Ein Jahr Geschäftsführung Dr. Monika Lindner

Wien (OTS) - Seit einem Jahr steht Generaldirektorin Dr. Monika Lindner als erste Frau an der Spitze des ORF. Trotz erschwerten gesetzlichen Rahmenbedingungen und unvorhersehbaren Ereignissen wie etwa der Kirch-Insolvenz, fällt eine erste Bilanz des ersten Jahres überwiegend positiv aus: Eine Programmreform und ein technologischer Modernisierungsschub wurden mit dem Erfolg eingeleitet, dass die Marktanteile Radio und Fernsehen gesteigert und junge Zuschauerinnen und Zuschauer zurückgeholt wurden, dazu konnte sich ORF.at als Marktführer bestätigen. Begleitet wurden diese Maßnahmen im Herbst 2002 von einer viel beachteten, österreichweiten Image-Kampagne mit dem Slogan "Alles bleibt besser".
Mit umfassenden Sparmaßnahmen im gesamten Unternehmen hat der ORF die schwerste Krise der Medien- und Werbebranche seit Jahrzehnten im Jahr 2002 gut bewältigt und einen Finanzplan 2003 mit einem ausgeglichenen Ergebnis vorgelegt, der vom Stiftungsrat einstimmig beschlossen wurde.
Die TV-Marktanteile konnten mit der ersten Phase der umfassendsten Programmreform seit 1995 und Programminnovationen wie "Starmania" gesteigert und vor allem junge Zuschauer zurückgewonnen werden, wie eine aktuelle Image-Untersuchung bestätigt. Auch mit seiner Berichterstattung im Vorfeld der Nationalratswahl 2002 hat der ORF starke Zugewinne bei jungen Sehern erzielt.
Im Bereich Humanitarian Broadcasting gehört das Jahr 2002 zu den denkwürdigsten der ORF-Geschichte: Zum einen wurden mehr als 70 Millionen Euro nach entsprechenden Aktivitäten und Aufrufen in ORF-Fernsehen, -Radio und ORF.at für die Opfer der Hochwasserkatastrophe gespendet, zum anderen feiert "Licht ins Dunkel" im Jahr 2002 sein 30-jähriges Bestehen.
Trotz zum Teil in Sendeverbünden konzentrierter Konkurrenz haben die ORF-Radios ihre Marktführerschaft mit 82 Prozent Marktanteil behauptet.
Optisch modernisiert präsentieren sich heuer die "Bundesland heute"-Sendungen.
Klarer Marktführer bei den Contentanbietern ist auch ORF.at, das im November 2002 mit 24,2 Millionen Visits einen neuen Rekordwert erreichte.
Mit der Implementierung des neuen Newsroom hat der ORF heuer ein europaweit einzigartiges, technologisches Jahrzehnteprojekt erfolgreich auf Schiene gebracht, das den Einstieg in die Digitalisierung der TV-Produktion ermöglicht.

