• 03.04.2003, 10:15:00
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2002: UNGESCHÜTZTE VERKEHRSTEILNEHMER - VERLIERER IM STRAßENVERKEHR!

KfV präsentiert Unfallbilanz 2002: Wieder Anstieg bei Unfällen und Verletzten - Anstieg bei Alkohol-Unfällen - Gefährdung für Fußgänger

Wien (OTS) -
"Stellen Sie sich vor - 56.684 Verletzte, das entspricht der
Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt", verdeutlicht Dr. Othmar
Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), die
enorme Zahl an Verletzten, die allein im Jahr 2002 in Österreich
erfasst wurden. "Es muss energisch an der Erhöhung der Sicherheit im
Straßenverkehr gearbeitet werden. Unfallprävention und
Bewusstseinsbildung heißt unsere oberste Maxime. Dies wird umso
deutlicher, wenn man sich vor Augen hält, dass Österreich im
EU-Vergleich bei der Anzahl der Unfälle im Straßenverkehr absolute
Schlusslichtposition einnimmt!"

Im Jahr 2002 ereigneten sich auf Österreichs Straßen:

- 43.175 Unfälle mit Personenschaden (2001: 43.073), eine Erhöhung
von 0,2 Prozent
- 56.684 Verletzte (2001: 56.265), das ergibt eine Steigerung von 0,7
Prozent
- 956 Tote (2001: 958), die Zahl der Getöteten ist praktisch
unverändert (minus 0,2 %).

Ziel: Jährliche Verringerung der Verkehrstoten nicht erreicht!

Das Österreichische Verkehrssicherheitsprogramm sieht eine Reduktion
der Verkehrstoten um 50 Prozent bis 2010 vor. Eine nennenswerte
jährliche Verringerung der Getöteten ist daher notwendig. Schon im
ersten Jahr des Programms wird dieses jährliche Reduktionsziel aber
bereits verfehlt - es sind bereits 62 Getötete mehr als angepeilt.

Thann: "956 Getötete im Straßenverkehr - das sind 956 Menschen -
Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Menschen, die sich - so wie Sie
vielleicht gerade jetzt - ahnungslos ins Auto gesetzt haben um zur
Arbeit zu fahren, oder zu Fuß auf dem Weg in die Schule waren, oder
in ausgelassener Stimmung nach durchtanzter Nacht vom Club auf dem
Weg nach Hause fuhren - sie haben ihr Ziel nicht mehr lebend
erreicht. Kein Strafzettel hilft mehr, kein Alkomat-Test kann die
Toten zurückholen. Mütter, Väter, Geschwister, Ehepartner, Kinder,
Freunde bleiben zurück."

KfV fordert 20% weniger Verletzte bis 2010

Die Zahl der Verletzten steigt seit Mitte der Neunzigerjahre
kontinuierlich an. Erfolge sind bisher nicht gelungen. Im Vergleich
zur Reduktion der Getöteten - seit 1961 konnte eine Verringerung von
41,7 Prozent erzielt werden - ist der Rückgang bei der Zahl der
Verletzten verschwindend gering. Dieser beträgt lediglich 0,3 Prozent
seit 1961. Das Österreichische Verkehrssicherheitsprogramm sieht eine
Reduktion der Getöteten (50%) und Unfälle (20%) bis 2010 vor. Auch
punkto Verletzte strebt das KfV eine dauerhafte Senkung um 20 Prozent
an.

Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger über 64

Im Jahr 2002 ereigneten sich insgesamt 4.650 Unfälle mit Fußgängern
im Straßenverkehr (2001: 4.559), 4.512 Fußgänger wurden verletzt
(2001: 4.494) und 160 (2001: 117) getötet. Sowohl die Zahl der
Unfälle und Verletzten als auch die der Getöteten ist also stark
gestiegen. Vor allem die Gruppe der über 64-jährigen ist besonders
betroffen. Mehr als die Hälfte aller getöteten Fußgänger ist über 64
Jahre alt. Im Ortsgebiet hat sich die Zahl der getöteten Senioren
gegenüber dem Vorjahr beinahe verdoppelt. "Besonders für ältere
Fußgänger kann ein Sturz schwerwiegende Folgen nach sich ziehen - der
für jüngere vielleicht noch vergleichsweise glimpflich ausgeht - und
sogar zum Tod führen. Dennoch darf im Ortsgebiet nach wie vor
ungestraft um 10 km/h schneller als erlaubt gefahren werden. Wir
fordern daher vehement den Entfall der hohen Toleranzgrenzen im
Ortsgebiet und dadurch mehr Schutz für Fußgänger", so Thann.

