DER STANDARD-Kommentar: "Krieg und Geschäft" (von Erhard Stackl) - Erscheinungstag 26.3.2003

Wien (OTS) - Der wichtigste Hafen des Irak, Umm Kasr, war von den alliierten Truppen noch gar nicht erobert, da vergab die von der Regierung Bush mit dem Wiederaufbau der Kriegsregion beauftragte Behörde USAid bereits den Millionenauftrag zu dessen Reparatur - an eine amerikanische Privatfirma.

Auf Menschen, die beim Krieg an das Leid der Opfer denken, wirken dessen wirtschaftliche Folgen und Begleiterscheinungen oft unerträglich zynisch. Die 75 Milliarden Dollar, die Präsident Bush nun zur Finanzierung des Irakkriegs vom US-Kongress verlangt, übersteigen sämtliche Ausgaben in einem Jahresbudget Österreichs. Auf dem Weltmarkt steigen die Preise für Öl und Gold, die Börsenkurse schwanken je nach den Nachrichten von der Front. Und obwohl klar ist, dass der Irak nach dem Krieg wieder aufgebaut werden muss, bleibt einem angesichts der Kaltschnäuzigkeit, mit der die lukrativen Aufträge zur Reparatur von Öl- und Verkehrsanlagen nun an US-Firmen vergeben werden, der Atem weg. Optisch besonders krass ist das Faktum, dass einer der Hauptprofiteure, Halliburton, von 1995 bis 2000 von Bushs Vize Dick Cheney geleitet worden ist (auch wenn Sprecher dieses Unternehmens beteuern, dass sie schon viel länger mit der US-Armee im Geschäft sind).

Die stark in die Militäraktion involvierten Briten, die auf eine entsprechende Beteiligung am Geschäft nach dem Krieg hofften, sind über den jüngsten amerikanischen Alleingang schwer verärgert. Premier Tony Blair, der heute Präsident Bush zu Gesprächen über die Zukunft des Irak trifft, hat als Konsequenz im Vorfeld bereits angekündigt, dass beim Wiederaufbau die UNO eine wichtige Rolle spielen müsse. Das verschafft immerhin dem Plan der EU eine Chance, diesen Irak-Wiederaufbau durch eine eigene Resolution des UN-Sicherheitsrates zu regeln. Schließlich werden die Europäer ja auch zur Finanzierung der Nothilfe für die irakische Bevölkerung herangezogen werden.

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