Untersuchung TV-Programmreform 2002

Aktuelle Untersuchungen der Institute Fessel-GfK und Integral ermittelten im Auftrag des ORF die Publikumsakzeptanz der im Rahmen der größten Programmreform seit 1995 im Oktober 2002 etablierten neuen ORF-TV-Sendungen. In insgesamt drei Befragungswellen (zwischen 28. Oktober und 21. November) mittels Telefoninterviews und Online-Befragung wurden jeweils 1.000 Österreicherinnen und Österreicher ab 14 Jahren befragt. Das Ergebnis vorweg: Die neuen Sendungen werden durchwegs als "gut" beurteilt und von den Jüngeren deutlich stärker wahrgenommen. Die auffälligsten Neuerungen:
"Newsflash" und die Einzelmoderation der "ZiB 1" (29 Prozent der Befragten finden die Hauptnachrichten-Sendung jetzt "besser" als früher, nur sieben Prozent "schlechter").
Von den neuen Informationssendungen sind "Modern Times Gesundheit" und "Weltjournal" die am besten bewerteten - von allen Altersgruppen und von Männern wie Frauen gleichermaßen. Die höchste Aufmerksamkeit erzielt "Newsflash". Auf die Frage nach den "wahrgenommenen Programmneuerungen" ist "Newsflash" die spontan meistgenannte Sendung. Sie wurde von allen neuen Sendungen am häufigsten bereits gesehen und gefällt allen Altersgruppen.
Von den Unterhaltungssendungen erzielen die neuen "Donnerstag Nacht"-Angebote die besten Bewertungen: "Die Sendung ohne Namen" oder "Naked Chef - genial kochen" gefallen als "originell", "witzig", "innovativ" und "unkonventionell". Als "modern" und "trendy" wird "25 das Magazin" empfunden, das bis Mitte November 2002 von einem Viertel aller Befragten und von der Hälfte der unter 30-jährigen gesehen wurde.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Die neuen Sendungen haben das TV-Programm des ORF für 40 Prozent der Befragten "attraktiver" gemacht, gegenüber acht Prozent, die es als "weniger attraktiv" empfinden. Besonders hoch ist die Zustimmung bei den Jüngeren. Von den 14- bis 29-jährigen erlebt mehr als die Hälfte das ORF-Fernsehangebot nun als "attraktiver". Durchwegs positiv wirkt sich die Programmreform auch auf das Unternehmensimage aus: In allen abgefragten Image-Qualitäten ist die Zustimmung gegenüber der Imageuntersuchung im August 2002 gestiegen. Am relativ stärksten zeigt sich der Imagegewinn für den ORF bei den Merkmalen:
"Hält sich sehr gut gegen die Konkurrenz der privaten Medien"
"Hat ein gutes Gespür dafür, was sich die Österreicher wünschen" "Modern, fortschrittlich"
"Voller Ideen, dynamisch, immer eine Schritt voraus" und
"Ist mir sympathisch"

