"Neues Volksblatt" Kommentar: "Wo bleibt das Volk?" (Von Manfred Maurer)

Ausgabe vom 26. März 2003

Linz (OTS) - =

Sechs Tage nach Beginn der "Operation Irakische
Freiheit" ist das Regime noch immer nicht gestürzt. Die Alliierten rücken auf Bagdad vor, doch dort scheint das Bombardement eine in fatalistischer Lethargie verharrende Bevölkerung weder in Panik zu versetzen noch zum Aufstand zu ermutigen.
Wo sind die Massen, die den Alliierten entgegenjubeln und der Welt sagen: Bush hatte doch Recht mit diesem Waffengang, der kein Eroberungs-, sondern Befreiungskrieg ist? Warum weht noch kein Hauch von Revolution durch Bagdad?
Die Antwort lautet: Angst. Im Südirak bangen die eben Befreiten noch immer vor den Schergen des Regimes, das im Staatsfernsehen seine bizarre Endsiegstimmung mit toten und gefangenen Feinden illustrieren kann. Saddam hat unzählige Attentate überlebt, sogar die "Operation Wüstensturm" vor zwölf Jahren. So etwas verleiht, zumal in einem arabischen Land, einen Nimbus der Unbesiegbarkeit. Daher werden sich die Iraker abwartend verhalten, solange sie nicht absolut sicher sein können, dass der Despot keine Chance hat und sie nicht mehr dessen schreckliche Rache fürchten müssen. Noch trauen sie dem Frieden nicht, den Bush und Blair versprechen. Doch der Aufstand wird kommen. In Basra geht es schon los ...

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