• 14.11.2002, 10:13:42
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KLARE ZIELE... Gesundheitswissenschafter Professor Horst Noack fordert:

Linz (OTS) - Statt reinem Defizit- und Krisenmanagement solle die
Gesundheitspolitik in Zukunft klare Ziele verfolgen und sich an
fundierten Qualitätsleitbildern orientieren, meint Professor Dr.
Richard Horst Noack, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin an der
Universität Graz in einem Interview in der jüngsten Ausgabe des
Gesundheitsmagazins FORUM GESUNDHEIT. Der renommierte
Gesundheitswissenschafter würde der Prävention eine bedeutendere
Rolle zuweisen. Die neue Ausgabe von FORUM GESUNDHEIT erscheint am
kommenden Montag.

FORUM GESUNDHEIT: "Was stellen Sie sich unter einer modernen
Gesundheitspolitik vor?"

Professor Noack: "Eine moderne Gesundheitspolitik braucht klare
Ziele und wirksame Instrumente. Sie muss mehr gesundheitliche
Chancengleichheit schaffen, die Menschen befähigen und unterstützen,
gesünder zu leben. Und sie muss die gesundheitliche Versorgung
bedarfsgerechter, wirksamer und wirtschaftlicher gestalten. Eine
moderne Gesundheitspolitik muss dafür sorgen, dass nicht nur das
medizinische, sondern ebenso das präventive und gesundheitsfördernde
Wissen wirksam im Gesundheitswesen genutzt wird. Die Finanzierung
sollte sich in wachsendem Umfang an fundierten Qualitätsleitbildern
orientieren."

FORUM GESUNDHEIT: "Welche Möglichkeiten sehen Sie, die
medizinische Versorgung der Bevölkerung auf finanziell sichere Beine
zu stellen?"

Professor Noack: "Es gibt keinen Königsweg. Wichtig wäre es vor
allem, Über- und Fehlversorgung sowie Doppelspurigkeiten abzubauen,
die Budgets an begründeten Zielen zu orientieren, die Versorgung
besser zu koordinieren sowie die Prävention und die
Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern."

FORUM GESUNDHEIT: "Was halten Sie von Selbstbehalten, wie etwa der
Ambulanzgebühr, als Steuerungs- beziehungsweise
Finanzierungsinstrumenten im Gesundheitswesen?"

Professor Noack: "Diese sind für mich ein weiteres Zeichen eines
konzeptlosen Defizitmanagements ohne sichtbare qualitätsverbessernde
Steuerungseffekte."

FORUM GESUNDHEIT: "Wie kann die Verschiebung der Gelder innerhalb der
Krankenkassen, wie sie durch die Zwangsdarlehen gesetzlich
beschlossen wurden, bewertet werden?"

Professor Noack: "Als hilfloses Krisenmanagement mit
wahrscheinlich negativem Steuerungseffekt. Die Besten werden
bestraft!"

FORUM GESUNDHEIT: "Welche Rolle können beziehungsweise sollen die
Krankenkassen in einem modernen Gesundheitswesen spielen?"

Professor Noack: "Sie sollten nicht nur passive Zahler sein,
sondern die Weiterentwicklung und Erneuerung des Gesundheitssystems
aktiv mitgestalten durch bestmögliche Nutzung der Honorierungssysteme
im Sinne einer bedarfsgerechten wirtschaftlichen Versorgung."

FORUM GESUNDHEIT: "In welchen Bereichen sollten sich die
Krankenversicherungsträger stärker profilieren?"

Professor Noack: "Bei der Schaffung von relevantem Wissen durch
systematische Versorgungs- und Evaluationsforschung, bei der
Entwicklung und Erprobung zielorientierter Anreizsysteme, beim Aufbau
einer umfassenden Qualitätsforschung und Qualitätsförderung."

FORUM GESUNDHEIT: Seitens des Hauptverbandes und Teilen der Politik
gibt es starke Zentralisierungstendenzen. Welche Auswirkungen könnte
das auf das Gesundheitswesen haben?

Professor Noack: Eine nachhaltige Schwächung der Verantwortung
regionaler und lokaler Akteure wie auch der innovativen Kräfte im
Gesundheitswesen. Mit anderen Worten: ein Rückschritt.

Rückfragehinweis:
OÖ Gebietskrankenkasse
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (0732) 7807 - 2610

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