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"Die Presse" Kommentar "Putin - Bush: Der Wind wird rauer" (von Burkhard Bischof
Ausgabe vom 26.3.2003
Wien (OTS) - Der Wind zwischen Washington und Moskau wird rauer.
Um dieses frostiger gewordene Klima zu konstatieren, hätte es nicht
der jüngsten Anschuldigen des Weißen Hauses bedurft, russische Firmen
hätten illegal moderne Rüstungstechnik an den Irak geliefert. Das
sich rapid verschlechternde russisch-amerikanische Verhältnis ist
dabei ein weiterer politischer Kollateralschaden des Irak-Krieges.
So gut verstanden hatten sich die Staatschefs beider Länder, George
Bush und Vladimir Putin, schon bei ihrem ersten Treffen in Laibach im
Sommer 2001. Und nach den Terroranschlägen vom 11. September war das
Verhältnis noch inniger. Unter dieser höchsten Ebene freilich hatte
sich die politische Elite Russlands niemals für den neuen Freund
jenseits des Atlantiks erwärmen können.
Der aus der Sowjetzeit stammende Antiamerikanismus hat sich in den
Köpfen vieler russischer Politiker, Militärs, Intellektueller
festgefressen, ist niemals wirklich überwunden worden. Diese Leute
empfanden und empfinden auch die Nato-Osterweiterung oder die
einseitige Kündigung des Raketenabwehrvertrages durch Washington als
ganz bewusste Demütigung. Da nützte es auch nichts, dass die
Regierung in Washington bis vor kurzem alles Mögliche unternahm, um
die Russen nur ja nicht zu verärgern. Zum brutalen Vorgehen der
russischen Sicherheitskräfte in Tschetschenien vernahm man aus
Washington nur schaumgebremste Kritik, zuletzt wurden
tschetschenische Widerstandsgruppen sogar auf Washingtons Liste
terroristischer Organisationen gesetzt. Weitgehend ungestört konnte
Putin so ein äußerst fragwürdiges Verfassungsreferendum in
Tschetschenien abhalten lassen. Die nackten Zahlen mögen Putin zwar
beeindrucken - aber das Tschetschenien-Problem, das ursächlich mit
dem unbändigen Freiheitswillen dieses Nordkaukasus-Volkes
zusammenhängt, wird das Referendum mit tausendprozentiger Sicherheit
nicht lösen.
Dass die US-Regierung, die sich sonst so gern als Champion des
Menschenrechtsschutzes in der ganzen Welt aufspielen, beide Augen
zudrückte, hatte natürlich damit zu tun, dass man Moskau während des
langen Ringens in der UNO um eine zweite Irak-Resolution auf die
eigene Seite bringen wollte. Es hat nichts genützt. Moskau blieb
hart, spielte nicht das Spiel der USA, suchte Deckung hinter den
Franzosen, die - an vorderster Front stehend - die volle Wut der
Amerikaner gegen solche Gehorsamsverweigerung zu spüren bekamen.
Aber auch Russland wird den amerikanischen Ärger noch spüren, wie
nicht nur die jüngsten Vorwürfe wegen angeblich illegaler
Rüstungslieferungen zeigen. Auch das US-Außenamt beginnt plötzlich
wieder, kritische Fragen zur russischen Tschetschenien-Politik zu
stellen.
Auf der anderen Seite spüren die Moskauer Großmacht-Chauvinisten
angesichts der globalen Entwicklung wieder Oberwasser. Schon wird
erneut laut über die Wiedererrichtung "Großrusslands" und über die
Aufrüstung und Modernisierung des russischen Kernwaffenarsenals
nachgedacht. Mit illusorischem Denken über Russlands globale
Schlüsselrolle hatte der Pragmatiker Putin dabei eigentlich
aufgeräumt. Jetzt feiert das Großmacht-Denken wieder fröhlich
Urständ'. Aber es bleibt illusorisch. Genauso wie die Vorstellung,
dass eine Achse Moskau-Berlin-Paris das Weltgeschehen in die richtige
Richtung lenken könnte.
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