Brandsteidl: Gehrer kapituliert vor Grasser

"Bei Stundenreduktionen sind Schüler nicht Gewinner, sondern Verlierer"

Wien (OTS) - "Faktum ist: Bei der von Ministerin Gehrer angekündigten Reduktion der Unterrichtsstunden für Österreichs Schüler geht es nicht um pädagogischen Fortschritt, sondern allein um Kürzungen. Die einzige Überlegung der Bundesregierung lautet: Wie kann man Schule und Bildung billiger machen? Dass man so tut, als täte man den Kindern etwas Gutes, ist ein Täuschungsmanöver", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl am Dienstag fest.

Brandsteidl: "Keine Frage, und dies beweisen ja auch die OECD-Studien, dass Österreichs Kinder im internationalen Durchschnitt lange in die Schule gehen. Und keine Frage auch, dass man darüber diskutieren muss, ob das pädagogisch richtig und sinnvoll ist. Aber bei dieser Reduzierung geht um etwas anderes: Dies ist Budgetkürzungspolitik in Reinkultur, hier hat die Bildungsministerin vor dem Finanzminister kapituliert."

Überdies, so meinte sie weiter, könne man nicht so tun, als ob Schule nur Belastung wäre: "2 Stunden weniger Unterricht bedeuten auch 2 Stunden weniger Förderung, 2 Stunden weniger Freunde, 2 Stunden weniger Betreuung. Beispielsweise stelle ich mir das in einer 1. Klasse Volksschule mit 22 Wochenstunden sehr spannend vor: Heißt diese Maßnahme nun, dass die Kinder statt um 12 Uhr schon um 11 Uhr zu Hause sind - und wer soll dann auf sie aufpassen?"

Brandsteidl kritisierte auch, dass das nun vorgeschlagene Konzept unpräzise und phantasielos sei: Wenn man etwa die Stundentafel kürze, könne man nicht nur die Summenzeile kürzen, sonder müsse auch sagen, in welchem Unterrichtsgegenstand die Zahl der Stunden reduziert wird, d.h. ob weniger Deutsch, weniger Mathematik, weniger Englisch oder anderes vorgesehen sei.

Zu der ebenfalls vorgeschlagenen Regel-Fünftagewoche stellte sie fest, dass "dies kein Allheilmittel ist. Keine Frage, dass viele Eltern und Schüler eine 5-Tage-Woche bevorzugen, umgekehrt aber sind viele Eltern aus beruflichen Gründen auf 6-Tage-Wochen angewiesen. Und wenn parallel zur durch die Stundenkürzungen laut Gehrer erleichterten 5-Tage-Woche auch über eine weitgehende Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten nachgedacht wird, zeugt es schon von einer enormen 'Kühnheit', hierdurch Angestellte im Einzelhandel mit zusätzlichen Betreuungspflichten für ihre Kinder zu konfrontieren."

Brandsteidl abschließend: "Wir sollten von den Besten lernen und die Sieger der PISA-Studie sind bekanntlich die Finnen. Dort wird vorgemacht, wie es geht: Zwar gibt es in Finnland weniger Pflichtunterrichtsstunden, doch wurden diese zugunsten individueller Betreuung verschoben. Aber das ist ja nicht Ziel dieser Bundesregierung, es soll ja nur gekürzt werden - um die Kinder geht es ihr in Wahrheit nicht."
(Schluss) ssr

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
Matias Meißner
Tel.: 525 25/77014
matias.meissner@ssr-wien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0015