AKNÖ präsentiert Studie "Frau und Arbeit in Niederösterreich"

NÖ Frauen wollen mehr vom Leben

AKNÖ (Wien) – Die niederösterreichischen Frauen stufen den Beruf nicht als den wichtigsten Lebensbereich ein. Sie geben der Familie den Vorrang. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Das ergab eine Studie, die von der Niederösterreichischen Arbeiterkammer bei SORA in Auftrag gegeben und am 27. Jänner 2003 präsentiert wurde.
Auf den ersten Blick wird der Beruf von 94% der Frauen gegenüber der Familie als nicht so wichtig eingestuft. Aber nur auf den ersten Blick, denn je nach Alter, Bildung und Lebenssituation hat die weibliche Bevölkerung unterschiedliche Erwartungen an ihr Berufsleben und den Arbeitsmarkt. Mehr als 75% der bis zu 25-Jährigen stufen die berufliche Karriere als sehr wichtig oder ziemlich wichtig ein, während dies für weniger als die Hälfte der 26-bis 60-jährigen Frauen zutrifft. Zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr erlebt die berufliche Laufbahn der Frauen einen dramatischen Einbruch. Erst ab dem 41. Lebensjahr steigt das Interesse am Job erneut.
"Völlig logisch", erklärt AKNÖ-Direktor Mag. Helmut Guth, "die Niederösterreicherinnen verdienen zu wenig, die beruflichen Möglichkeiten, die ihnen geboten werden, sind kein echter Anreiz, und Kinderbetreuungseinrichtungen haben häufig unflexible Öffnungszeiten. Viele Frauen haben keineswegs die Chance, sich wirklich für den Beruf zu entscheiden."

Resignative Zufriedenheit und schlechtes Einkommen

"Wenn die Frauen genug damit zu tun haben, ihren Alltag zu bewältigen, ist es kein Wunder, wenn sie keine Energie aufbringen, sich auf den Beruf zu konzentrieren", meint Christa Bogath, AKNÖ-Frauenreferentin und Vorsitzende der ÖGB Frauen in NÖ. Sie bezieht sich dabei auf den Begriff der resignativen Zufriedenheit. Diese wurde von Wissenschaftern bei Personen geortet, die großen Belastungen ausgesetzt sind und froh, halbwegs "über die Runden" zu kommen.
Die Arbeitssituation der Niederösterreicherin unterscheidet sich von jener ihrer Landsmänner und ist noch immer stark abhängig vom Familienstand. 58% der Frauen insgesamt arbeiten zwischen 30 und 40 Wochenstunden, im Vergleich zu 91% der Männer. Alleinerzieherinnen würden – wegen finanziell schlechter Lage – gern mehr arbeiten, können aber auf Grund der Betreuungspflichten nicht. Genau genommen kann bei Frauen an Hand der Wochenarbeitszeit gesagt werden, ob sie Kinder haben. Hingegen ist bei Männern daran nicht zu erkennen, ob sie Väter sind. Männer sind mit den gebotenen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten tendenziell zufrieden, Frauen nicht.
Die Frauen in NÖ verdienen schlecht. Im Jahr 2001 betrug das mittlere weibliche Einkommen in NÖ 1.181 € und damit nur 66% des männlichen Einkommens von 1.788€ (Quelle: AKNÖ-Einkommensanalyse 2001). Die Auswirkungen auf das Lebenseinkommen, den Lebensstandard und die Alterssicherung sind enorm. Knapp 60% der berufstätigen Frauen können bzw. könnten mit ihrem persönlichen Einkommen schlecht einen eigenen Haushalt finanzieren.

Studie als Basis für Politik

AKNÖ-Präsident Josef Staudinger sieht mit der vorliegenden Studie eine ausführliche Grundlageninformation für die politisch Verantwortlichen geliefert, die dadurch die Interessen ihrer weiblichen Zielgruppe besser erkennen und vertreten können. "Die Studie analysiert die derzeitige Situation der Frauen. Sie schafft die Basis für eine alltagsorientierte und erfolgreiche Frauenpolitik", stellt Christa Bogath fest.

Forderungen der AKNÖ an die Politik:
- Verstärkte Weiterbildungsmöglichkeiten für weibliche Beschäftigte
- Gerechtere Entlohnung und Verdienstmöglichkeiten für Arbeitnehmerinnen
- Verbindliche Gleichstellungspläne in öffentlichen Einrichtungen
und Unternehmen
- Förderung von Gleichstellungsplänen in den Firmen über die BetriebsrätInnen
- Qualifizierte Beratungsstellen vor dem Berufsausstieg und für den
Wiedereinstieg
- Ausbau von qualifizierten Kinderbetreuungseinrichtungen und Flexibilisierung der Öffnungszeiten

Zu den Ergebnissen der Studie veranstaltet die AKNÖ in fünf Bezirksstellen Podiumsdiskussionen mit prominenten Vertretern aus Arbeit, Wirtschaft und Politik, moderiert von namhaften Journalistinnen.
Für Auskünfte zuständig: Referat Frauenpolitik der AKNÖ, 0800/232323/1328

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