• 22.11.2002, 10:45:00
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Gesundheitsrisiko Migration

4. Österreichische Präventionstagung, Teil 4 - MigrantInnen häufiger von Armut betroffen und haben schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung

Wien (OTS) - "Migranten und Migrantinnen haben ein doppelt so
hohes Risiko in Armut zu gelangen und ein dreifach höheres Risiko in
Armut zu verbleiben", sagte Mag. Edith Glanzer, Geschäftsführerin des
Vereines ZEBRA in Graz, auf der 4. Präventionstagung des Fonds
Gesundes Österreich. "Ihre Gesundheit wird oft nicht nur durch die
spezifischen Lebensbedingungen gefährdet, sondern häufig auch durch
zusätzliche Stressoren beeinträchtigt: zum Beispiel traumatisierende
Ereignisse im Heimatland, erzwungene Remigration,
Ausweisungsbedrohungen, Diskriminierung, Gewaltandrohungen und
Behördenwillkür."

Rund zehn Prozent der Wohnbevölkerung in Österreich besitzen eine
nichtösterreichische Staatsbürgerschaft. Viele der Zuwandererinnen
und Zuwanderer lassen sich auf Dauer in Österreich nieder und nehmen
auch in zunehmendem Ausmaß Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in
Anspruch. Allerdings ergeben sich dabei auch spezifische
Schwierigkeiten: So zeigen mehrere Studien, dass Ärzte und
Pflegekräfte MigrantInnen als "kulturell fremd" erleben. Trotz des
Anspruchs, ihnen die gleiche Behandlung zukommen zu lassen wie allen
anderen PatientInnen, wird ihre kulturelle Andersartigkeit häufig als
Barriere betrachtet. Auf Seiten der MigrantInnen existieren hingegen
oft besonders hohe Erwartungen an die westliche, technisierte
Medizin, beobachtet die Chefin des Vereins ZEBRA, der Ausländerinnen
und Ausländer sozialmedizinisch, rechtlich und kulturell berät.

Verbesserungspotenziale in den Institutionen

"Um die gesundheitliche Versorgung von Migrantinnen und Migranten
zu verbessern, sollte auf mehreren Ebenen gleichzeitig angesetzt
werden", empfahl Glanzer auf der Präventionstagung. Auf der
individuellen Ebene könne etwa die interkulturelle Kompetenz von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesundheitseinrichtungen
verbessert, und damit deren Know-how für den Umgang mit
eingewanderten KlientInnen erweitert werden.
Maßnahmen auf struktureller Ebene könnten zum Beispiel umfassen, dass
sich Institutionen "interkulturell öffnen", etwa im Personalbereich
oder beim Einholen von Anboten. Auf der Ebene der Vernetzung seien
Projekte zielführend, die darauf abzielten, MultiplikatorInnen aus
der Migrantenbevölkerung selbst im Hinblick auf Leistungen der
Gesundheitsversorgung zu schulen, so Glanzer.

Interkulturelle Gesundheitsförderung

"Migrantinnen und Migranten sind nicht nur in der
Gesundheitsversorgung benachteiligt, sondern auch im Beruf und im
gesamten öffentlichen Leben", sagte Mag. Christine Köhl auf der
Präventionstagung in Wien. Köhl arbeitet für das Gesundheitsamt für
den Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg und ist dort auf den Bereich der
interkulturellen Gesundheitsförderung spezialisiert. Allerdings müsse
die Gruppe der Migranten differenziert betrachtet werden: "Angehörige
der griechischen, iranischen oder spanischen Community in Deutschland
verfügen beispielsweise in aller Regel über ein relativ hohes
Bildungsniveau und einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung",
weiß Köhl.

Zahlreiche Migrantinnen und Migranten hätten jedoch nicht in
ausreichendem Ausmaß Zugang zu gesundheitlichen Leistungen, so die
deutsche Gesundheitsförderin: "Gründe dafür sind unter anderem
sprachliche Schwierigkeiten, mangelnde Information oder die Tatsache,
dass administrative Abläufe nicht verstanden werden." Köhl bietet
deshalb keine "Parallelprojekte" oder "Extra-Dienste" für Migranten
und Migrantinnen an, sondern konzentriert sich darauf,
interkulturelle Gesundheitsförderung als "Querschnittsaufgabe"
umzusetzen: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass möglichst jedes
Projekt der Gesundheitsförderung so zu gestalten, dass auch
Migrantinnen und Migranten daran teilhaben können."

Rückfragehinweis:
Kontakt, Rückfragen, Fotowünsche:
B&K Kommunikation
Mag. Roland Bettschart
Tel.: 01-3194378-18; Fax -20
mailto:[email protected]

Information:
Fonds Gesundes Österreich, Mag. Alexandra Grasl, Öffentlichkeitsarbeit
T. 01/ 89 504 00.
mailto:[email protected]

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