTS) - Das Wiener Kongressthema: "Enter the Past - the e-way
into the four dimensions of Cultural Heritage" widmet sich der
materiellen Hinterlassenschaft der Menschheit und ihrem Umgang im
digitalen Zeitalter. Es ist dies ein stets an Bedeutung gewinnender
Bereich unseres Kulturerbes. Es schließt die virtuelle Rekonstruktion
verloren gegangener Städte wie Nimrod und Ausgrabungsstätten aus dem
uralten Mesopotamien ein, dem heutigen Irak.

In seiner Eröffnungsrede vom 9. April 2003 hat der
österreichische Bundespräsident, Dr. Thomas Klestil als Folge der
Ereignisse am Golf zu einer gemeinsamen internationalen Aktion
aufgerufen, die verhindern soll, dass Artefakte aus dem Irak
plötzlich zu Handelswaren auf den internationalen Antiquitätenmärkten
werden.

Mit dem Versprechen seiner Unterstützung appellierte Dr. Klestil
an unsere internationale Gemeinschaft "sich für einen wirkungsvollen
Schutz der bedeutendsten archäologischen Grabungsstätten
einzusetzen". Der Präsident fügte hinzu: "Wo immer es sinnvoll ist,
werde ich alle Bemühungen unterstützen, um die antiken Schätze des
Iraks zu erhalten und eine Plünderung dieser historischen Stätten zu
verhindern. Die Schätze Mesopotamiens dürfen nicht zu Objekten des
internationalen Antiquitätenhandels werden. Weiters muss auf allen
Ebenen den Museen des Iraks geholfen werden, ihre Wiederherstellung
zu fördern, wo immer dies vonnöten ist."

In einem Communicqué von ICOMOS (International Council on
Monuments and Sites) wird festgehalten: "... ICOMOS, ein
internationaler (non-governmental organisation - NGO) Verband von
Fachleuten aus mehr als 120 Ländern und diverser Kulturen weist
vehement auf die Wichtigkeit des Themas hin: dass kulturelles
Welterbe aus unterschiedlichen Kulturen zu respektieren sei und als
Basis für Frieden und Entwicklung angesehen wird. Daher ist man über
die derzeitige Entwicklung, die das zukünftige kulturelle Erbe des
Iraks nehmen wird, äußerst beunruhigt.

Die vorliegenden Dokumente sind die Antwort von ICOMOS und der
internationalen versammelten Gemeinschaft von Wissenschaftlern, die
beim Wiener Kongress "Enter the Past" teilnehmen und den Aufruf des
Präsidenten unterstützen.

Die globale Bedeutung der Denkmäler, Museen und
Ausgrabungsstätten im Irak stellt eine internationale Verpflichtung
für alle Völker und Regierungen dar diese zu schützen. Während und
nach dem letzten Golfkrieg wurden Museen und Grabungsstätten des Irak
geplündert und verschwanden zahlreiche Antiquitäten aus dem Irak. Die
Archäologen reagierten darauf durch Erstellen von Datenbanken und in
letzter Zeit durch spezielle Websites, auf denen sie bekannte
Grabungsstätten und die besonders gefährdeten Objekte identifizierten
und auch jene, die bereits den Antiquitätenmarkt erreicht hatten.

Über die Folgen für das kulturelle Erbe des Irak haben nach dem
letzten Golfkonflikt zahlreiche Kulturinstitutionen Alarm geschlagen
und ihre öffentlichen Erklärungen auf Websites publiziert.

Wir ersuchen dringend alle Regierungen Institutionen und
Personen, die in der Lage sind, handelnd einzugreifen, die im Irak
geltenden strengen Gesetze bezüglich er Antiquitäten anzuerkennen und
in Gültigkeit zu belassen. Wir ersuchen ferner alle Regierungen
Institutionen und Personen, eine dauerhafte Sicherung des
archäologischen und kulturellen Erbes des Irak in allen seinen
historischen Perioden zu gewährleiste und den illegalen Raubgrabungen
und dem Schmuggel von Antiquitäten, wie dies bereits geschehen ist,
Einhalt zu gebieten. Nach Beendigung des Konfliktes muss die
personelle Ausstattung der Irakischen Behörden für Antiquitäten, in
welcher Form auch immer, in optimaler Stärke im akademischem und
technischem Bereich wieder hergestellt werden. Sehr wichtig ist
dabei, für eine ausreichende Zahl von Wachen an den einzelnen
Grabungsstätten, Monumenten und Museen zu sorgen.

Wie von den Unterzeichnern dieser Deklaration festgehalten, ist
nach dem Ende der gegenwärtigen Krise die internationale Fachwelt
bereit, die irakische Behörde für Altertümer zu unterstützen, vor
allem bei der Verstärkung, der Ausbildung und Weiterbildung ihres
Personals, bei der Bewertung der Artefakte und Bauwerke und bei der
Neuausstattung von Laboratorien. Wenn die Bitte an die internationale
Fachwelt gerichtet wird, sind die Archäologen weltweit bereit, an der
erforderlichen Bewertung des verursachten Schadens, der durch
Raubgrabungen oder durch Kriegshandlungen entstanden ist,
teilzunehmen und bei Rettungsoperationen der Behörden für Altertümer
und bei der Repatriierung gestohlener Antiquitäten mitzuhelfen.

Die Unterzeichner dieses Schreibens ersuchen alle Regierungen
anzuerkennen, dass fragiles kulturelles Erbe durch Kriegshandlungen
unvermeidlich beschädigt wird, dass unersetzliche Verluste sowohl für
die örtlichen Gemeinschaften als auch für die gesamte Menschheit
durch die Zerstörung von Kulturstätten, Denkmälern und Kunstwerken
verursacht werden. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe und
Verpflichtung, alles zu unternehmen, um diese zu schützen.

Auch inmitten von Not und Elend muss Geschichte für die Zukunft
gerettet werden. Wir rufen alle auf, die dazu bereit sind, beim
Wiederaufbau zu helfen und uns dies rechtzeitig wissen zu lassen.
(Schluss) red

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Univ. Doz. Dr. Ortolf Harl
Tel.: 4000/81173
Handy: 0664 920 08 80
mailto:har@gku.magwien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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