Grande Finale für ORF-Inspektor Polt: Von Wehmut (k)eine Spur

Dreharbeiten zur letzten Komarek-Verfilmung auf Hochtouren

   Wien (OTS) -  
Nach dem ersten Mal haben sie ihn nicht besonders
gemocht, den Polt. "Do schau’ ma jo olle aus wia Alkoholika", bekam Regisseur Julian Pölsler nach der ORF-Ausstrahlung von "Polt muss weinen" - seiner ersten "Polt"-Verfilmung nach Alfred Komarek - von einem Pulkautaler zu hören, der zufällig etwas zu tief ins Glas geblickt hatte. "Aber da zweite, der woar scho bessa", fiel das Urteil nach der TV-Premiere der derzeit zum Grimme-Preis nominierten "Blumen für Polt" bereits etwas milder aus. "Polt ist wie in den Spiegel schauen, gleich in der Früh. Das macht man halt nicht besonders gern", kommentiert Pölsler." "Alfred Komarek versteht es wie kaum ein anderer, Menschen zu zeichnen, die wir alle kennen. Und ich mag die Leute und auch diese Landschaft sehr. In meinen Filmen geht es mir immer um die Menschen." Drei Romane von Komareks "Polt"-Reihe, die keine Krimis im klassischen Sinne, sondern viel mehr leise und liebevolle, aber dennoch schonungslose Milieustudien einer Weinbauernregion und ihrer Menschen sind, hat Pölsler im Auftrag von ORF und ARTE bisher verfilmt. Die beiden ersten Fälle mit Erwin Steinhauer in der Titelrolle des menschelnden, etwas eigenwilligen Landgendarmen Simon Polt erreichten bei ihrer ORF-Premiere jeweils rund eine Million Zuseher. Der dritte Film, "Himmel, Polt und Hölle", steht am Palmsonntag, dem 13. April 2003, um 20.15 Uhr in ORF 2 auf dem Programm. Seit Ende Jänner drehen Pölsler, Steinhauer und Co. das Grande Finale: "Polterabend" heißt der im Buchhandel gerade erst erschiene letzte Krimi von Komareks Tetralogie, der im Winter spielt und damit das Konzept des "Polt für alle Jahreszeiten" vollendet. Im turbulenten Treiben am Set im niederösterreichischen Pulkautal ist in Anbetracht des nahenden "Polt"-Endes von Wehmut , zumindest derzeit - kaum eine Spur.
 
Auf der Wehmutsskala alles offen
 
"Für Wehmut ist hier keine Zeit. Das Arbeitspensum ist enorm und außerdem ist es sehr kalt. Bei diesen Temperaturen erfriert jegliche Wehmut" scherzt Regisseur Pölsler, der auch das Drehbuch zu "Polterabend" selbst geschrieben hat. Die Arbeitsbedingungen sind tatsächlich hart: Bis zu 18 Grad minus hatte es während der Dreharbeiten im Weinviertel schon. "Für mich endet die Arbeit auch nicht mit dem letzten Drehtag, denn danach folgt ja noch die Postproduktion. Aber vermutlich werde ich dann ein bisschen wehmütig werden", mutmaßt der Filmemacher.
Am meisten fehlen wird ihm die Arbeit mit einem großartigen Team:
"Diese Produktion ist vom Input und Engagement her ein Wahnsinn", lobt Pölsler. "Und man hat selten einen Produzenten, mit dem man so fruchtbare Diskussionen künstlerischer Natur führen kann", streut der Regisseur Produzent Wulf Flemming und seiner Teamfilm Rosen.
Dieser zeigt sich schon ein bisschen melancholisch bei dem Gedanken, dass der "Polt" zu Ende geht. "Es ist einfach ein schönes Projekt gewesen, aber es war schon immer als Vierjahreszeitenzyklus konzipiert und deshalb würde ich nicht weitermachen wollen. Einen Polt 5 wird es niemals geben." Und sehr bescheiden folgt der Nachsatz: "Ich hoffe darauf, dass wir damit so etwas wie Fernsehgeschichte schreiben, so im Stil einer ‚Alpensaga’ oder der Corti-Trilogie 'Wohin und zurück'."
Für Hauptdarsteller Erwin Steinhauer scheint Wehmut kein Begriff zu sein, ganz im Gegenteil: "Ich empfinde keine Wehmut. Das Projekt ist mit dem vierten Teil abgeschlossen, so war es immer geplant. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der froh ist, wenn sich etwas abschließt. Vielleicht wär’ ich etwas wehmütig, wenn mir die Figur des Polt näher wäre. Aber die Rolle ist mit privat überhaupt nicht ähnlich, ich bin nicht so weich", erklärt Steinhauer.
 
