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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die neue Ordnung" (Von Monika Dajc)
Ausgabe vom 21. März 2003
Innsbruck (OTS) - Die Welt sollte in Deckung gehen. Für
vernünftige Argumentation bleibt da nur noch wenig Spielraum. Viele
Sätze in George W. Bushs Kriegsrede machen auf neue Weise Angst: "Wir
führen keine Kampagne der Halbheiten! Wir werden kein Ergebnis außer
dem Sieg akzeptieren!" Facetten machtpolitischer Entschlossenheit
vergangener Jahrhunderte als Richtschnur für das dritte Jahrtausend?
Startschuss für das Pentagon, Länder beargwöhnter Herrscher nach
Gutdünken radikal umzupflügen?
Vor diesem Hintergrund muss man es recht bedauern, wie kläglich die
EU in der Stunde der Bewährung gescheitert ist. Mehr als ein halbes
Jahr hatte es gedauert, bis die Mehrheit ihrer Staatenlenker begriff,
dass nicht die Entwaffnung Saddam Husseins das US-Ziel war, sondern
ein Paukenschlag zur Abschreckung tatsächlicher und möglicher Feinde.
Der Beginn der Militäraktionen war nicht dazu angetan, Skepsis
gegenüber dem amerikanischen Vorgehen zu dämpfen. Noch ehe der erste
Waffenlärm verklungen war, meldete sich der Geächtete wieder zu Wort.
Lebhafte Grüße aus dem alten Bagdad an den selbstgefälligen Feldherrn
Donald Rumsfeld. Die nächsten Attacken, so die Botschaft Washingtons,
werden weit folgenschwerer sein. Die internationale Gemeinschaft,
allen voran die beim US-Alleingang missachtete UNO, ist gebeten, sich
eiligst darauf einzustellen, umfassend Hilfe zu leisten. Unschuldige
Zivilisten werden sterben. Ganze Landstriche durch hochmoderne
Munition mit infernalischer Wirkung verseucht werden. Bush und
Rumsfeld wird das nicht kümmern. Denn keine andere Nation versteht es
so gut, Arroganz und Eigeninteresse mit moralischer Überlegenheit zu
bemänteln. Keine andere Nation ortet Gefahren so ausschließlich bei
erklärten Gegnern und lässt Großzügigkeit bei Verbündeten walten, so
dubios diese sein mögen.
Die Welt müsse sicherer werden, wiederholt Bush seit dem 11.
September mantraartig. Amerikanische Politik ist maßgeblich dafür
verantwortlich, dass die Zwischenbilanz das Gegenteil beweist.
Hochrüstung lautet das Gebot der Stunde. Ein schlimmes
Freund-Feind-Schema spaltet zunehmend die Welt. Überall spielt dies
Verfechtern einer rigorosen Ordnung in die Hände.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 04 03/ DW 601
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