• 04.03.2003, 17:40:41
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Pressestimmen, Oberösterreichische Nachrichten: Weniger kann mehr sein, Von Meinhard Buzas

In der Schuldebatte steckt mehr als der freie Samstag

Linz (OTS) - Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten viel über
Entrümpelung von Lehrplänen, über zeitgemäßes Lernen und Wissen, über
die Wichtigkeit, sich von alten Inhalten zu trennen und neue zu
forcieren, gehört. Und, zugegeben, es ist ja auch einiges geschehen.
Datenverarbeitung hat die kleinsten Schulen gestürmt, Zeitgeschichte
ist wichtiger geworden als punische Kriege oder auswendig gelernte
Balladen. Aber es bleibt genug zu durchforsten. Weniger kann durchaus
mehr sein.
Jetzt ist Unterrichtsministerin Gehrer in die Öffentlichkeit gegangen
und hat, gestützt auf (nicht ganz taufrische) Statistiken,
festgestellt, dass Österreichs Schüler zu viel eingetrichtert
bekommen. Dabei hat sie peinlichst vermieden, auszusprechen, wo
angesetzt werden soll. Sie würde sich sofort einer wütenden Phalanx
jener Lehrer gegenüber sehen, deren Fächer von einer
Unterrichts-Reduzierung um zwei Stunden betroffen wären.
Sie hat auch kaum gestreift, dass es natürlich um Verringerung von
Lehrerdienstposten geht. 400 wären es nach ersten Berechnungen in
Oberösterreich. Aber die bekannten Bruchlinien haben sich ohnehin
sofort aufgetan. Die Gewerkschaften haben postwendend kritisiert,
dass die angekündigte Entlastung der Schüler nur jenes Feigenblatt
sei, das massive Personaleinsparungen und den Abbau von Überstunden
kaschieren soll.

Viele Elternverbände verhalten sich derzeit abwartend, manche
protestieren. Bei den Schülern stößt der Vorschlag auf offene Türen,
zumal ihnen, nicht ungeschickt, damit ein unterrichtsfreier Samstag
als Normalfall in Aussicht gestellt wird.
Auch dieses Thema war wild umstritten, als die ersten Schulen
(Oberösterreich war ein Vorreiter) die Probe aufs Exempel machten und
dazu Lehrer, Schüler und Eltern vorher und nachher befragten. In den
meisten Fällen war nach einem einjährigen Testlauf die Zustimmung
groß.
Schüler sehen den freien Samstag überwiegend als wünschenswert an,
auch wenn er Freizeitaktivitäten unter der Woche erschwert. Eltern
reagieren differenzierter. Es ist ja nicht so, dass sie in Zeiten
der doppelten Berufstätigkeit automatisch ein arbeitsfreies
Wochenende genießen, im Gegenteil. Und wer zwei Kinder in
verschiedenen Schulen mit unterschiedlicher Wochengestaltung hat,
kann den Samstag erst recht nicht vermehrt zu gemeinsamer Aktivität
nützen.

Generell haben die Erfahrungen gezeigt, dass der schulfreie Samstag
zumindest in Allgemeinbildenden Höheren Schulen machbar ist, wenn
auch um den Preis noch stärkerer Aus- und Belastung an den übrigen
Unterrichtstagen.
Die Fünf-Tage-Woche sollte jedoch nicht Hauptmotiv für eine
Durchforstung des Unterrichtsstoffes sein, sondern höchstens einer
der Effekte. Worum es primär gehen müsste, ist eine Evaluierung von
Inhalten. Da werden auch politische und ideologische Gesichtspunkte
und Argumente stark hineinspielen. Aber vorläufig sind die
Gehrer-Ankündigungen ohnehin nicht mehr als ein Versuchsballon.

Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten

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