KLARE ZIELE... Gesundheitswissenschafter Professor Horst Noack fordert:

Linz (OTS) - Statt reinem Defizit- und Krisenmanagement solle die Gesundheitspolitik in Zukunft klare Ziele verfolgen und sich an fundierten Qualitätsleitbildern orientieren, meint Professor Dr. Richard Horst Noack, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin an der Universität Graz in einem Interview in der jüngsten Ausgabe des Gesundheitsmagazins FORUM GESUNDHEIT. Der renommierte Gesundheitswissenschafter würde der Prävention eine bedeutendere Rolle zuweisen. Die neue Ausgabe von FORUM GESUNDHEIT erscheint am kommenden Montag.

FORUM GESUNDHEIT: "Was stellen Sie sich unter einer modernen Gesundheitspolitik vor?"

Professor Noack: "Eine moderne Gesundheitspolitik braucht klare Ziele und wirksame Instrumente. Sie muss mehr gesundheitliche Chancengleichheit schaffen, die Menschen befähigen und unterstützen, gesünder zu leben. Und sie muss die gesundheitliche Versorgung bedarfsgerechter, wirksamer und wirtschaftlicher gestalten. Eine moderne Gesundheitspolitik muss dafür sorgen, dass nicht nur das medizinische, sondern ebenso das präventive und gesundheitsfördernde Wissen wirksam im Gesundheitswesen genutzt wird. Die Finanzierung sollte sich in wachsendem Umfang an fundierten Qualitätsleitbildern orientieren."

FORUM GESUNDHEIT: "Welche Möglichkeiten sehen Sie, die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf finanziell sichere Beine zu stellen?"

Professor Noack: "Es gibt keinen Königsweg. Wichtig wäre es vor allem, Über- und Fehlversorgung sowie Doppelspurigkeiten abzubauen, die Budgets an begründeten Zielen zu orientieren, die Versorgung besser zu koordinieren sowie die Prävention und die Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern."

FORUM GESUNDHEIT: "Was halten Sie von Selbstbehalten, wie etwa der Ambulanzgebühr, als Steuerungs- beziehungsweise Finanzierungsinstrumenten im Gesundheitswesen?"

Professor Noack: "Diese sind für mich ein weiteres Zeichen eines konzeptlosen Defizitmanagements ohne sichtbare qualitätsverbessernde Steuerungseffekte."

FORUM GESUNDHEIT: "Wie kann die Verschiebung der Gelder innerhalb der Krankenkassen, wie sie durch die Zwangsdarlehen gesetzlich beschlossen wurden, bewertet werden?"

Professor Noack: "Als hilfloses Krisenmanagement mit wahrscheinlich negativem Steuerungseffekt. Die Besten werden bestraft!"

FORUM GESUNDHEIT: "Welche Rolle können beziehungsweise sollen die Krankenkassen in einem modernen Gesundheitswesen spielen?"

Professor Noack: "Sie sollten nicht nur passive Zahler sein, sondern die Weiterentwicklung und Erneuerung des Gesundheitssystems aktiv mitgestalten durch bestmögliche Nutzung der Honorierungssysteme im Sinne einer bedarfsgerechten wirtschaftlichen Versorgung."

FORUM GESUNDHEIT: "In welchen Bereichen sollten sich die Krankenversicherungsträger stärker profilieren?"

Professor Noack: "Bei der Schaffung von relevantem Wissen durch systematische Versorgungs- und Evaluationsforschung, bei der Entwicklung und Erprobung zielorientierter Anreizsysteme, beim Aufbau einer umfassenden Qualitätsforschung und Qualitätsförderung."

FORUM GESUNDHEIT: Seitens des Hauptverbandes und Teilen der Politik gibt es starke Zentralisierungstendenzen. Welche Auswirkungen könnte das auf das Gesundheitswesen haben?

Professor Noack: Eine nachhaltige Schwächung der Verantwortung regionaler und lokaler Akteure wie auch der innovativen Kräfte im Gesundheitswesen. Mit anderen Worten: ein Rückschritt.

Rückfragen & Kontakt:

OÖ Gebietskrankenkasse
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (0732) 7807 - 2610

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GKO0001