- 03.01.2003, 08:00:00
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"profil": Tschechien will Geste zu Benes-Dekreten "nicht unter äußerem Zwang" setzen
Tschechischer Außenminister verweist darauf, dass Deutschland und Österreich "mehr Zeit für Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit" hatten
Wien (OTS) - In einem Interview in der Samstag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" spricht sich Cyril Svoboda,
der tschechische Außenminister, für verbesserte Beziehungen zwischen
Tschechien und Österreich aus. Svoboda: "Unsere gegenseitigen
Beziehungen zu Österreich sind bei weitem nicht so schlecht, wie man
über sie spricht. Österreich ist unser drittgrößter
Wirtschaftspartner, es gibt hier umfangreiche Investitionen, die
grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Partnerschaft der Städte und
Gemeinden entwickeln sich gut."
Zu einer möglichen Geste Prags zu den umstrittenen Benes-Dekreten
zur Vertreibung der Sudetendeutschen befragt erinnert Svoboda daran,
dass "Deutsche und Österreicher für die Auseinandersetzung mit der
eigenen Vergangenheit viel mehr Zeit als wir Tschechen hatten". Im
Zusammenhang mit eine eventuellen Geste in der Frage der
Benes-Dekrete betont Svoboda, dass diese, "wenn wir uns dafür
überhaupt entscheiden würden, nicht unter äußerem Zwang gemacht
werden könnte, weil sie dadurch ihren Sinn verlieren würde".
Zum AKW-Temelin erklärt Svoboda, dass er die von EU-Mitgliedern
abgelehnte Einklagbarkeit der Vereinbarungen zwischen Österreich und
Tschechien beim Europäischen Gerichtshof für überflüssig halte. "In
der Sache AKW Temelin wurde in Kopenhagen sowohl von der
tschechischen wie von der österreichischen Seite ausreichend deutlich
gesagt, dass wir unsere Verpflichtungen aus den in Melk und Brüssel
unterzeichneten Vereinbarungen erfüllen werden. Deshalb glaube ich,
dass sich eine Lösung der mit Temelin zusammenhängenden Fragen vor
dem EUGH erübrigen wird."
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 2501 und 2502
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