Kratzbäume unter sich: Kreativer Disput zwischen Regisseur und Hauptdarsteller
 
Die Darstellung dieses Weichen, Menschelnden war zwischen Steinhauer und Regisseur Julian Pölsler auch immer ein großer Diskussionspunkt. "Es gibt keine solchen Kieberer im wahren Leben, der Polt ist für mich eine Märchenfigur. Im normalen Polizeialltag könnte er nicht überleben, keiner würde ihn ernst nehmen", sagt Steinhauer. Doch dieser weiche Kern, der Polt immer etwas anders ermitteln lässt als andere Polizisten, war Regisseur Julian Pölsler immer einer der wichtigsten Aspekte der Figur. "Der Erwin ist mein Lieblingskratzbaum. Er wollte den Polt immer härter und ich ihn immer weicher machen. Wir haben darum viele heiße Diskussionen geführt, bei denen es auch mal lauter werden konnte, aber dennoch blieb es immer bei einem kultivierten Gesprächsklima im Sinn der Sache. Diese Art der Kooperation wird mir fehlen. Ich würde gern wieder mit ihm zusammenarbeiten - vielleicht machen wir einen neuen ‚Terminator’ miteinander" schmunzelt Pölsler.
Dennoch hat Erwin Steinhauer den Polt gern gespielt: "Der größte Reiz an dieser Figur war für mich gerade diese Kluft, in der Polt sich bewegt. Die Kluft zwischen dem Beruflichen, den Vorschriften und der Dorfgemeinschaft, seinen Freunden, unter denen er ermitteln muss. Da aber diese Kluft jetzt geschlossen ist, ist der Reiz der Rolle auch nicht mehr gegeben", nimmt der Hauptdarsteller schon Polts Ende vorweg. Romanautor Komarek lässt seinen Helden in "Polterabend" den Beruf an den Nagel hängen und führt die Tetralogie dadurch ihrem natürlichen Finale zu.
 
"Polterabend": Spannendester "Polt" von allen?
 
Nach vier (fast) fertigen "Polt"-Verfilmungen stellt sich nun die Frage, ob es für die Macher so etwas wie einen Lieblingsfall gibt. "Für mich war immer der Polt der liebste, den ich gerade gemacht habe", antwortet Regisseur Pölsler diplomatisch. Erwin Steinhauer zeigt sich da schon viel entschlossener: "Von allen vier Büchern ist mir der vierte Polt der liebste, weil’s ein echter Krimi ist. Es ist das spannendste Verbrechen. Außerdem kommt Simon Polt das erste Mal über die Grenzen Österreichs hinaus, wenn nicht sogar zum ersten Mal überhaupt aus dem Pulkautal raus. Er ermittelt in Tschechien und ist zum ersten Mal in seinem Leben in einem Puff", erzählt Steinhauer. Angesichts dieses Bekenntnisses verrät der Regisseur dann doch ein bisschen mehr: "Mich stört gerade am vierten Fall, dass er von allen am meisten Krimi-like ist. Zum ersten Mal sieht man zum Beispiel blutige Hände." Doch das "Komarek-Prinzip" ist auch bei "Polterabend" das gleiche geblieben: "Es gibt keine Mörder beim Polt, aber viele Schuldige. Es gibt keine Schüsse, keine Explosionen, keine Actionheros, nur Menschen. Der Polt ist das absolute Gegenmodell zum gängigen Krimi", erklärt Pölsler. Deshalb ist ihm eine Botschaft besonders wichtig: "Die heutigen TV-Macher begehen den größten Fehler, wenn sie glauben, dass das Publikum nicht zwischen langsamen und langweiligen Filmen unterscheiden kann. Deshalb finde ich es toll, dass der ORF den Atem hatte, vier solcher Filme am Stück produzieren zu lassen."
 
