- 14.11.2002, 10:00:00
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Die Österreicher haben gewählt und der Auftrag lautet: Mehr Musik, Film, Kunst und Kultur aus Österreich ins ORF-Programm - AUDIO
Wien (OTS) - Zwei von drei Österreichern wünschen sich mehr
Österreichisches - SPÖ- und ÖVP-Wähler votieren am stärksten für mehr
heimische Musik - An die Politik gerichtet: Film- und Musikschaffende
fordern Rahmenbedingungen für die Erfüllung des Kulturauftrages im
öffentlich-rechtlichen Rundfunk - Für ausreichende Finanzierung des
ORF
Das ORF-Musikprogramm im Radio trifft den Geschmack fast der
Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher, das ORF-Filmprogramm
im Fernsehen den eines Drittels.* Ein wesentlicher Faktor der
Unzufriedenheit mit dem ORF-Programm ist das Gefühl, dass in
Österreich Produziertes zu wenig Ausdruck findet. Eine Mehrheit der
Hörer und Seher votiert für mehr österreichische Produktionen im ORF.
Österreichs Musik- und Filmschaffende sprechen sich für eine
Besinnung auf österreichische Identität im ORF-Programm aus. Sie
treten dafür ein, mehr österreichische Produktionen ins Programm zu
nehmen.
* Ergebnisse einer Gallup-Publikumsumfrage zum Film- und
Musikprogramm des ORF, 1.000 Interviews im Zeitraum vom 28. September
bis 7. Oktober 2002, Bevölkerung ab 14 Jahren.
Hörer und Seher wünschen mehr Österreichisches im Programm
Unbehagen herrscht darüber, dass das ORF-Musik- und Filmprogramm
zunehmend den Charakter anderer deutschsprachiger Programme annimmt
und das unverwechselbar Österreichische im Programm zu kurz kommt: 60
Prozent der über 14-jährigen Bevölkerung sind der Meinung, dass der
ORF angesichts der Bedeutung von Kunst und Kultur als
Wirtschaftsfaktor und des in Österreich vorhandenen breiten Spektrums
auch internationaler Künstler mehr Produktionen aus Österreich senden
sollte.
Musik: Besinnung auf Österreichisches
Besonders groß ist die Distanz zwischen Wunsch- und gesendetem
Programm beim Musikprogramm des Rundfunks. 45 Prozent der
Österreicher empfehlen dem ORF, mehr heimische Musik zu senden. Neun
Prozent sind für weniger, 45 Prozent für einen gleich bleibenden
Anteil heimischer Musik im Radio.
Der Bundesländervergleich der Antworten auf diese Frage ergibt,
dass 50 Prozent der Niederösterreicher und Burgenländer, 48 Prozent
der Steirer und Kärntner sowie 45 Prozent der Oberösterreicher und
Salzburger für eine Erhöhung des Anteils heimischer Musik votieren.
In Wien sind es 39 Prozent. In Tirol und Vorarlberg 36 Prozent.
Nach Wählergruppen sprechen sich 49 Prozent der SPÖ-Wähler, 44
Prozent der ÖVP-Wähler und 41 Prozent der FPÖ-Wähler für mehr
heimische Musik im ORF-Radio aus. Von den Grün-Wählern sind hingegen
nur 25 Prozent für mehr Heimisches im ORF-Musikprogramm.
Peter Paul Skrepek, Mitglied des ORF-Publikumsrates, Präsident der
Musikergilde und Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst, Medien und
Freie Berufe sowie Präsident der Plattform "Österreichische Note":
"Kein Wunder, dass das Publikum sich gegen die Amerikanisierung des
ORF-Radios vehement wehrt. Denn in den EU-Ländern werden
durchschnittlich rund 40 Prozent regionale Musik gespielt. In
Österreich beträgt der Anteil nur rund 17 Prozent. Auch der Anteil
von im ORF-Radio gesendeten CDs österreichischer Komponisten sinkt
ständig und lag 2001 bei nur mehr 13,2 Prozent. Eine Besserung ist
nicht in Sicht."
Filmprogramm: Zuwenig österreichische Produktionen
Was das Filmprogramm im ORF betrifft, ist das Votum der
Österreicher ebenso eindeutig: 61 Prozent sagen, es sollten mehr
österreichische Filme gespielt werden. 22 Prozent sind dagegen. 17
Prozent enthalten sich der Stimme.
"Die aktuelle Gallup-Umfrage", so Skrepek, "ist ein deutliches
Votum der Österreicher für mehr Österreichisches im ORF."
