- 21.11.2002, 09:25:32
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Die kleinen Betriebe haben gezahlt, gezählt haben sie nicht
SORA-Umfrage: Stimmung unter den KMUs ist schlecht
Wien (OTS) - Eine vom Wirtschaftsverband Wien in Auftrag gegebene
Umfrage unter 500 Klein- und Mittelbetrieben hat ergeben, dass deren
Lage als durchaus ernst zu betrachten ist. Die Konjunktursituation
hat negative Auswirkungen auf sie, das Konjunkturprogramm der
Bundesregierung blieb weit gehend unbemerkt, Investitionen bleiben
aus und Kredite werden unleistbar.
"Unsere jüngste Umfrage unter Klein- und Mittelbetriebe hat uns
nicht überrascht. Und man muss sagen: leider. Wie in den vergangenen
drei Jahren ist die Stimmung unter den UnternehmerInnen keineswegs
positiv. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten sieht negative
Auswirkungen der Konjunkturlage für ihren Betrieb. Das Bedenkliche
daran: Fast 90 Prozent (!) sehen keine positiven Auswirkungen des
Konjunkturpakets der Bundesregierung. Das spricht Bände.", so der
Präsident des Wirtschaftsverbandes Wien, GR Fritz Strobl. "So kann es
auch nicht verwundern, dass eine deutliche Mehrheit mit der
Wirtschaftspolitik für kleine und mittlere Unternehmen eher oder sehr
unzufrieden ist. Hier ist ganz offensichtlich eine neue Politik mehr
als gefragt." Dass die KMUs Sorgen haben, zeige sich auch daran, dass
über 70 Prozent mit der Steuer- und Abgabenpolitik unzufrieden sind.
"Bei der höchsten Belastung aller Zeiten wäre jedes andere Ergebnis
eine Überraschung gewesen", so Strobl. Auch die Konjunktur- und
Abgabenpolitik werde mehrheitlich kritisch bis negativ gesehen.
"Umso deutlicher hat unsere Umfrage gezeigt, dass das gewünscht
wird, was wir vom Wirtschaftsverband Wien vehement fordern: die
kleinen und mittleren Betriebe müssen endlich steuerlich entlastet
werden. Der Investitionsfreibetrag, oder, für Unternehmen die einen
solchen in Ermangelung von Gewinnen nicht in Anspruch nehmen können,
eine Investitionsprämie sind ein Gebot der Stunde. In konjunkturell
schwierigen Zeiten ist dadurch gegenzusteuern, dass man den
UnternehmerInnen Anreize bietet zu investieren. Das rechnet sich für
alle."
Eine Einkommenssteuer- und Körperschaftssenkung und steuerliche
Erleichterung für nicht entnommene Gewinne seien gefragt, ebenso wie
eine Senkung der Lohnnebenkosten. Hochinteressant sei, dass die
UnternehmerInnen auch eine Senkung der Lohnsteuer befürworten, die
vordergründig ja den ArbeitnehmerInnen zugute komme. Die KMUs
wüssten, dass höhere Kaufkraft der KonsumentInnen ihnen als ersten
etwas bringe.
"Ganz klar ist auch, dass der Entgeltfortzahlungsfonds wieder
verlangt wird. Seit der Arbeitgeber vom ersten Tag an für krank
gewordene Mitarbeiter zu zahlen hat, während ihm dessen Arbeitskraft
fehlt, sind kleinere Betriebe im Falle von Grippewellen oder
ähnlichem in größte Schwierigkeiten geraten.", unterstreicht Strobl
eine Forderung des Wirtschaftsverbandes.
Nicht verwundern könne auch, dass die KMUs immer größere
Schwierigkeiten damit hätten, zur Überbrückung oder um Investitionen
zu tätigen zu Geldmitteln zu kommen. Die Banken führten ständig
rigoroser werdende Auflagen ein, und wer heute einen Kredit brauche,
zahle entweder sehr hohe Zinsen, oder er brauche Sicherheiten, die
ihm wahrscheinlich nicht gegeben seien. "Sonst wäre kein Kredit
notwendig. Daher verlangen fast zwei Drittel der von uns befragten
Betriebe einen Stabilitätsfonds, der eine Schlechterstellung
kleinerer Unternehmen gegenüber großen verhindert.", führt Strobl
aus.
"Alles in allem ist das ein vernichtendes Zeugnis für die Politik
der Bundesregierung der vergangenen drei Jahre. Die UnternehmerInnen
haben gemerkt, wer hier für welche Klientel gearbeitet hat. Dass die
Milliardäre in Ministerrängen oder der Wirtschaftskammer an die
Klein- und Mittelbetriebe zuletzt oder gar nicht gedacht haben, wird
sich nicht bezahlt machen. Bezahlt wird sich eine neue
Wirtschaftspolitik machen, für das Land und für die große Mehrheit
der UnternehmerInnen."
Die Ergebnisse der SORA-Studie im Detail:
Auf 57% der Wiener KMU hat die derzeitige Konjunkturlage negative
Auswirkungen. 88% der Wiener KMU verspüren keine positiven
Auswirkungen des Konjunkturpakets. Mehr als die Hälfte (56%) der
Klein- und Mittelbetriebe ist mit der Wirtschaftspolitik der
Bundesregierung unzufrieden. 57% der Klein- und Mittelbetriebe ist
mit der Konjunkturpolitik der Bundesregierung unzufrieden. 54% der
Klein- und Mittelbetriebe ist mit der Arbeitsmarktpolitik der
Bundesregierung unzufrieden. Mehr als Zwei Drittel (70%) der Klein-
und Mittelbetriebe ist mit der Steuer- und Abgabenpolitik der
Bundesregierung unzufrieden. Für 88% der KMU in Wien ist eine
Steuererleichterung durch Investitionsfreibeträge bzw. einer
Investitionsprämie wichtig. Für 81% der Wiener Klein- und
Mittelbetriebe ist eine Senkung der Lohnsteuer wichtig. Für 92% der
Wiener Klein- und Mittelbetriebe ist eine Senkung der Lohnnebenkosten
wichtig. 50% der Wiener Klein- und Mittelbetriebe haben immer größere
Probleme Kredite zu bekommen. 66%, also zwei Drittel der KMU, sind
für einen Stabilitätsfonds.
Rückfragehinweis:
Alexander Kriegelstein
Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Wirtschaftsverband Wien
Mariahilferstraße 32
1070 Wien
Tel.: 01 522 47 66 - 12
Fax : 01 526 23 52
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