Mehr Details zu "Polterabend": Blutige Eisweinlese mit Inspektor Polt  
Simon Polt hat bei der nächtlichen Eisweinlese des renommierten Weinhauers Karl Fürnkranz geholfen. Als es ans Pressen der edlen Trauben geht, machen Polt und seine Freunde jedoch eine grausige Entdeckung: Der grüne Rebensaft, der aus der alten Weinpresse rinnt, färbt sich plötzlich rot. Unter der Maische entdeckt Polt einen Toten: Ferdinand Lutzer, ein ortsbekannter Taugenichts, der sich mit meist zwielichtigen Gelegenheitsarbeiten durchbrachte. Was ist im einsam gelegenen Presshaus geschehen?
Als Inspektor Polt im Umfeld des Opfers ermittelt, stellt sich heraus, dass der von ihm hoch geschätzte Karl Fürnkranz auch zu den Verdächtigen zählt. Eines Nachts wird Bruno Bartl, das Dorffaktotum, erfroren aufgefunden. Polt fühlt sich an dessen Tod schuldig, denn offensichtlich wusste dieser zu viel und wollte sich ihm anvertrauen. Eine heiße Spur führt Simon Polt ins benachbarte tschechische Rotlichtmilieu, wo er mit Profigaunern der übelsten Sorte konfrontiert wird.
Zu den verwirrenden Ereignissen im Rahmen seiner Ermittlungen kommt noch dazu, dass ein neuer Kommandant den Gendarmerieposten Brunndorf übernimmt. Der neue Vorgesetzte kündigt mit seinem Neuantritt lautstark eine radikale Rundumerneuerung an. Für Polts menschelnde Methoden hat er kein Verständnis.
Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit lässt sich Inspektor Polt jedoch nicht von seinem Weg abbringen. Er hört auf die feinen Zwischentöne, vertraut auf sein Gefühl und steht zu seinen Zweifeln. Als er dann von einem albtraumhaften Polterabend erfährt, sieht sich der Gendarm in fast auswegloser Lage: Einmal mehr muss er feststellen, die wahren Schuldigen nicht fassen zu können. Da stellt Simon Polt sich die Frage: "Gibt es ein Leben außerhalb der Gendarmerie?"
 
Dreharbeiten bis Anfang März, ORF-Sendetermin 2004
 
Die Dreharbeiten zu "Polterabend" laufen auf Hochtouren, voraussichtlich noch bis 7. März 2003. Für die Rolle des Karl Fürnkranz konnte mit Josef Bierbichler einer der großen Stars des deutschen Theaters gewonnen werden. In weiteren Episodenhauptrollen spielen u. a. Burgtheatermime Roland Koch, Newcomer Holger Schober und Gregor Seberg. An der Seite von Erwin Steinhauer steht außerdem wieder die "Polt"-Stammbesetzung mit Hans-Michael Rehberg, Karin Kienzer, Monica Bleibtreu, Nikolaus Paryla, Klaus Ofczarek, Nicholas Ofczarek, Otto Anton Eder, Wolfram Berger, Fritz Egger, Heinrich Schweiger u. v. a. vor der Kamera von Fabian Eder. Gesendet wird der vierte und vorläufig letzte "Polt"-Krimi im Jahr 2004.
 
"Polterabend" ist eine Koproduktion von ORF und ARTE, hergestellt von Teamfilm, mit Unterstützung des Landes Niederösterreich.
 

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