"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Der Berg in uns" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 24. Februar 2003

Innsbruck (OTS) - Reinhold Messner ist sicher kein einfacher
Mensch. Der Südtiroler Extrembergsteiger und Abgeordnete der Grünen im Europaparlament polarisiert, lebt Emotionen, schöpft daraus aber seine immense Kraft und Kreativität. Mit seinem Bergmuseum auf Schloss Sigmundskron bei Bozen verwirklicht er jetzt das, wovon Nordtirols Politiker, Vor- und Nachdenker mit einem Haus der Alpen schon seit Jahrzehnten träumen: von einer intensiven Auseinandersetzung mit einem Teil unserer Identität und Kultur - den Bergen und alpinen Lebensformen.
Die heftige Debatte über Messners Museum, das er auf eigene Kosten führen wird, mag angesichts des jahrelangen Zauderns nördlich des Brenners verwundern. Dass der geschichtsträchtige Ort ("Los von Trient") einem Privaten zufällt, war lediglich ein Vorwand, den der Südtiroler Heimatpflegeverband gegen Messner medial ins Treffen führt. Vielmehr geht es um Antipathie gegenüber einem nicht immer ins Bild passenden Freigeist und um einen Stellvertreterkrieg. Schließlich steht Südtirols mächtiger LH Luis Durnwalder eisern hinter Messner, aber einige Strategen in der Südtiroler Volkspartei denken schon laut an die Zeit nach Durnwalder und beginnen leicht zu sägen.
Eines können die Gegner Messner keinesfalls vorwerfen - nämlich mangelnde Erfahrung. Wie kein Zweiter verkörpert einer ihrer berühmtesten Söhne den Berg als Spannungsfeld. Im Bezwinger aller 14 Achtausender vereinigen sich Freud und Leid, in seine Projekte fließen diese Emotionen mit ein. Seine Messner-Mountain-Museen u.a. auf Schloss Juval mit der Tibetica-Sammlung bereiten den musealen Boden für das geplante Bergmuseum auf.
Der Mythos Berg ist ein Stück Tirol, Messner macht diesen begreifbar. Er erweckt den Berg in uns. Darin liegt die Chance für sein Projekt auf Schloss Sigmundskron, das damit nicht nur geschichtsträchtig ist, sondern auch zukunftsweisend wird.

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