Fernsehen/ORF-Information

Mit der erfolgreichen Implementierung des neuen Newsroom am 2. Mai 2002 brach für die ORF-Information unter Informationsdirektor Gerhard Draxler ein neues, digitales Zeitalter an. Die Übersiedlung in den neuen Nachrichtentrakt war gleichzeitig Auftakt für den umfassendsten Modernisierungsschub in der Geschichte der ORF-Information. Die "ZiB"-Sendungen wurden einem sanften Relaunch unterzogen, der neue redaktionelle Strukturen und mit Start des neuen Programmplans im Oktober 2002 auch personelle Neuerungen folgten, die vom Publikum gut angenommen wurden. Die "ZiB 1" steigerte heuer die durchschnittliche Seherzahl im Vergleich zu 2001 von 1.457 auf 1.471 Millionen. Entsprechende Zuwächse gab es auch für die "ZiB 2" (Plus von 39.000 Sehern) und die "ZiB 3" (von 142.000 auf 150.000). Das Prinzip der "Breaking News", also der ereignisbezogenen Berichterstattung, wurde Dank modernster Technologien weiter ausgebaut. Allein im Jahr 2002 gingen 103 "ZiB"-Sondersendungen on air, das Gros davon zur Hochwasserkatastrophe (32) und zur Regierungskrise (18). Dabei haben sowohl der neue Newsroom als auch das "ZiB"-Redaktions- und Moderatorenteam ihre Feuertaufe bestanden.
Ebenfalls bewährt hat sich die Berichterstattung vor der Nationalratswahl 2002. Bereits im Vorfeld der Wahl informierten sich insgesamt 4.181 Millionen Zuschauer mit Hilfe der TV-Konfrontationen, das entspricht 61,9 Prozent der erwachsenen Österreicherinnen und Österreicher mit einem TV-Gerät. Am Wahltag (24. November 2002) waren insgesamt 3,7 Millionen Zuseher beim sechsstündigen Wahlmarathon dabei. Die Sendung zur Nationalratswahl 2002 um 19.30 Uhr in ORF 1 und ORF 2 war mit 2.605.000 Zuschauern die meistgesehene Sendung seit 1995. Besonders erfreulich: Die ORF-Berichterstattung vor der Wahl zum Nationalrat 2002 und am Wahltag konnte insbesondere im Segment der jungen Seher starke Zugewinne verzeichnen. Im Vergleich zu den Konfrontationen vor der Nationalratswahl 1999 steigerte sich etwa in der Altersgruppe der Zwölf- bis 29-Jährigen der KaSat-Marktanteil um 13 Prozentpunkte.
Mit dem Start des "Newsflash" in ORF 1 und dem Relaunch der meisten Informationssendungen ("Thema", "Report", "Weltjournal", "€co", "Modern Times Gesundheit", "Offen gesagt") in ORF 2 sorgte die ORF-Information für einen weiteren Modernisierungs- und Attraktivierungsschub innerhalb ihres Programmangebotes. Mit dem dreimal täglich ausgestrahlten "Newsflash" wurde erstmals eine Nachrichtensendung für ein junges Zielpublikum in ORF 1 mit durchschnittlich 27 Prozent KaSat-Marktanteilen in der Zielgruppe 12-29 im Hauptabend etabliert. Erfolgreich starteten auch das "Weltjournal" (mit Zugewinnen in den Zielgruppen 12+, 12-29 und 12-49), "€co" (mit einem Plus von fünf Prozentpunkten KaSat-Marktanteil in der Zielgruppe 12-29), "Report" (ein Prozentpunkt KaSat-Marktanteilsplus in der Zielgruppe 12-29) sowie "Modern Times" (ein Plus von drei bis sechs Prozentpunkten KaSat-Marktanteil in allen relevanten Zielgruppen) und "Modern Times Gesundheit" (Zuwachs von zwei Prozentpunkten KaSat-Marktanteil in den Zielgruppen 12+ und 50+).
Zwei Sportevents sorgten für weitere Höhepunkte der ORF-Information. Mit dem ebenso kurzfristigen wie kostengünstigen Erwerb von 34 Live-Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Korea gelang dem ORF ein international vielbeachteter Coup, der ORF Sport erreichte Marktanteile von bis zu 80 Prozent bei den 12- bis 29-Jährigen. Das WM-Finale verfolgten 1,4 Millionen Zuseher via ORF 1. 300 Stunden Live-Berichterstattung und 140 ORF-Mitarbeiter vor Ort sorgten bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City für Rekordreichweiten am Fließband. 24 Übertragungen erreichten mehr als eine Million Zuseher. Der weiteste Seherkreis betrug sechs Millionen - das heißt: 89 (!) Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher ab 12 Jahren waren mit dem ORF zumindest einmal bei den Olympischen Winterspielen Salt Lake 2002 mit dabei.

Fernsehen/ORF-Programm

Die ORF-Programmdirektion unter der Leitung von Dr. Reinhard Scolik startete im Oktober diesen Jahres mit drei neuen Formaten: "25 das Magazin" bringt wochentäglich um 18.30 Uhr in ORF 1 Trends, Hintergründe, Lifestyle und junge Themen - abwechselnd präsentiert von Miriam Hie und Christoph Feurstein. In der Zielgruppe der 12- bis 29-Jährigen verzeichnet "25 das Magazin" einen durchschnittlichen Marktanteil von 22 Prozent - das sind zwei Prozentpunkte plus im Vergleich zu den Marktanteilen dieses Sendeplatzes vor Start des Magazins. Innovatives TV steht einmal wöchentlich in der "Donnerstag Nacht" auf dem Programm von ORF 1: unter anderem mit "Wickie, Slime & Paiper XL", "Die Sendung ohne Namen", "Naked Chef - genial kochen" und "Da Ali G. Show". Die neue Leiste verzeichnet im Durchschnitt nicht nur fünf Prozentpunkte Zuwachs beim Marktanteil in der Zielgruppe der 12- bis 29-Jährigen, sondern zeichnet sich durch besonders hohe Imagewerte aus: Das ORF-Publikum empfindet vor allem die junge Programminnovation "Die Sendung ohne Namen" und die Kult-Kochshow "Naked Chef" mit Jamie Oliver als besonders "originell", "witzig", "innovativ" und "unkonventionell". Im Rahmen der "Donnerstag Nacht" ist der ORF auch auf der Suche nach kreativen Ideen junger Leute: bei der Aktion "max 25" haben talentierte Newcomer die Möglichkeit, Sendungsideen einzuschicken und diese mit Unterstützung des ORF zu produzieren. Mit "Starmania" veranstaltet der ORF seit November 2002 den größten TV-Starwettbewerb aller Zeiten: Österreich sucht in der wöchentlichen Live-Show - präsentiert von Arabella Kiesbauer - den Star des Jahres. Bis zu 71 Prozent Marktanteil verzeichnet die Show wöchentlich in der Zielgruppe der 12- bis 29-Jährigen.

