Gesundheitsrisiko Migration

4. Österreichische Präventionstagung, Teil 4 - MigrantInnen häufiger von Armut betroffen und haben schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung

Wien (OTS) - "Migranten und Migrantinnen haben ein doppelt so
hohes Risiko in Armut zu gelangen und ein dreifach höheres Risiko in Armut zu verbleiben", sagte Mag. Edith Glanzer, Geschäftsführerin des Vereines ZEBRA in Graz, auf der 4. Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich. "Ihre Gesundheit wird oft nicht nur durch die spezifischen Lebensbedingungen gefährdet, sondern häufig auch durch zusätzliche Stressoren beeinträchtigt: zum Beispiel traumatisierende Ereignisse im Heimatland, erzwungene Remigration, Ausweisungsbedrohungen, Diskriminierung, Gewaltandrohungen und Behördenwillkür."

Rund zehn Prozent der Wohnbevölkerung in Österreich besitzen eine nichtösterreichische Staatsbürgerschaft. Viele der Zuwandererinnen und Zuwanderer lassen sich auf Dauer in Österreich nieder und nehmen auch in zunehmendem Ausmaß Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Anspruch. Allerdings ergeben sich dabei auch spezifische Schwierigkeiten: So zeigen mehrere Studien, dass Ärzte und Pflegekräfte MigrantInnen als "kulturell fremd" erleben. Trotz des Anspruchs, ihnen die gleiche Behandlung zukommen zu lassen wie allen anderen PatientInnen, wird ihre kulturelle Andersartigkeit häufig als Barriere betrachtet. Auf Seiten der MigrantInnen existieren hingegen oft besonders hohe Erwartungen an die westliche, technisierte Medizin, beobachtet die Chefin des Vereins ZEBRA, der Ausländerinnen und Ausländer sozialmedizinisch, rechtlich und kulturell berät.

Verbesserungspotenziale in den Institutionen

"Um die gesundheitliche Versorgung von Migrantinnen und Migranten zu verbessern, sollte auf mehreren Ebenen gleichzeitig angesetzt werden", empfahl Glanzer auf der Präventionstagung. Auf der individuellen Ebene könne etwa die interkulturelle Kompetenz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesundheitseinrichtungen verbessert, und damit deren Know-how für den Umgang mit eingewanderten KlientInnen erweitert werden.
Maßnahmen auf struktureller Ebene könnten zum Beispiel umfassen, dass sich Institutionen "interkulturell öffnen", etwa im Personalbereich oder beim Einholen von Anboten. Auf der Ebene der Vernetzung seien Projekte zielführend, die darauf abzielten, MultiplikatorInnen aus der Migrantenbevölkerung selbst im Hinblick auf Leistungen der Gesundheitsversorgung zu schulen, so Glanzer.

Interkulturelle Gesundheitsförderung

"Migrantinnen und Migranten sind nicht nur in der Gesundheitsversorgung benachteiligt, sondern auch im Beruf und im gesamten öffentlichen Leben", sagte Mag. Christine Köhl auf der Präventionstagung in Wien. Köhl arbeitet für das Gesundheitsamt für den Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg und ist dort auf den Bereich der interkulturellen Gesundheitsförderung spezialisiert. Allerdings müsse die Gruppe der Migranten differenziert betrachtet werden: "Angehörige der griechischen, iranischen oder spanischen Community in Deutschland verfügen beispielsweise in aller Regel über ein relativ hohes Bildungsniveau und einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung", weiß Köhl.

Zahlreiche Migrantinnen und Migranten hätten jedoch nicht in ausreichendem Ausmaß Zugang zu gesundheitlichen Leistungen, so die deutsche Gesundheitsförderin: "Gründe dafür sind unter anderem sprachliche Schwierigkeiten, mangelnde Information oder die Tatsache, dass administrative Abläufe nicht verstanden werden." Köhl bietet deshalb keine "Parallelprojekte" oder "Extra-Dienste" für Migranten und Migrantinnen an, sondern konzentriert sich darauf, interkulturelle Gesundheitsförderung als "Querschnittsaufgabe" umzusetzen: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass möglichst jedes Projekt der Gesundheitsförderung so zu gestalten, dass auch Migrantinnen und Migranten daran teilhaben können."

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