- 19.12.2002, 09:20:00
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"Konsument"-Analyse: Magnesiumpräparate
Nur für Risikogruppen sinnvoll, weil ausgewogene Ernährung den Magnesium-Bedarf deckt. Kombipräparate nicht besser, nur teurer.
Wien (OTS) - Sie sind als Tabletten, Dragees, Kapseln, Kautaler
oder Brausedrinks erhältlich: Magnesiumpräparate gibt es schon längst
nicht mehr nur in Apotheken, sondern auch in Drogerie- und
Supermärkten zu kaufen. Damit das verwirrend große Produkt-Angebot
von Verbrauchern besser beurteilt werden kann, bietet die neue
Ausgabe von "Konsument" eine ernährungswissenschaftliche Diagnose mit
Marktübersicht. Dabei kommen 38 Produkte auf den Prüfstand. Fazit:
Kombipräparate mit weiteren Nährstoffen sind meist nicht besser, nur
teurer als die reinen Magnesiumpräparate. In der Regel genügt eine
ausgewogene Ernährung. Schwangerschaft, Sport oder extremer Stress
kann den Bedarf an Magnesium erhöhen. "Konsument" empfiehlt jedoch
vorher eine ausführliche Beratung durch Arzt oder
Ernährungswissenschafter. Bei Bedarf lohnt ein Preisvergleich, denn
die Unterschiede sind exorbitant.
Die Magnesiumversorgung der Österreicher ist ausreichend, das
bestätigen Studien. Nur in bestimmten Situationen kann es zu einer
Magnesium-Unterversorgung kommen. Neben einseitiger Ernährung zählt
dazu die Einnahme von abführenden oder harntreibenden Mitteln,
übermäßiger Alkoholgenuss, leistungsorientierte Sportaktivitäten und
außergewöhnliche Stressbelastungen. Prof. Dr. Wolfgang Marktl vom
Institut für Physiologie der Universität Wien hält in diesen Fällen
eine Ergänzung durch Magnesiumpräparate für sinnvoll, weil "der
tägliche alimentäre Magnesiumbedarf nicht zu 100 Prozent, sondern nur
zu 75 Prozent gedeckt wird." In einem eindeutigen Beschwerdebild
drückt sich ein Magnesium-Mangel leider nicht aus. Deshalb ist bei
Magnesiumpräparaten Vorsicht geboten. Schon leichte Überdosierungen
können zu Durchfall oder Magen-Darm-Krämpfen führen, im Extremfall
auch zu Lähmungserscheinungen. Bei eingeschränkter Funktion der Niere
wurden sogar schon Todesfälle verzeichnet.
Neben einem schwer erkennbaren Krankheitsbild gibt es noch ein
weiteres Problem: Praktikable Routinetests zum Nachweis eines
eventuell vorliegenden Magnesium-Mangels gibt es bis heute noch
keine! Ebenso fehlt der eindeutige Wirkungsnachweis. Deshalb sind
sich auch die Ärzte uneinig, wie Prof. Marktl aufzeigt: "Die einen
Kardiologen schätzen Magnesiumpräparate als Mittel gegen
Herzrhythmus-Störungen, andere wiederum halten überhaupt nichts
davon." Eindeutig ist vor allem das wirtschaftliche Interesse, denn
der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt, und Magnesium wird
trotz geringer wissenschaftlicher Erkenntnisse gerne als Wundermittel
beworben. Verwunderlich sind in erster Linie die gewaltigen
Preisunterschiede, denn "Konsument" errechnete Differenzen von mehr
als dem Dreißigfachen! So kosten 100 mg Magnesium bei den
Brausetabletten von "Das Gesunde Plus" und "St. Rodegan" nur drei
Cent während man bei "Hafesan Magnesium und Calcium"-Kapseln schon
fast einen Euro (0,95 Cent) aufwenden muss!
Wer also glaubt, ein Magnesiumpräparat nötig zu haben, muss nicht
gleich zum teuersten greifen. "Konsument" rät, sich bei der Auswahl
auf reine Magnesiumpräparate zu konzentrieren und auf den jeweiligen
Magnesiumgehalt zu achten. Bei eindeutigen medizinischen
Mangelzuständen eignen sich Magnesium-Mengen mit rund 300 mg pro
Einheit. Präparate mit geringeren Mengen können bei leichter
Unterversorgung helfen. Bei den Kombi-Präparaten warnt "Konsument"
vor den kontraproduktiven Auswirkungen. So können Magnesium-Mittel,
die zusätzlich hohe Mengen an Calcium enthalten, die Aufnahme von
Magnesium beeinträchtigen. Wenig vorteilhaft sind auch die
Kombinationspräparate Magnesium plus Vitamine. Prof. Marktl sieht im
Fall von "Magnesium Tonil Vitamin E Kapseln" aufgrund der hohen
Vitamin-Mengen sogar die "Gefahr der Entwicklung einer chronischen
Vitamin-E-Vergiftung".
"Konsument"-Tipp: Wer magnesiumreiche Kost bevorzugt, wird den
empfohlenen Tagesbedarf von 350 mg für Männer bzw. 300 mg für Frauen
sehr leicht erreichen. Figurbewusste können zu frischem Gemüse und
Getreideprodukten greifen, Naschkatzen werden sich lieber an
Schokolade oder Nüssen delektieren. Ein guter Magnesiumlieferant ist
auch Mineralwasser. Nachdem der Magnesiumgehalt je nach Marke stark
schwankt, listet "Konsument" in der Jänner-Ausgabe sowohl
magnesiumreiche Mineralwässer als auch Lebensmittel auf.
Rückfragehinweis:
VKI-Abteilung Technik 2,
Ing. Konrad Brunnhofer,
Tel.: 01 / 58877 DW 268.
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