- 01.01.2003, 18:26:26
- /
- OTS0024 OTW0024
OÖNachrichten 2. Jan. 2003 "Blockadeweg als Holzweg" von Karl Danninger
Wir wollen importieren, wir wollen exportieren 4 möglichst viel .,
aber wir wollen kein Transportieren von Gütern, die für andere
bestimmt sind, die, wie wir, ebenfalls importieren und exportieren
wollen. Wir wollen Fremde als Zahler, wir sind ein Tourismusland,
aber wir wollen keinen Verkehr, der von Fremden verursacht wird.
So aber wird es auf die Dauer nicht gehen. Österreich ist ein
Binnenland und kann das nun einmal nicht ändern. Vielleicht hat
schon einmal jemand darüber nachgedacht, warum uns momentan die
Spanier um unsere geografische Lage beneiden P ohne
Schifffahrtsstraßen vor den Küsten. Auch Österreich importiert Öl.
Die Sache mit der Nachfolgeregelung für den Transitvertrag und für
die Ökopunkteregelung ist daneben gegangen, aus vielen,
verschiedenen Gründen. Das ist zunächst zur Kenntnis zu nehmen.
Vielleicht hätte eine andere Taktik mehr Erfolg gebracht.
Vielleicht. Aber auch dann wäre das Prob-lem nicht gelöst, sondern
nur wieder einmal aufgeschoben gewesen.
Sicher ist aber eines: Der schlechteste Rat, den der zuständige
Minister, der das lange Scheitern letztlich in Kauf nehmen musste,
geben konnte, war der Rat, nun die EU-Erweiterung zu blockieren.
Minister Mathias Reichhold mag vielleicht Fremd-Zitate im Ohr gehabt
haben, als er seinem Bundeskanzler riet, er solle die U bereits
zugesagte z Unterschrift unter die EU-Erweiterung verweigern. Es war
dies der Rat eines Schwächlings, der noch dazu stolz seine Schwäche
wie ein Banner vor sich herträgt.
Es wird nämlich kein einziges
Problem aus der Welt geschafft, wenn Österreich die Unterschrift
verweigert. Es werden im Gegenteil zahlreiche neue Probleme
geschaffen, und Österreich geriete noch weiter in die Isolation, die
heute schon spürbar ist. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als
sich eine völlig neue Strategie einfallen zu lassen, eine Strategie,
durch die die anderen nicht von vornherein verprellt werden, eine
europäische Strategie.
Schließlich ringt ja nicht bloß Österreich mit einem
Verkehrsproblem, sondern die gesamte EU, nach der kommenden
Erweiterung nach Norden, Osten und Süden noch viel mehr. Die EU muss
ä muss : das kontinentale Mobilitätsproblem angehen und in den Griff
bekommen. Ansonsten ist es in absehbarer Zukunft mit der
persönlichen Mobilität vorbei. Oder will sich jemand eine Zukunft
vorstellen, in der man international Fahrzeiten für Pkw auf den
transkontinentalen Routen aushandelt, in der man nach einem
international festgelegten Plan Fahrzeiten einkauft, um auf zwei-
oder dreistöckigen Autobahnen seine Reise in den Urlaub zu
absolvieren?
Österreich wird zweifelsohne seinen Beitrag zur Bewältigung des
Problems leisten und die berechtigte Berücksichtigung seiner
speziellen Lage einfordern. Aber das wird sicher nicht auf dem
Blockadeweg gehen. Dazu sind alle schon viel zu weit unterwegs, als
dass sie sich noch an unseren Kirchtürmen orientierten. Sie sind
nicht mehr der Mittelpunkt.
Rückfragehinweis: Oberösterreichische Nachrichten
Tel.: 0732/7805-440 od. 434
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PON






