• 04.03.2003, 10:50:00
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Brandsteidl: Gehrer kapituliert vor Grasser

"Bei Stundenreduktionen sind Schüler nicht Gewinner, sondern Verlierer"

Wien (OTS) - "Faktum ist: Bei der von Ministerin Gehrer
angekündigten Reduktion der Unterrichtsstunden für Österreichs
Schüler geht es nicht um pädagogischen Fortschritt, sondern allein um
Kürzungen. Die einzige Überlegung der Bundesregierung lautet: Wie
kann man Schule und Bildung billiger machen? Dass man so tut, als
täte man den Kindern etwas Gutes, ist ein Täuschungsmanöver", stellte
Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl am
Dienstag fest.

Brandsteidl: "Keine Frage, und dies beweisen ja auch die
OECD-Studien, dass Österreichs Kinder im internationalen Durchschnitt
lange in die Schule gehen. Und keine Frage auch, dass man darüber
diskutieren muss, ob das pädagogisch richtig und sinnvoll ist. Aber
bei dieser Reduzierung geht um etwas anderes: Dies ist
Budgetkürzungspolitik in Reinkultur, hier hat die Bildungsministerin
vor dem Finanzminister kapituliert."

Überdies, so meinte sie weiter, könne man nicht so tun, als ob
Schule nur Belastung wäre: "2 Stunden weniger Unterricht bedeuten
auch 2 Stunden weniger Förderung, 2 Stunden weniger Freunde, 2
Stunden weniger Betreuung. Beispielsweise stelle ich mir das in einer
1. Klasse Volksschule mit 22 Wochenstunden sehr spannend vor: Heißt
diese Maßnahme nun, dass die Kinder statt um 12 Uhr schon um 11 Uhr
zu Hause sind - und wer soll dann auf sie aufpassen?"

Brandsteidl kritisierte auch, dass das nun vorgeschlagene
Konzept unpräzise und phantasielos sei: Wenn man etwa die
Stundentafel kürze, könne man nicht nur die Summenzeile kürzen,
sonder müsse auch sagen, in welchem Unterrichtsgegenstand die Zahl
der Stunden reduziert wird, d.h. ob weniger Deutsch, weniger
Mathematik, weniger Englisch oder anderes vorgesehen sei.

Zu der ebenfalls vorgeschlagenen Regel-Fünftagewoche stellte sie
fest, dass "dies kein Allheilmittel ist. Keine Frage, dass viele
Eltern und Schüler eine 5-Tage-Woche bevorzugen, umgekehrt aber sind
viele Eltern aus beruflichen Gründen auf 6-Tage-Wochen angewiesen.
Und wenn parallel zur durch die Stundenkürzungen laut Gehrer
erleichterten 5-Tage-Woche auch über eine weitgehende
Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten nachgedacht wird, zeugt es
schon von einer enormen 'Kühnheit', hierdurch Angestellte im
Einzelhandel mit zusätzlichen Betreuungspflichten für ihre Kinder zu
konfrontieren."

Brandsteidl abschließend: "Wir sollten von den Besten lernen und
die Sieger der PISA-Studie sind bekanntlich die Finnen. Dort wird
vorgemacht, wie es geht: Zwar gibt es in Finnland weniger
Pflichtunterrichtsstunden, doch wurden diese zugunsten individueller
Betreuung verschoben. Aber das ist ja nicht Ziel dieser
Bundesregierung, es soll ja nur gekürzt werden - um die Kinder geht
es ihr in Wahrheit nicht."
(Schluss) ssr

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
Matias Meißner
Tel.: 525 25/77014
mailto:[email protected]

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