• 27.11.2002, 12:11:16
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Hans-Peter Dürr: Das Unwahrscheinliche ist in Zukunft nicht unwahrscheinlich

Wien (OTS) - "Wir haben heute das Denken des 19. Jahrhunderts, die
Technik des 20. Jahrhunderts und nun wollen wir das 21. Jahrhundert
mit dem falschen Denken und der richtigen Technik eröffnen", betonte
der deutsche Kernphysiker und Träger des alternativen Nobelpreises,
Hans-Peter Dürr beim 8. Wiener Kulturkongress. Der von der
"Österreichischen Kulturvereinigung" und von "Austria perspektiv -
Ein Institut der Österreichischen Wirtschaft" veranstaltete
Diskussionsabend widmete sich unter dem Titel "Horizonte der
Forschung - An den Grenzen des Menschen" möglichen Zukunftsvisionen
für Forschung, Technik und Gesellschaft.

Obwohl die radikale Veränderung des physikalischen Weltbildes
durch die Entwicklung der Quantentheorie - Dürr sprach in diesem
Zusammenhang auch von der "holistischen Physik" - bereits mehr als 75
Jahre zurückliegt, sei die Menschheit noch immer in der Denkweise der
klassischen Physik mit ihrem mechanistischenWeltbild verhaftet. "Die
Welt ist eine Einheit, eine Nicht-Zweiheit, alles hängt mit allem
zusammen", so Dürr, der betonte, die Spaltung von Mensch und Natur
existiere nur in unserer Vorstellung. Der Mensch befinde sich in
einem kognitiven Gefängnis, da er eine Sprache verwendet, die der
Wirklichkeit nicht angemessen ist. "Wir erleben mehr als wir
begreifen. Unsere Sprache ist am Begreifen aufgebaut und wir
begreifen etwas, das wir fassen können", unterstrich der ehemalige
Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik. Aus der
modernen Physik resultiere die Feststellung, wonach Wirklichkeit im
Grunde keine dingliche Wirklichkeit, sondern Potenzialität ist und
wir nicht in einer materiellen, sondern einer geistigen Welt leben.
Dies bedeute auch, dass alles an der Gestaltung der Zukunft
beteiligt und das Unwahrscheinliche nicht unwahrscheinlich ist. Die
Entstehung des Menschen als Teil der Biosphäre sei das beste
Beispiel dafür, dass das Unwahrscheinliche auch tatsächlich passiert
"Der Traum ist der Anfang einer Verwirklichung, Geist kann formen",
hob Dürr hervor.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion ging Robert Trappl,
Vorstand des Instituts für medizinische Kybernetik und Artificial
Intelligence an der Universität Wien, auf Versuche ein, Emotionen zu
modellieren und in Computerprogrammen abzubilden. Im Zuge von
Forschungen habe sich gezeigt, dass Emotionen das Treffen rationaler
Entscheidungen erleichtern, zu einem rascheren Lernen beitragen,
wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden helfen und die soziale
Interaktion unterstützen. Der Wissenschaftsjournalist Manfred Jochum
sprach in der Folge vom "alten Traum der Wissenschaft" und zitierte
den deutschen Wissenschafter Rademacher: "Wir werden Maschinen mit
Emotionen bauen, wir werden Maschinen bauen, die stolz auf uns sind,
und mit diesen Maschinen kommen wir um den Menschen herum".

Rückfragehinweis:
"Austria perspektiv - Ein Institut der Österreichischen Wirtschaft"
1040 Wien, Wiedner Hauptstraße 73
Tel.: 0664-244 6804,
mailto:[email protected]

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