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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Nirgendwo sicher" (Von Floo Weissmann)
Ausgabe vom 29. November 2002
Innsbruck (OTS) - Nur wenige Wochen nach den Bomben auf Bali der
nächste Schock. Wieder haben Terroristen in einem vermeintlichen
Paradies zugeschlagen. Feige Attentäter haben Hochkonjunktur. Wieder
waren israelische Zivilisten das Ziel, der nah-östliche Horror
verfolgte sie in den Urlaub. Die ständige Bedrohung wird die
Gesellschaft und den so genannten Anti-Terror-Kampf der israelischen
Regierung weiter radikalisieren.
Der Anschlag bestätigt aber auch ein weiteres Mal: Im Zeitalter
globalisierter Krisen und Antworten kann jeder wie zufällig zum Opfer
werden, wenn er sich nur zur falschen Zeit am falschen Ort befindet.
Vermeintliche Sicherheit und Ferne zu Brennpunkten weichen Ohnmacht,
Empörung und Angst. Mit unheimlicher Zerstörungswut bomben
Terroristen ihre Konflikte in fremde Welten, die sie nicht verstehen
und in denen sie nicht verstanden werden. Blinde Brutalität ersetzt
Sprache und Respekt.
Vor nur vier Jahren war Kenia schon einmal Schauplatz einer
solchen Eruption. Der damalige US-Präsident Clinton begnügte sich mit
einigen Raketen auf Ziele in Afghanistan und im Sudan, der Rest der
Welt fühlte sich nicht nachhaltig betroffen. Erst die Anschläge auf
US-Boden am 11. September des Vorjahres haben die Staatengemeinschaft
aufgeschreckt und den Kampf gegen den Terror zum wichtigsten Anliegen
am Beginn des 21. Jahrhunderts gemacht.
Ein gutes Jahr später fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus. Die
Industrieländer verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen und zwangen
das Taliban-Regime militärisch in die Knie. Von vergleichbaren
Anstrengungen auf allen Ebenen - diplomatisch, wirtschaftlich,
kulturell usw. -, die damals angekündigt wurden, war wenig zu sehen.
Schlüssel-Konflikte wie jener im Nahen Osten lodern weiter vor sich
hin. Die arabische Welt wird mit ihren gesellschaftlichen Umbrüchen
alleine gelassen. Die Anti-Terror-Koalition entzweit sich unterdessen
in der Irak-Frage.
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