Armin Assinger und Rainhard Fendrich im ORF: Im Herbst diesen Jahres übernahm Armin Assinger "Die Millionenshow" und testete seither zahlreiche Kandidaten auf Allgemeinwissen und Hausverstand - bis zu 1.425.000 Zuschauer verfolgten bisher die spannenden Quizabende. Ein Comeback mit einer neuer Musikshow feierte Rainhard Fendrich: In seiner Gala "Ein Saitensprung" aus dem Wiener Ronacher unternahm er einen Ausflug in die fünfziger und sechziger Jahre - und sang unter anderem mit Udo Jürgens und Bill Ramsey. "Wir helfen! Hochwasser Soforthilfe für Österreich" war der Titel der großen Benefizsendung, die der ORF zu Gunsten der Hochwasseropfer spontan ins Programm nahm. Das Ergebnis: 16,6 Millionen Euro an Spendengeldern wurden vom TV-Publikum gespendet. Im Sommer 2002 ging Vera Russwurm erstmals mit einer neuen Sendung on air: In sieben Ausgaben von "Vera - Mein Schicksalstag" ließ sie Menschen ihre ganz persönliche Geschichte erzählen.
Der Bereich der ORF-Kultur hat seit Oktober diesen Jahres drei neu definierte Sendeplätze: So zeigt ORF 2 jeden Sonntag im Rahmen der "Matinee" ab 9.05 Uhr traditionelle Kulturdokumentationen. Ebenfalls sonntags stehen um 23.15 Uhr avantgardistische Kunst und im Anschluss daran alternierend Kultur/ÖFI-Filme bzw. österreichische Dokumentarfilme auf dem Programm von ORF 2 - somit erhielt der österreichische Dokumentarfilm erstmals einen eigenen fixen Sendetermin. Montags um 0.30 Uhr erhielt der internationale anspruchsvolle Artfilm einen wöchentlichen Programmplatz in ORF 2.

Der österreichische Film präsentierte sich 2002 in großem Rahmen: Das Filmspektakel "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers" mit Tobias Moretti in der Hauptrolle sahen im Oktober bis zu 1,4 Millionen Zuschauer. Weitere Publikumserfolge waren unter anderem "Die Dickköpfe" mit Ottfried Fischer und Harald Krassnitzer, "Ein Hund kam in die Küche" von Xaver Schwarzenberger oder "Blumen für Polt" mit Erwin Steinhauer in der Titelrolle. Trotz der konjunkturbedingten Rückgänge der Werbung und der damit in Zusammenhang stehenden Sparmaßnahmen, konnte das Investment in den österreichischen Film beziehungsweise in die österreichische Filmwirtschaft im Jahr 2002 beinahe unvermindert in derselben Höhe wie 2001 aufrecht erhalten werden.

Radio

Das zu Ende gehende Jahr war für die ORF-Radios unter Hörfunkdirektor Mag. Kurt Rammerstorfer sehr erfolgreich. Die Marktführerschaft konnte mit einem Marktanteil von 82 Prozent (Radiotest 1. Halbjahr 2002, Personen über 10 Jahre) trotz mittlerweile 61 Konkurrenzsendern eindrucksvoll behauptet werden. Inhaltlich standen 2002 im Zeichen einer intensiven Berichterstattung zur Nationalratswahl bzw. groß angelegter Hochwasserhilfen auf allen Sendern. Die Radio-Information hat ihre Angebote auf allen Sendern verbessert.

Wesentliche Programmneuerung auf Österreich 1 war der Relaunch des Informationsangebots mit nahezu stündlichen Nachrichten und einem neuen Sonntagsjournal. Daneben wurde das erfolgreiche Projekt "Nebenan. Erkundungen in Österreichs Nachbarschaft" mit den Staaten Bulgarien, Kroatien, Litauen und Rumänien fortgesetzt. Während der Sommermonate wurden rund 130 Übertragungen von Festivals in ganz Österreich angeboten, ein Höhepunkt waren die Salzburger Festspiele mit 26 Übertragungen. Erstmals ging Ö1 auch auf Uni-Tour und war zu Gast an acht österreichischen Universitäten, um sich einem jungen, an Information und Kultur interessierten Publikum zu präsentieren. Mit 1. Jänner 2003 wird eine Schemajustierung in Kraft treten, deren Schwerpunkte in der Optimierung der Mittagszone sowie des Sonntagnachmittag liegen.

Hitradio Ö3 konnte die eindeutige Nummer-1-Position am heimischen Radiomarkt behaupten und erreicht täglich rund 3 Millionen Hörer. Im Off-Air-Bereich wurde im Frühjahr die erfolgreiche Aktion Ö3-Wundertüte durchgeführt, bei der rund 2,3 Millionen Euro für Licht ins Dunkel gespendet wurden. Bei der Sachspendenaktion nach der Hochwasserkatastrophe im August konnten Waren im Wert von 10,8 Millionen Euro gesammelt werden. Höhepunkt dieser Aktion war die Expedition Großglockner, bei 11.664 Ö3-Hörer teilnahmen und rund 1,2 Millionen Euro zu Gunsten der ORF-Hochwasser-Soforthilfe gespendet wurden. Hary Raithofer und das "Wecker"-Team wurden dafür im November mit dem zweiten Platz des "Volunteer Award 2002" ausgezeichnet. Die Ö3-Verkehrsredaktion startete im Oktober den digitalen Verkehrskanal RDS-TMC, der eine Kombination von individueller Routenplanung mit einer aktuellen Verkehrsübersicht ermöglicht.

Der ORF-Jugendkultursender FM4 entwickelte den "Soundpark", die zentrale Plattform für aktuelle österreichische Musik, weiter. 2002 wurde den besten Einsendungen Airplay gegeben, Live-Auftritte und CD-Veröffentlichungen folgen. In Zusammenarbeit mit den wichtigsten heimischen Musikinstitutionen konnte der Soundpark mittlerweile seinen Ruf als wichtigste Drehscheibe für neue populäre Musik aus Österreich festigen. Mit dem Literaturwettbewerb "Wortlaut" wurde FM4 seiner Rolle als Jugendkultursender gerecht. Nicht nur viele, sondern auch qualitativ hochstehende Einsendungen und hohes Niveau beeindruckten die Fachjury.

Landesstudios

Auch in den neun ORF-Landesstudios gab es unter der Geschäftsführung von ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner zahlreiche Neuerungen:
Die Stärke der ORF-Landesstudios erwies sich einmal mehr bei der aktuellen Berichterstattung: Salzburg, Niederösterreich und Oberösterreich lieferten Beiträge im Zuge der Hochwasserkatastrophe im vergangenen Sommer und auch bei der Wahlberichterstattung mit Schwerpunkten in Radio und Fernsehen bewährte sich der Ausbau der föderalistischen Struktur des ORF. Im Herbst 2002 wurde ein neues Studiodesign mit geändertem Layout für "Bundesland heute" und teilweise neuen Moderatoren umgesetzt. Die ORF-Landesstudios konnten sich zudem trotz neu hinzugekommener Mitbewerber auch am Radiomarkt weiterhin äußerst erfolgreich behaupten. Dies gelang unter anderem durch die Einführung neuer Sendungen und neuer Schwerpunkte. 2002 war auch gekennzeichnet durch den Ausbau der Minderheitenprogramme und der Kulturberichterstattung in den Bundesländern. Nicht zuletzt als Veranstalter ganz unterschiedlicher Kultur-Events konnten die ORF-Landestudios zahlreiche junge Talente fördern.