Rückgang bei durch Technik geschützten Autofahrern versus stetiger
Anstieg bei ungeschützten Verkehrsteilnehmern!

Fußgänger bleiben im Straßenverkehr häufig auf der Strecke. Die
Getötetenzahl, der durch neueste Techniken geschützten Autofahrer
sinkt (- 46). Dieser Rückgang wird leider durch den massiven Anstieg
bei der Zahl der getöteten Fußgänger (+ 43) beinahe ausgeglichen.
D.h., es erfolgte ein Rückgang bei den getöteten Pkw-Insassen um acht
Prozent, während bei den Fußgängern ein Anstieg von 37 Prozent zu
verzeichnen war. Das KfV setzt sich daher vehement für die
Verbesserung der Konstruktion von Fahrzeugfronten ein: "Die
Verminderung dieses hohen Risikos der ungeschützten
Verkehrsteilnehmer ist eines der zentralen Schwerpunkte unserer
Verkehrssicherheitsarbeit. Leider ist derzeit eine diametrale
Entwicklung beobachtbar. Wir setzen uns daher gezielt für Maßnahmen
zur Geschwindigkeitsberuhigung ein und rufen alle motorisierten
Verkehrsteilnehmer zu mehr Rücksicht gegenüber den Schwächsten im
Straßenverkehr auf."

Anstieg bei Alkohol-Unfällen - Frauen im Vormarsch!

Im Jahr 2002 gab es in Österreich 2.736 Alkohol-Unfälle, 3.901
Personen wurden dabei verletzt und 92 getötet. Das bedeutet einen
Anstieg zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um rund sieben Prozent
bei den Unfällen, um elf Prozent bei den Verletzten und um 35(!)
Prozent bei der Anzahl der Getöteten. Bei den alkoholisierten
männlichen Lenkern zwischen 18 und 24 Jahren betrug der Anteil an den
Alkohol-Unfällen 26 Prozent. Zwar nehmen Männer als alkoholisierte
Lenker nach wie vor den Spitzenplatz in der Statistik ein, die Zahl
der Frauen mit Promille im Blut nimmt aber beständig zu. 275 Frauen
waren bei Unfällen mit Personenschaden alkoholisiert. "In Österreich
ist die Wahrscheinlichkeit für Lenker am Steuer von der Exekutive zum
Alkomaten gebeten zu werden ohnehin äußerst gering. Nur drei Prozent
erwischt es tatsächlich. Wir fordern daher punktgenaue Kontrollen,
Bewusstseinsbildung und die Einführung von Vortestgeräten", hält der
KfV-Chef fest.

Gurtverwendung steigt - bei Frauen "klickts" häufiger !

Im Jahr 2002 waren von 524 getöteten Pkw-Insassen 263 nicht
angegurtet, d.h. dass die Hälfte aller getöteten Pkw-Insassen nicht
angegurtet war. Ungesicherte machen mehr als 27 Prozent aller
Verkehrstoten aus. Noch immer ist etwa jeder vierte Österreicher ohne
Gurt unterwegs, im Ortsgebiet sogar jeder dritte. Dennoch - die
drastische Gurtkampagne des KfV ("Schnallen Sie sich an, bevor es
andere für Sie tun") hat nicht nur bei der Evaluation hervorragende
Werte erzielt, sondern das Bewusstsein für die lebensrettende
Maßnahme "Anschnallen" geschärft. Erstmals konnte im Vergleich zum
Vorjahr ein Plus bei der Verwendung der Gurte auf den Vordersitzen
erzielt werden! Im Jahr 2002 schnallten sich 75 Prozent auf den
Vordersitzen an, Frauen schnallen sich häufiger an als Männer: Bei
den Lenkern verwendeten 80 Prozent der Frauen und 74 Prozent der
Männer den Gurt. Zwar macht es auf den Rücksitzen generell seltener
"Klick" - erfreulicherweise ist aber eine Steigerung um 18,2
Prozent-Punkte zu 2001 zu beobachten (2001: 43,4 %, 2002: 61,6 %).

