- 04.04.2003, 16:37:23
- /
- OTS0208 OTW0208
Altersrente mit vielen Klassen
WirtschaftsBlatt-Kommentar von Engelbert Washietl
Wien (OTS) - Die geplante Reform der Alterssicherung ist kein
grosser Wurf. Es tauchen Berechnungen auf, die zeigen, dass die
Regierung mit der Kettensäge Schneisen in den Wald sozialrechtlicher
Bestimmungen schlägt und danach schaut, wie viele Klafter Holz zur
Deckung finanzieller Aussenstände zusammengekommen sind.
Der Vertrauensbruch mehrerer Regierungen gegenüber der Bevölkerung
besteht darin, dass die seit mindestens zehn Jahren erkennbare und
durch die demographische Entwicklung nachweisbare Krise des
Versicherungssystems immer nur übertüncht wurde. Und dass die selben
handelnden und mit Herrschaftswissen ausgestatteten Personen das
System zugleich auspressten, um rasch und solange das noch ging den
wertvollen Saft in Sparten abzuleiten, die mit der Alterssicherung
nichts zu tun haben. So wurden tausende ältere Arbeitnehmer in
Ministerien, Kammern, den ÖBB und staatlichen wie staatsnahen
Betrieben mit den Geldern von Beitragszahlern entsorgt.
Die Pensionslüge, die vom damaligen Bun-deskanzler Franz Vranitzky
sogar per Unterschrift bestätigt wurde, ist für das Volk keine
hypothetische. Die Lüge geht auf der Strasse spazieren, und zwar in
Gestalt von Pensionisten, die nur wenige Geburtsjahre auseinander
sind und dennoch höchst unterschiedlichen Klassen sogar innerhalb des
ASVG-Modells angehören. Die Geldsummen, die auf ihrem Pensionskonto
ankommen, unterscheiden sich bei ähnlicher Lebensarbeitsleistung so
krass wie die geologischen Schichten einer Schottergrube. Der für die
Pension entscheidende Stichtag ist, wann jemand in die Gewalt welcher
Pensionsreformer gerät. Wem beim Reformschub 2004 Geld abgezogen
wird, der darf ausserdem bis an sein Lebensende indirekt diejenigen
mitfinanzieren, die vor wenigen Jahren in eine noch deutlich bessere
Pension rutschten oder geradezu in diese getrieben wurden.
Neben den neuen Klassengesellschaften der ASVG-Versicherten, stehen
in bunter Vielfalt die Klassen der ÖBB-Rentner, der
Beamtenpensionäre, der kleinen Gruppe von Höchstverdienern und der
Politiker. Jeder, der bloss lang, viel und gut gearbeitet und
monatlich hohe Beiträge abgeliefert hat, weiss am Ende dieser aktiven
Phase nur eines: Er darf noch länger arbeiten und kriegt dafür
weniger. Er hat falsch gerechnet, denn er hätte auch den politischen
Hinterhalt versicherungsmathematisch berücksichtigen müssen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB






