- 25.02.2003, 13:09:07
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Löhne: Leichte Frauenarbeit - schwere Männerarbeit?
Metallgewerkschaft präsentiert Kollektivvertragsuntersuchungen
Wien (GMT/ÖGB) "Mit gutem Beispiel voran" nennt sich ein Projekt
der Gewerkschaft Metall - Textil (GMT), das in Zusammenarbeit mit der
Gleichbehandlungsanwaltschaft die Kollektivverträge der GMT unter
Gender Mainstreaming Aspekten untersucht hat. Die Ergebnisse und eine
Handlungsanleitung wurden heute im Rahmen einer Tagung
präsentiert.++++
Die Metallerfrauen haben gemeinsam mit der
Gleichbehandlungsanwaltschaft an den Kollektivverträgen der
Gewerkschaft Metall - Textil untersucht, wie sich die Bedingungen für
Frauen und Männer unterscheiden. Bestimmungen in Kollektivverträgen,
die Benachteiligungen für eine Gruppe zulassen, sollten aufgespürt
werden. Im Rahmen der nächstmöglichen Verhandlungen sollen diese
Punkte besonders beachtet werden. Überprüft wurden unter anderem
Punkte wie Beginn und Ende von Arbeitsverhältnissen, Arbeitszeiten,
Nachtarbeit, Überstunden, Sonn- und Feiertagsarbeit, Prämienarbeit,
Abfertigungen, Möglichkeiten zu Aus- und Weiterbildung, aber auch
sprachliche Formulierungen.
Einige Ergebnisse der Untersuchungen:
Entlohnung/Einstufungen: Der Knackpunkt sind die Einstufungen in die
Lohngruppen. Im Metallbereich ist vor allem die Ausbildung Kriterium
für die Einstufung, im Textilbereich sind es überwiegend die
verrichteten Tätigkeiten. Dazu kommt noch, dass in so genannten
"haushaltsnahen" Berufen, die meist von Frauen ausgeübt werden,
Kenntnisse einfach als gegeben angenommen und in der Lohngestaltung
nicht näher berücksichtigt werden. Nach dem Motto, dass Frauen
ohnehin Bügeln und Nähen können, das muss sich also im Lohn nicht
niederschlagen.
Abgeltung von Überstunden: Männer bekommen sie meistens in Geld,
Frauen in Zeit, wobei die Abgeltung nicht gleichwertig ist. Das
schlägt sich in weiterer Folge auch auf die Berechnung von Ansprüchen
nieder, die sich aus allen Entgeltbestandteilen, also auch den
Überstunden, berechnen (Abfertigung, Jubiläumsgeld etc.).
Anrechnungszeiten für Abfertigungen: Präsenz- oder Zivildienst werden
dafür angerechnet, Karenzzeiten aber nicht. Da stellt sich uns
natürlich die Frage, ob der Dienst am Vaterland wertvoller ist, als
die "Privatsache" der Frauen, Kinder zu bekommen und großzuziehen. In
einigen Metall-Kollektivverträgen hat die GMT diese Regelung
"repariert", da wird nun zumindest ein Teil der Kinderpause
angerechnet. Gleiches gilt zum Beispiel auch beim Jubiläumsgeld, wo
Männer leichter eine durchgehende Dienstzeit schaffen als Frauen.
"Schwere" Arbeit versus "leichte": Es werden Arbeiten wie das Heben
schwerer Lasten, die meisten Männer machen, als schwerer eingestuft,
als das oftmalige Heben geringer Lasten (an Fließbändern oder bei
Kassierinnen zum Beispiel), Tätigkeiten, die meist von Frauen
verrichtet werden. Für den Körper ist beides belastend. Wenn den
ganzen Tag stundenlang immer wieder 2 Kilo angehoben werden, schlägt
sich das auch auf den Körper nieder.
Die heute präsentierte Broschüre fasst einerseits die Ergebnisse
der Untersuchungen zusammen. Andererseits bietet sie "best practise"
Beispiele, wie das Prinzip von Gender Mainstreaming in den
Kollektivverträgen umgesetzt werden kann. In Schweden haben die
Gewerkschaften fast zehn Jahre lang Tarifpolitik mit dem erklärten
Ziel, die Frauenarbeit aufzuwerten, gemacht. Das haben sie mithilfe
einer "Zwei-Töpfe-Politik" gemacht. Die jährlich vereinbarten
Lohnerhöhungen wurden in zwei Teile geteilt: Der eine Teil der
Gesamtsumme kam allen, Männern und Frauen, zugute. Der andere Teil
wurde zur direkten Verbesserung der Einkommen der Frauen verwendet.
"Wir haben eineinhalb Jahre hart gearbeitet, jetzt haben wir alle
Mittel in der Hand, um die Bedingungen für Frauen und Männer in den
Betrieben gerechter zu gestalten", sagt Erika Nussgraber-Schnabl,
Frauenvorsitzende der GMT.
ÖGB, 25. Februar 2003
Nr. 096
Rückfragehinweis: Nani Kauer
01 501 46 242
0664 6145 915
www.metaller.at
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