Afghanistan: Hilfe ist ein Wettlauf gegen das Vergessen

Caritas startet Schul- und Ausbildungsprojekt für Frauen in Nord-Afghanistan mit tatkräftiger Unterstützung der österreichischen Wirtschaft

Wien (OTS 17.1. 2003) Ein Jahr nach Ende des Krieges in Afghanistan hat sich die Situation für die Menschen in Afghanistan zwar ein wenig verbessert, es fehlt aber nach wie vor an lebensnotwendigen Dingen. Die Caritas setzt einen weiteren Hilfsschwerpunkt im Norden Afghanistan in Konduz und startet ein Bildungs- und Beschäftigungsprojekt für Mädchen und Frauen. "Nur durch Bildung und Arbeit lässt sich die Situation verändern", unterstreicht Caritas Mitarbeiter Peter Quendler die Notwendigkeit des Projektes. Gemeinsam mit dem Unternehmer Otto Hirsch und mit Unterstützung von Wirtschaftskammerpräsident Dr. Christoph Leitl und der oberösterreichischen Landtagspräsidentin Angela Orthner, gaben sie heute den Startschuss zu diesem auf drei Jahre konzipierten und mit einer Million Euro budgetierten Projekt.

Ziel ist es, einen Kindergarten und eine Schule für 200 Mädchen, eine Produktion und Berufsausbildung für Schneiderei und Stickerei für 40 Frauen einzurichten. Zusätzlich wird es ein Sozialzentrum und eine Frauenberatungsstelle geben. "So können wir Frauen stärken und ihnen mehr Freiheit und Selbstständigkeit geben", betont Angela Orthner. Entwicklung muss in kleinen Schritten und durch die betroffenen Menschen erfolgen, wir können sie dabei nur unterstützen", so Orthner.

Wirtschaftskammerpräsident Leitl betont, dass die Wirtschaft mit ihrem know-how und ihrer Einsatzbereitschat ein wichtiger Partner bei der Verbesserung der Lebensbedingungen und der Armutsbekämpfung in weniger entwickelten Ländern und Regionen der Erde ist. Das Projekt "Solidarität gegen den Krieg" ist ein Musterbeispiel dafür wie Hilfsorganisationen mit der Wirtschaft gemeinsam, das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe realisieren.

Leitl fordert die Verantwortlichen in Österreich auch auf, sich gerade in Zeiten der Budgetkonsolidierung sehr anzustrengen, das gemeinsame europäische Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2006 mindest 0,33 % des BIP für Entwicklungshilfeprojekte bereitzustellen. Zur Zeit liegt Österreich bei rund 0,25 %. Leitl verlangt auch die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden für soziale und Entwicklungshilfeprojekte noch in dieser Legislaturperiode:
"Steuerliche Begünstigung für Entwicklungszusammenarbeit muss vor dem Hintergrund einer gleichzeitigen Entlastung der öffentlichen Hand gesehen werden. Das ist eine win-win-Situation für die Entwicklungshilfe, der dann insgesamt mehr Mittel zur Verfügung stehen und die staatlichen Resourcen."

Die Caritas hat in den letzten eineinhalb Jahren rund 600.000 Euro an Hilfsleistungen in Afghanistan und für afghanische Flüchtlinge in Pakistan organisiert. Dazu gehörte die Grundversorgung von Flüchtlingen, Zusatzernährungsprogramme für unterernährte Frauen und Kinder, Ausbildungs- und Schulungsprogramme, der Bau von Notunterkünften sowie Instandsetzung der Wasserversorgung in verschiedenen Regionen. Vor einem Jahr übernahm die Caritas darüber hinaus auch die Verantwortung für das Distriktrankenhaus Koghiani, wo in der Zwischenzeit umfassende Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden, die Ausstattung verbessert und zusätzliches ärztliches Personal vor allem Gynäkologinnen und Hebammen aufgenommen wurden. Somit konnte ein Beitrag zur medizinischen Grundversorgung für ein Einzugsgebiet von 300.000 Menschen geleistet werden.

"Unsere Hilfe ist ein Wettlauf gegen das Vergessen", betont Franz Karl Prüller, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich. "Denn immer wenn ein Land aus den Schlagzeilen fällt, fällt auch das Spendenbarometer. Hilfe braucht aber einen extrem langen Atem, damit Frieden, wirtschaftlicher Aufschwung, eine stabile Gesundheitsversorgung und ein funktionierendes Bildungssystem entstehen kann."

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