"Umweltmusterstadt" Wien versagt beim Verkehrsproblem

SUPer NOW: Chaos statt Lösungen

Wien (OTS) – Die Lobauautobahn darf nicht gebaut werden. Diese Aufforderung richteten heute die Umweltorganisationen GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF an die Politik in Wien und Niederösterreich. Der Anlass für das gemeinsame Auftreten: Die so genannte SUPer NOW, die "Strategische Umweltprüfung Entwicklungsraum Nordosten Wien", steht vor dem Abschluss. Ziel des Prozesses war es, Zukunftsfragen für Floridsdorf, die Donaustadt und die angrenzenden Gemeinden Niederösterreichs zu beantworten. Dabei hat sich gezeigt, dass die von der ÖSAG, der Österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen-AG, favorisierte Variante der Nordost-Umfahrung den geringsten Nutzen und die größten Negativ-Effekte bringt. Die Umweltorganisationen werden alles daran setzen, dass diese Trassenvariante keinesfalls realisiert wird.

Die ÖKOBÜRO-Organisationen fordern die Politik auf, die 6. Donauquerung und die Nordost-Umfahrung nicht zu bauen ("SUP-Szenario 3"). Stattdessen muss intensiv in den öffentlichen Verkehr investiert werden. Dieses Szenario brächte den größten Nutzen für Umwelt und Bevölkerung. "Ein Autobahnring um Wien würde nur als Zubringer für weitere unnötige Projekte – wie z.B. die Nordautobahn – dienen", meint Heinz Högelsberger, Verkehrsexperte von GLOBAL 2000. "Jahrzehntelang wurde Transdanubien im Bezug auf leistungsfähige Öffis und Nahversorgung krass benachteiligt. Jetzt müssen diese Versäumnisse endlich wettgemacht werden, statt weitere Autobahnen zu bauen."

Allerdings wären noch Nachbesserungen notwendig: Die Umweltorganisationen fordern klare Zeit- und Finanzierungspläne für den Öffi-Ausbau. Es fehlt ein Maßnahmenbündel in Richtung einer vernünftigeren PKW-Nutzung, z.B. eine zeitabhängige Bemautung chronisch überlasteter Straßenabschnitte, für eine gleichmäßigere Verteilung des Verkehrs über den Tag. Außerdem fordern die Umweltschützer die Einhaltung der Schutzbestimmungen für den Nationalpark Donau Auen und damit die Verschonung der Lobau sowie ein Schritt-für-Schritt-Programm zur Umsetzung des "1000-Hektar-Programms".

Das als Kompromissvariante gedachte "OPTI-NOW-Szenario" erreicht
die
Umweltziele nicht ausreichend. Insbesondere werden Österreichs Kioto-Verpflichtungen verfehlt. Nur Szenario 3 kann eine echte Trendwende bei den CO2-Emissionen bewirken. "Ungebremster Straßenbau torpediert die ohnehin kränklichen Bemühungen Wiens zum Klimaschutz", kommentiert Erwin Mayer, Klimaexperte von Greenpeace. "Jede mutwillig neu geschaffene Transitschneise verringert Wiens Möglichkeiten, auch im Straßenverkehr Klimaschutzziele zu erreichen." Immerhin schont das "OPTI-NOW-Szenario" Lobau und Donauinsel bestmöglich. "Es gibt eine Variante, die die Lobau und den Nationalpark Donauauen verschont", kommentiert Stefan Moidl vom WWF. "Die Entscheidung liegt bei Bürgermeister Häupl. Er muss aus dem SUP-Prozess die richtigen Schlüsse ziehen und die Lobau retten!"

Wenig Lob gibt es für das Land Niederösterreich: Dort sind zahlreiche Straßenbau- und Gewerbeflächenprojekte in Planung, die mit Wien nicht abgestimmt sind. Zu befürchten ist, dass das Konkurrenz-Verhältnis zwischen Wien und Niederösterreich fortbesteht und die Maßnahmen weiterhin kaum koordinieren werden. "Die ÖKOBÜRO-Organisationen begrüßen, dass Wien das moderne Instrument SUP einsetzt. Nur durch Probieren kann man Erfahrung sammeln", so Fritz Kroiss, ÖKOBÜRO-Geschäftsführer. Allerdings: "Die Strukturierung des Prozesses ist zunehmend verloren gegangen. Nun wird der Prozess mehr abgebrochen, als seriös zu Ende geführt", zeigt sich Kroiss enttäuscht. "Weiche Formulierungen, wie sie in den Schlussfolgerungen des Expertenberichts derzeit enthalten sind, tragen nichts zur Lösung bei".

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Pressesprecherin WWF,
tel.: 488 17-249
Andreas Baur,
Pressesprecher GLOBAL 2000,
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