- 04.03.2003, 13:07:58
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Behinderte erhalten kein Lehramtszeugnis an Pädagogischen Akademien
Jahrelange Diskriminierung wird mit Wissen von Ministerin Gehrer fortgesetzt
Wien (OTS) - Der im Standard vom 3. März 2003 beschriebene Fall
einer gehörlosen Frau, die in Österreich per Gesetz davon abgehalten
wird, Lehrerin zu werden und somit massiv diskriminiert wird, ist
nicht der erste derartige. Schon im Jahr 2000 wurde im Bericht der
Volksanwaltschaft am Beispiel einer schwerhörigen Studentin die
diskriminierende und sinnlose Bestimmung diskutiert, die in
irgendeiner Form "behinderte" Menschen vom Erwerb eines
Lehramtszeugnisses an PädAks abhält. Damals stellte die
Volksanwaltschaft fest, dass das Bundesministerium für Untericht und
kulturelle Angelegenheiten den Erwerb eines entsprechenden
Lehramtszeugnisses für behinderte Studierende an Pädagogischen
Akademien "für überlegenswert hält".
"In den vergangen 3 Jahren wurde im BMUK offenbar so grundlich
überlegt, dass man vergessen hat, diese skandalöse und massiv
diskriminierende Bestimmung tatsächlich zu beseitigen", so Helene
Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes und
Sprecherin der hiesigen Gehörlosengemeinschaft.
Eine in der Folge eingebrachte parlamentarische Anfrage an die
zuständige Ministerin Gehrer wurde mit wenigen, unverbindlichen und
wenig aussagkräftigen Sätzen abgetan.
Helene Jarmer: "Es ist mir absolut unbegreiflich, wie der
österreichische Gesetzgeber im 21. Jahrhundert derart offensichtlich
diskriminierende Bestimmungen aufrecht erhalten kann!"
Es sei doch sinnvoll, wenn gehörlose Kinder von Personen
unterrichtet würden, die sie verstünden, an denen sie ein Vorbild
fänden. Darüber hinaus sei die Bestimmung, so Jarmer, eine weitere
massive Benachteiligung gehörloser Menschen in ihren Lebens- und
Karierrechancen. Genauso empörend sei, dass eine Frau im Rollstuhl
angeblich nicht genüge, um zu unterrichten.
"Im Jahr der behinderten Menschen ist diese - nun wieder an die
Öffentlichkeit gelangte - Affaire ein denkbar peinlicher Hinweis auf
die Lage in Österreich", so Jarmer. Und, fügt die selbstbewußte
Präsidentin an, "es wird Zeit für die Umsetzung des
Anti-Diskriminierungsgesetzes, für das es ja schon einen sehr guten,
fertigen Entwurf des Ludwig-Boltzmann-Institutes gibt. Und für ein
Behindertengleichstellungsgesetz. Dann werden wir vielleicht
irgendwann nicht mehr nur freundlich oder mitleidig behandelt sondern
einfach fair!"
Rückfragehinweis:
Mag.a Helene Jarmer
Österreichischer Gehörlosenbund
A-1100 Wien, Waldgasse 13/2
Fax.: +43/ (0) 1 60 23 459,
mailto:[email protected]
http://www.oeglb.at
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