Thann: "Gerade auf den Rücksitzen kann eine Gefahrensituation
entstehen. Leider ist das viel zu wenigen Menschen bewusst. Kommt es
zu einem Zusammenstoß, wird der nicht angeschnallte Passagier auf dem
Rücksitz gegen den Vordermann geschleudert und gefährdet diesen
zusätzlich. Wir hoffen, dass die gesteigerte Bereitschaft zur
Gurtverwendung weiterhin Schule macht und sich die unerlässliche
Einsicht einstellt 'alles anschnallen' auch auf kurzen Strecken!"

Jedem Kind sein Platz!

Pro Jahr ist bei Schulbusunfällen ein Todesopfer zu beklagen. Im Jahr
2002 gab es 28 Unfälle mit 40 Verletzten und einen Toten. Dass Kinder
bei der Beförderung in die Schule eher wie Menschen zweiter Klasse
eingestuft werden, kritisiert das KfV nachdrücklich. Bis dato ist die
Regelung bei Steh- und Sitzplätzen in Omnibussen unbefriedigend:
Kinder unter sechs Jahren zählen gar nicht, bei Kindern von sechs bis
14 Jahren zählen drei Kinder als zwei. Das KfV fordert endlich die
Umsetzung einer längst fälligen 1:1 Zählregelung für Kinder, d.h. pro
Kind ein Platz.

Geltende Schwer-Lkw-Bestimmungen auch für Klein-Lkw (ab 3,5 t)!

Durch die Umsetzung eines Bündels an Maßnahmen sollte es möglich
sein, die Sicherheit, Akzeptanz und Umweltverträglichkeit des
Lkw-Verkehrs zu erhöhen. Das KfV fordert vor allem eine rasche
Einführung des digitalen Tachographen und die strenge Kontrolle über
die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten. Diese hohe Zahl der
Verletzten beweist, dass eine Gleichstellung der Lkw (3,5 t - 7,5 t)
an Lkw über 7,5 Tonnen überfällig ist. Das Wochenend-, Feiertags- und
Nachtfahrverbot soll auch für Klein-Lkw gelten, verschärfte
Kontrollen sind anzustreben."

Die KfV-Forderungen auf einen Blick :

- Maßnahmen gegen Hochrisikofahrer
- Lkw > 3,5 t: Evaluierung und Optimierung der Lkw-Überholverbote,
rasche Einführung des digitalen Tachografen, Ladungssicherung,
Kontrolle der Lenk- und Ruhezeiten - Kontrollstellen errichten
- Omnibusse: Jedem Kind sein Platz! 1:1 Zählregelung für Kinder
gefordert
- Wegfall der hohen Toleranzgrenzen bei Geschwindigkeitsübertretungen
- Forcierte Sanierung der Unfallhäufungsstellen
- Sicherheitsaudit: verpflichtende Sicherheitsprüfung bei allen
Straßenbauprojekten
- Schutzweg: Bessere Kennzeichnung und Schwerpunktkontrollen
- Alkoholisierte Lenker: Verstärkte Überwachung, Einsatz von
Vortestgeräten und höhere Strafen sind gefordert
- Drogen-Unfälle: Forcierung einer zielgerechten Überwachung und
verstärkter Ausbildung von Exekutivbeamten
- Licht am Tag: Einführung von Tagfahrlicht für Fahrten im Freiland
während der Winterzeit
- Maßnahmen zur Geschwindigkeitsberuhigung
- Fußgängerfreundliche Autofronten erzeugen - laut dem Stand der
Technik
- Klare Regelung des Abstandsverhaltens
- Reform der theoretischen Fahrausbildung
- Aufruf an motorisierte Verkehrsteilnehmer: Mehr Rücksicht gegenüber
ungeschützten Verkehrsteilnehmern
- Gurt/Kindersitz: verstärkte Überwachung
- Ausweitung der verpflichtenden Verkehrserziehung

Rückfragehinweis:
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Gabriele Hinterkörner
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71 770/161
http://www.kfv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KVS

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