- 30.01.2003, 10:39:23
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"Umweltmusterstadt" Wien versagt beim Verkehrsproblem
SUPer NOW: Chaos statt Lösungen
Wien (OTS) – Die Lobauautobahn darf nicht gebaut werden. Diese
Aufforderung richteten heute die Umweltorganisationen GLOBAL 2000,
Greenpeace und WWF an die Politik in Wien und Niederösterreich. Der
Anlass für das gemeinsame Auftreten: Die so genannte SUPer NOW, die
"Strategische Umweltprüfung Entwicklungsraum Nordosten Wien", steht
vor dem Abschluss. Ziel des Prozesses war es, Zukunftsfragen für
Floridsdorf, die Donaustadt und die angrenzenden Gemeinden
Niederösterreichs zu beantworten. Dabei hat sich gezeigt, dass die
von der ÖSAG, der Österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen-
AG, favorisierte Variante der Nordost-Umfahrung den geringsten
Nutzen und die größten Negativ-Effekte bringt. Die
Umweltorganisationen werden alles daran setzen, dass diese
Trassenvariante keinesfalls realisiert wird.
Die ÖKOBÜRO-Organisationen fordern die Politik auf, die 6.
Donauquerung und die Nordost-Umfahrung nicht zu bauen ("SUP-Szenario
3"). Stattdessen muss intensiv in den öffentlichen Verkehr
investiert werden. Dieses Szenario brächte den größten Nutzen für
Umwelt und Bevölkerung. "Ein Autobahnring um Wien würde nur als
Zubringer für weitere unnötige Projekte – wie z.B. die Nordautobahn
– dienen", meint Heinz Högelsberger, Verkehrsexperte von GLOBAL
2000. "Jahrzehntelang wurde Transdanubien im Bezug auf
leistungsfähige Öffis und Nahversorgung krass benachteiligt. Jetzt
müssen diese Versäumnisse endlich wettgemacht werden, statt weitere
Autobahnen zu bauen."
Allerdings wären noch Nachbesserungen notwendig: Die
Umweltorganisationen fordern klare Zeit- und Finanzierungspläne für
den Öffi-Ausbau. Es fehlt ein Maßnahmenbündel in Richtung einer
vernünftigeren PKW-Nutzung, z.B. eine zeitabhängige Bemautung
chronisch überlasteter Straßenabschnitte, für eine gleichmäßigere
Verteilung des Verkehrs über den Tag. Außerdem fordern die
Umweltschützer die Einhaltung der Schutzbestimmungen für den
Nationalpark Donau Auen und damit die Verschonung der Lobau sowie
ein Schritt-für-Schritt-Programm zur Umsetzung des "1000-Hektar-
Programms".
Das als Kompromissvariante gedachte "OPTI-NOW-Szenario" erreicht
die
Umweltziele nicht ausreichend. Insbesondere werden Österreichs Kioto-
Verpflichtungen verfehlt. Nur Szenario 3 kann eine echte Trendwende
bei den CO2-Emissionen bewirken. "Ungebremster Straßenbau torpediert
die ohnehin kränklichen Bemühungen Wiens zum Klimaschutz",
kommentiert Erwin Mayer, Klimaexperte von Greenpeace. "Jede
mutwillig neu geschaffene Transitschneise verringert Wiens
Möglichkeiten, auch im Straßenverkehr Klimaschutzziele zu
erreichen." Immerhin schont das "OPTI-NOW-Szenario" Lobau und
Donauinsel bestmöglich. "Es gibt eine Variante, die die Lobau und
den Nationalpark Donauauen verschont", kommentiert Stefan Moidl vom
WWF. "Die Entscheidung liegt bei Bürgermeister Häupl. Er muss aus
dem SUP-Prozess die richtigen Schlüsse ziehen und die Lobau retten!"
Wenig Lob gibt es für das Land Niederösterreich: Dort sind
zahlreiche Straßenbau- und Gewerbeflächenprojekte in Planung, die
mit Wien nicht abgestimmt sind. Zu befürchten ist, dass das
Konkurrenz-Verhältnis zwischen Wien und Niederösterreich fortbesteht
und die Maßnahmen weiterhin kaum koordinieren werden. "Die ÖKOBÜRO-
Organisationen begrüßen, dass Wien das moderne Instrument SUP
einsetzt. Nur durch Probieren kann man Erfahrung sammeln", so Fritz
Kroiss, ÖKOBÜRO-Geschäftsführer. Allerdings: "Die Strukturierung des
Prozesses ist zunehmend verloren gegangen. Nun wird der Prozess mehr
abgebrochen, als seriös zu Ende geführt", zeigt sich Kroiss
enttäuscht. "Weiche Formulierungen, wie sie in den
Schlussfolgerungen des Expertenberichts derzeit enthalten sind,
tragen nichts zur Lösung bei".
Rückfragehinweis: Axel Grunt,
Pressesprecher Greenpeace,
tel.: 01-5454580-33 od. 0664-2407075
Susanne Grof,
Pressesprecherin WWF,
tel.: 488 17-249
Andreas Baur,
Pressesprecher GLOBAL 2000,
tel.: 0664-103 24 23
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