- 09.01.2003, 17:25:24
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SPÖ-Neujahrskonferenz: Marin für Koalition gegen Erwerbslosigkeit älterer ArbeitnehmerInnen
Pagler: Transparenz des Pensionssystems entscheidend für Vertrauen der Bevölkerung
Wien (SK) "Wir brauchen eine Koalition gegen die
Erwerbslosigkeit älterer ArbeitnehmerInnen", erklärte der
Pensionsexperte Bernd Marin am Donnerstag im Rahmen der
SPÖ-Neujahrskonferenz zum Thema "Die Zukunft des Pensionssystems".
Ein modernes Pensionssystem müsse "Fairnesskriterien" erfüllen, die
Reformblockade müsse endlich überwunden werden. Für den
Versicherungsmathematiker mit Spezialfach Pensionen, Franz Pagler,
ist die Transparenz des Pensionssystems entscheidend, damit das
Vertrauen der Bevölkerung ausreichend vorhanden ist. ****
Es sei Zeit, dass endlich über eine Pensionsreform unter dem
Aspekt der Fairness diskutiert wird, erklärte Marin. Bei den
Pensionsreformen der letzten Jahre habe er diesen Aspekt vermisst, so
der Experte. Es gehe darum, dass es zu mehr Pensionsgerechtigkeit
komme und ältere ArbeitnehmerInnen in Erwerbstätigkeit gehalten
werden. In dem Zusammenhang sprach sich Marin für eine Senkung der
Lohnnebenkosten aus. Zudem erachtet der Pensionsexperte Maßnahmen zur
Gesundheitsvorsorge für notwendig, die seiner Meinung nach schon seit
langem in die Tat umgesetzt hätten werden müssen. Marin verwies dabei
auf den Umstand, dass es seit 1980 einen Zuwachs bei den
Invaliditätspensionen um 550 Prozent gebe.
Als ein elementares Frage bei den Kriterien für ein faires
Pensionssystem bezeichnete Marin die Beitragsgerechtigkeit. Er habe
es nie verstanden, wieso die SPÖ nie einen offensiveren Vorschlag
gemacht habe, wie er nun von SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer
(Aufhebung der Höchstbeitraggrundlage) geäußert wurde. Notwendig sei
ein egalitärer Zugang zu den Pensionen, denn "Gerechtigkeit ist nicht
beliebig". Was die Beitragsgerechtigkeit betrifft, sei das
österreichische Pensionssystem etwa im Vergleich mit Skandinavien
sehr ungerecht.
Umlageverfahren und Rücklagenbildung seien kein Widerspruch sondern
absolut notwendig, so Pagler. Nicht nur die Pensionsberechnung,
sondern auch Arbeitsmarkt, Gesundheitsvorsorge und wirtschaftliche
Entwicklung müssten im Mittelpunkt stehen. Eine Umverteilung von
unten nach oben könne nur durch eine Lebensdurchrechnung in
Verbindung mit anderen Aufwertungen verhindert werden. Zudem
plädierte er für eine Vereinheitlichung des Pensionssystems.
Notwendig sind nach Meinung Paglers auch Änderungen im
Steuerrecht. Bisher habe dies auch Ungerechtigkeiten enthalten.
Pagler forderte dabei, die Progressionskurve flacher zu halten. Ein
Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit wäre eine Diskussion über die
"heilige Kuh" 13. und 14. Monatsgehalt, so der
Versicherungsmathematiker. Zudem plädierte Pagler für eine
regelmäßige Kontrolle (alle drei bis fünf Jahre) der
versicherungstechnischen Bilanz des Pensionssystems. Damit könne man
das Pensionssystem in kleinen Dosen nach oben oder nach unten
anpassen. (Forts.)ps
Rückfragehinweis: Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
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