Durch das Privatfernsehgesetz wird erstmals analoges terrestrisches Privatfernsehen sowohl bundesweit als auch in den Ballungsräumen Linz, Salzburg und Wien ermöglicht. Der ORF hat dazu ihm zugeordnete Frequenzen zeitweise kommerziellen TV-Betreibern zu überlassen, was in bestimmten Regionen zum Empfang von ORF 2 Kanalumstellungen nötig macht. Durch zeitgerechte und umfassende Information der betroffenen Haushalte konnte der ORF zu einer für den Zuseher möglichst rasch und einfach durchführbaren Umstellung beitragen.

Online und Neue Medien

Die Direktion für Online und Neue Medien wurde auf Vorschlag von Generaldirektorin Dr. Monika Lindner mit Beschluss des ORF-Stiftungsrats eingerichtet. Zum Direktor dieses Geschäftsbereichs wählte der Stiftungsrat am 12. März 2002 DI Ronald Schwärzler, der im Mai 2002 mit dem Aufbau der neuen Direktion begann.

Mit Einrichtung der neuen Direktion wurde die Medienkonvergenz gestärkt und der hohe Stellenwert der neuen Medien unterstrichen. Der ORF ist ein trimediales Unternehmen. Insgesamt sieht es die neue Direktion als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, die Ressourcen im trimedialen Unternehmen ORF zu bündeln und vorhandenen Content auf möglichst vielen Vertriebswegen zugänglich zu machen.

Erfolgreich weiterentwickelt wurde ORF.at: Mit 24,2 Millionen Visits im November 2002 erreichte ORF.at einen neuen Rekordwert und liegt unangefochten auf Platz eins unter den 24 von der Österreichischen Web-Analyse ausgewiesenen Angeboten. Gegenüber Oktober 2002 konnte ORF.at eine Millionen Visits oder vier Prozent hinzugewinnen. Trotz Einführung der Registrierungspflicht auf sms.ORF.at und den damit verbundenen Einbussen bei den Page-Impressions in diesem Bereich erzielte ORF.at insgesamt bei den Seitenaufrufen mit 173.898.242 Page-Impressions (plus 9,9 Millionen bzw. sechs Prozent gegenüber Oktober 2002) ebenfalls den höchsten Wert seit Einführung der ÖWA im Februar 1998. Mit der erfolgreichen Performance von "Starmania" im Web wurde das Service für junge User erheblich ausgebaut. Insgesamt spiegelt ORF.at mit seinen derzeit 27 Kanälen die Philosophie des ORF wieder, Programm für alle anzubieten. Das Spektrum für alle User reicht von News über Bundesländer, Volksgruppen bis Science.

Ebenso erfreulich ist die Weiterentwicklung von ORF TELETEXT, der in der Verantwortung der neuen Direktion liegt. Laut einer aktuellen Umfrage von INTEGRAL leben vier von fünf Österreicherinnen und Österreichern in einem Haushalt mit Teletext, rund 1,7 Millionen Seherinnen und Sehern ab 14 Jahren nutzen täglich ORF TELETEXT, 70 Prozent der Teletext-Nutzer würden dieses Medium vermissen. Dieser Befund zeigt, dass neue Medien die alten Medien nicht verdrängen, sondern sinnvoll ergänzen.

Finanzen

Der ORF, mit dem Kaufmännischen Direktor Dr. Alexander Wrabetz, hat im Jahr 2002 die schwerste Krise der Medien- und Werbebranche seit Jahrzehnten gut bewältigt. Durch rechtzeitiges Agieren konnten die negativen Auswirkungen des Zusammenbruchs der Kirch-Gruppe in den Bereichen Filmrechte, Sportrechte, Koproduktionen, Verschlüsselungssystem weitgehend minimiert werden. Die Rechte für die Fußball WM 2002 wurden zu günstigen Konditionen erworben und stellten eine umfassende Berichterstattung über dieses Event sicher.

Die Führung der ORF-Enterprise wurde mit Walter Zinggl neu besetzt, durch zahlreiche Maßnahmen (neue Tarifstruktur, Neustrukturierung Verkauf und zahlreiche Marketingaktivitäten) wurden ab dem zweiten Quartal deutlich über Budget liegende Werbeeinnahmen erzielt. In Summe liegen die Werbeeinnahmen um rund 35 Millionen Euro über Budget.

