• 28.03.2003, 17:20:45
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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die wahren Fronten" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 29. März 2003

Innsbruck (OTS) - Jeder Krieg ist nur bis zum ersten Schuss
planbar. Ab dann läuft alles anders als erwartet, bedacht, erhofft
oder befürchtet. Das gilt auch für die politische Führung der USA und
ihren Feldzug gegen Iraks Diktator Saddam Hussein in Form eines
Krieges gegen das Land. Man braucht dabei weder antiamerikanisch
eingestellt oder zynisch veranlagt zu sein, um sich über die
militärischen und politischen Fehleinschätzungen seitens der USA zu
entsetzen. Die Fronten in diesem Krieg verlaufen jedenfalls anders
als es jene erwarteten, die diesen Krieg begannen.
Präsident Bush und seine Berater haben offenbar Warnungen der
Militärs ignoriert, sich über Bedenken hinweggesetzt. Weder Wind noch
Wetter, weder Kampfbereitschaft und Taktik der Irakis wurden seitens
der Bush-Administration richtig eingeschätzt. Saddam Hussein wird
auch in seinem Land und von einigen Führern der Region entschieden
abgelehnt. Aber ihn zu beseitigen, überlassen alle den USA. Die
stecken ohne die erwarteten aufständischen oder überlaufenden
Verbündeten im Sand vor Bagdad.
So haben sich Bush & Co. nicht nur über die Strategie der irakischen
Führung und die politische Stimmung in der Golf-Region getäuscht
sondern auch über jene auf den Straßen und in den Hauptstädten dieser
Welt.
Auf den Straße dominieren Bilder von Demonstrationen, deren
Teilnehmer sich gegen die USA und gegen diesen Krieg aussprechen. In
den Hauptstädten beraten Minister und Diplomaten Initiativen für
einen Frieden, Hilfe für die Opfer vor Ort und Planungen für einen
Wiederaufbau des Irak, den sie nicht den USA alleine überlassen
wollen. Die geistlichen Führer aller Bekenntnisse halten sich
außerordentlich zurück, sagen klar, dass dies kein Krieg der
Religionen ist.
Damit sind die USA vorerst verdammt alleine in einer kriegerischen
und politisch äußerst problematischen Situation, in welche sie ihre
politische Führung gebracht hat. Diese hat jeden Frontverlauf falsch
eingeschätzt.
Mit Bangen blickt die Welt auf den Irak. Und hofft, dass nicht
neuerlich ein Krieg erst durch Ausbluten beendet werden kann, weil
die Politik nur bis zum ersten Schuss zu planen in der Lage war. Der
Preis dafür ist inakzeptabel hoch.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 04 03/ DW 601

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