SPÖ-Neujahrskonferenz: Marin für Koalition gegen Erwerbslosigkeit älterer ArbeitnehmerInnen

Pagler: Transparenz des Pensionssystems entscheidend für Vertrauen der Bevölkerung

Wien (SK) "Wir brauchen eine Koalition gegen die
Erwerbslosigkeit älterer ArbeitnehmerInnen", erklärte der Pensionsexperte Bernd Marin am Donnerstag im Rahmen der SPÖ-Neujahrskonferenz zum Thema "Die Zukunft des Pensionssystems". Ein modernes Pensionssystem müsse "Fairnesskriterien" erfüllen, die Reformblockade müsse endlich überwunden werden. Für den Versicherungsmathematiker mit Spezialfach Pensionen, Franz Pagler, ist die Transparenz des Pensionssystems entscheidend, damit das Vertrauen der Bevölkerung ausreichend vorhanden ist. ****

Es sei Zeit, dass endlich über eine Pensionsreform unter dem Aspekt der Fairness diskutiert wird, erklärte Marin. Bei den Pensionsreformen der letzten Jahre habe er diesen Aspekt vermisst, so der Experte. Es gehe darum, dass es zu mehr Pensionsgerechtigkeit komme und ältere ArbeitnehmerInnen in Erwerbstätigkeit gehalten werden. In dem Zusammenhang sprach sich Marin für eine Senkung der Lohnnebenkosten aus. Zudem erachtet der Pensionsexperte Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge für notwendig, die seiner Meinung nach schon seit langem in die Tat umgesetzt hätten werden müssen. Marin verwies dabei auf den Umstand, dass es seit 1980 einen Zuwachs bei den Invaliditätspensionen um 550 Prozent gebe.

Als ein elementares Frage bei den Kriterien für ein faires Pensionssystem bezeichnete Marin die Beitragsgerechtigkeit. Er habe es nie verstanden, wieso die SPÖ nie einen offensiveren Vorschlag gemacht habe, wie er nun von SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer (Aufhebung der Höchstbeitraggrundlage) geäußert wurde. Notwendig sei ein egalitärer Zugang zu den Pensionen, denn "Gerechtigkeit ist nicht beliebig". Was die Beitragsgerechtigkeit betrifft, sei das österreichische Pensionssystem etwa im Vergleich mit Skandinavien sehr ungerecht.

Umlageverfahren und Rücklagenbildung seien kein Widerspruch sondern absolut notwendig, so Pagler. Nicht nur die Pensionsberechnung, sondern auch Arbeitsmarkt, Gesundheitsvorsorge und wirtschaftliche Entwicklung müssten im Mittelpunkt stehen. Eine Umverteilung von unten nach oben könne nur durch eine Lebensdurchrechnung in Verbindung mit anderen Aufwertungen verhindert werden. Zudem plädierte er für eine Vereinheitlichung des Pensionssystems.

Notwendig sind nach Meinung Paglers auch Änderungen im Steuerrecht. Bisher habe dies auch Ungerechtigkeiten enthalten. Pagler forderte dabei, die Progressionskurve flacher zu halten. Ein Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit wäre eine Diskussion über die "heilige Kuh" 13. und 14. Monatsgehalt, so der Versicherungsmathematiker. Zudem plädierte Pagler für eine regelmäßige Kontrolle (alle drei bis fünf Jahre) der versicherungstechnischen Bilanz des Pensionssystems. Damit könne man das Pensionssystem in kleinen Dosen nach oben oder nach unten anpassen. (Forts.)ps

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