Die GIS konnte die Zahl der Gebührenzahler von rund 2.450.000 auf voraussichtlich ca. 2.545.000 zum Jahresende 2002 steigern. Zum fünften Mal seit 1998 fand keine Gebührenerhöhung statt.

In allen Bereichen des Unternehmens wurde ein umfassendes Sparprogramm vorbereitet, sodass der Finanzplan 2003 trotz der gesetzlichen Restriktionen und der weiterhin gedämpften Werbekonjunktur ein ausgeglichenes Ergebnis ausweist. Der Finanzplan wurde vom Stiftungsrat einstimmig beschlossen.

Im Zuge des Sparprogramms konnte mit der Belegschaftsvertretung zahlreichen Veränderungen bestehender Regelungen vereinbart werden, die deutliche Kostenreduktionen im Jahr 2003 möglich machen. Die Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag zur Lösung des Strukturproblems Freie Mitarbeiter stehen unmittelbar vor dem Abschluss.

Trotz der rückläufigen Werbeeinnahmen wurden zahlreiche zusätzliche Programmmaßnahmen (zusätzliche Folgen der "Millionenshow", "Starmania", "25 das Magazin", "Newsflash", Donnerstag Nacht, Relaunch der "ZiB", Relaunch von "Bundesland heute") finanziert. Die Frequenzumstellung für Ballungsraumfernsehen in Salzburg/Oberösterreich wurde effizient umgesetzt.

Der Filmstock der Wien-Film konnte zu attraktiven Konditionen vom ORF erworben werden. Zur besseren Verwertung von Musikrechten wurde im Rahmen der ORF-Enterprise ein Musikverlag gegründet. Die durch Bebauungsvorschriften notwendig gewordene Verwertung der Liegenschaft Argentinierstraße 29 wurde im Dezember durchgeführt.

Technik

Für den Technischen Direktor des ORF, Andreas Gall, der am 12.März 2002 vom Stiftungsrat auf Vorschlag von ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner bestellt wurde, fiel der Amtsantritt im April 2002 in die letzte Vorbereitungs- und Pilotierungsphase des neuen Newsroom im ORF-Zentrum Wien. Am 2. Mai 2002 bestand der neue Newsroom mit der ersten "Zeit im Bild" aus dem neuen Studio seine Bewährungsprobe. Neben dem neuen, erheblich größeren Studio brachte der Newsroom-Neubau auch einen volldigitalen Regieplatz für die aktuellen TV-Newssendungen sowie die erste Umstellung auf digitale bandlose Bearbeitung im Nachrichtenbereich mit sich. Seit Oktober 2002 ist der neue Gebäudetrakt außerdem die Sendungsheimat der Magazine "Thema", "Report", "Weltjournal" und "€co" sowie der "Newsflashes" auf ORF 1.

Neben den bewährten Leistungen der ORF-Technik im Bereich der TV- und Radioübertragungen, wie z. B. die Berichterstattung vom Formel-1-Grand Prix in Spielberg und die Übertragungen des Festspielsommers, wurde mit der Übertragung der Bewerbe der Mountainbike-WM in Kaprun auch produktionstechnisches Neuland beschritten. Mit großen Herausforderungen ging auch die Berichterstattung über das Hochwasser im August sowie über die Nationalratswahl im November einher.

Mit der organisatorischen Neupositionierung der ORF-Abteilung Informationstechnologie, die vom kaufmännischen Bereich in die Technische Direktion verlagert wurde, konnte der Grundstein für eine umfassende Reorganisation gelegt werden, die die ORF-Technik in die Lage versetzt, eine prozessorientierte Aufbau- und Ablauforganisation umzusetzen. Begleitend zu den Vorarbeiten für eine Reorganisation wurde ein technikweites Projekt zur Unternehmenskultur gestartet, in dem erstmals alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit hatten, die Grundlagen der gemeinsamen Zusammenarbeit zu diskutieren.

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