- 11.03.2003, 09:00:00
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Stellungnahme des Kunstsenats zur Frage des RSO
Wien (OTS) - Als ein wesentliches Gremium schöpferischer Künstler
beobachtet der Kunstsenat seit geraumer Zeit besorgt und beunruhigt
die Entwicklungen um die Existenz des Radio-Symphonieorchesters Wien.
Dieser nach internationalen Maßstäben hochqualifizierte Klangkörper
ist in den vergangenen Jahrzehnten zum einzigen Interpreten geworden,
der im österreichischen Musikleben kontinuierlich Orchesterwerke
österreichischer und ausländischer Komponisten des zwanzigsten und
unseres Jahrhunderts präsentiert; er stellt somit einen
unverzichtbaren Bestandteil unseres Kulturlebens dar.
Während sich in allen Ländern Europas (mit Ausnahme Portugals) die
Rundfunkanstalten mit ihren Orchestern identifizieren und z.B. in
Holland vier, in Deutschland sogar zwölf von ihnen unterhalten,
besteht im Musikland Österreich zwar derzeit Einvernehmen darüber,
daß es unverantwortbar wäre, das RSO aufzulösen, aber es wird darüber
nachgedacht, es auszugliedern bzw. aus Kostengründen auf eine andere
Basis zu stellen. Dies ist im Sinne eines kulturpolitischen
Verständnisses bedauerlich, würde aber akzeptabel, wenn eine
Bestandsgarantie gewährleistet wäre, die folgende Punkte
berücksichtigt:
1.) Dem RSO müßten für die Zukunft die notwendigen Mittel
garantiert werden, um den Betrieb eines vollständig besetzten
Symphonieorchesters aufrecht zu erhalten, der es ihm weiter
ermöglicht, zeitgenössische und andere auf dem Markt nicht genügend
repräsentierte Musik kontinuierlich darzubieten.
2.) Die diesbezügliche Sicherheit muß gewährleisten, daß
hochqualifizierte Musiker nicht aus dem Orchester abwandern bzw. daß
die besten jungen Leute weiterhin zu Probespielen erscheinen und in
dieser Formation arbeiten wollen. Die Klangkultur eines Orchesters
hängt wesentlich von einem fruchtbaren Zusammenwirken der
Generationen ab.
3.) Die Begrenzung einer Existenzgrundlage auf lange Zeit darf es
nicht notwendig machen, daß das Orchester sich mit populären
Veranstaltungen verkaufen und erhalten muß und seinen eigentlichen
Aufgaben, der Pflege von moderner und wenig gespielter Musik, nicht
mehr oder nur ungenügend nachkommen kann.
Gefahren der angedeuteten Art sind nicht immer ab ovo leicht zu
durchschauen, sind aber sehr ernst zu nehmen. Ein verdeckter
Kulturabbau ist ebenso gefährlich wie ein offener, ja manchmal sogar
gefährlicher.
Der Kunstsenat fordert die Leitung des ORF daher im Interesse des
österreichischen Kulturlebens auf, in der Sache des RSO mit höchstem
Verantwortungsbewußtsein und mit höchster Wachsamkeit vorzugehen.
Für den Österreichischen Kunstsenat:
Hans Hollein, Präsident
Christian Ludwig Attersee, Vizepräsident
Gerhard Rühm, Vizepräsident
Wolfgang Bauer
Günter Brus
Friedrich Cerha
Maria Lassnig
Friederike Mayröcker
Gustav Peichl
Walter Pichler
Oswald Wiener
Rückfragehinweis:
ÖSTERREICHISCHER KUNSTSENAT
DER PRÄSIDENT
ARCHITEKT HANS HOLLEIN,
TEL: 505 51 96, FAX: 505 88 94
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