Publikumsvotum ernst nehmen
Das Publikum, ergänzt Skrepek, erinnere damit kurz vor den
Parlamentswahlen an seine Rechte als Financier und zahlender Kunde
des öffentlich-rechtlichen ORF. Dies sei ein klarer Auftrag zur
Einhaltung des im ORF-Gesetz verankerten Kulturauftrages. Der
wesentliche Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten
Sendern sei der Auftrag, im ORF heimisches Schaffen in der
Programmgestaltung ausreichend zu berücksichtigen und dem Programm so
eine unverwechselbare österreichische Identität zu verleihen.
Skrepek: "Die Kulturschaffenden wünschen sich einen starken ORF.
Er muss ausreichend ausgestattet sein, um ein unverwechselbares, dem
gesetzlichen Kulturauftrag entsprechendes Programm zu machen. Unsere
Forderung richtet sich daher an die Politik: Egal, welche
Bundesregierung nach dem 24. November 2002 die Verantwortung
übernimmt. Sie hat jedenfalls den Auftrag der Wähler, dem ORF, was
dessen Einnahmenmöglichkeiten betrifft, genügend Mittel zu
verschaffen, damit er seinen Auftrag als öffentlich-rechtlicher
Rundfunk erfüllen kann. Das kann z.B. durch die Zweckbindung der
ORF-Gebühren und die Wiederherstellung des Zustandes vor der
ORF-Reform geschehen."
Filmwirtschaft: Forderungen an die Politik
Dr. Veit Heiduschka, Filmproduzent und stv. Obmann des
Fachverbandes der Audiovisions- und Filmindustrie: "Für die
österreichische Filmindustrie und die österreichischen
Filmschaffenden ist der ORF ein wichtiger Partner. Wir sind bereit,
dem ORF bei einer Ausweitung des "österreichischen" Programmes zur
Seite zu stehen. Wenn die derzeitige Politik fortgesetzt wird, wird
der ORF allerdings wirtschaftlich dazu nicht mehr in der Lage sein."
Die politischen Forderungen der Filmwirtschaft, so Heiduschka
weiter, zielen auf die Stärkung dieses Wirtschaftszweiges und darauf
hin, dem ORF wieder jene Mittel zur Verfügung zu stellen, die es ihm
erlauben, mehr in Österreich zu produzieren, und damit seinem
Kulturauftrag gerecht zu werden: "Wir fordern die Erhöhung der
Filmförderung, den Ersatz der durch die Gebührenbefreiung für den ORF
verlorenen Gelder durch die Politik und die Steuerbefreiung von
Investitionen in Film- und Fernsehproduktionen nach Luxemburger
Modell."
Heiduschka: "Es gibt eine Vielfalt von Möglichkeiten, ohne
Gebührenerhöhung die Einnahmen des ORF zu erhöhen. Allein die
Gebührenbefreiung für einen Teil der Seher kostet den ORF jährlich
bis zu 43,6 Mio. Euro. Die Erstattung dieses Betrages durch die
öffentliche Hand würde Mittel frei machen, die zweckgewidmet in
Auftragsproduktionen des ORF an die Filmindustrie fließen könnten.
Die Einschränkung der Werbemöglichkeiten durch das ORF-Gesetz hat dem
ORF weitere 50 Mio. Euro jährliche Einnahmen genommen. Und die
Bindung der derzeit nicht dem ORF zufließenden Gelder, die der
Konsument unter dem Titel "ORF-Gebühren" bezahlt, macht rund 170 Mio.
Euro aus."
Musikprogramm auf Europa-Standard heben
Dr. Paul Hertel, Vorstandsmitglied der AKM und Mitglied im
Kuratorium des Österreichischen Musikrates, sieht in den Forderungen
der österreichischen Film- und Musikschaffenden eine
volkswirtschaftliche Komponente: "Den Forderungen des Publikums nach
mehr heimischer Musik im Radio nachzugeben, zieht einen
Beschäftigungseffekt nach sich, den die österreichische
Volkswirtschaft dringend braucht. Bei einer Hebung des Anteils
heimischer Musik von derzeit 17 Prozent auf den europäischen Standard
von 40 Prozent würden volkswirtschaftlich 15 Mrd. Schilling mehr
Wertschöpfung in Österreich entstehen. Unserer Meinung nach kann man
darauf nicht verzichten." Im übrigen ist - wie die heute vorgestellte
Gallup-Umfrage gezeigt hat - ein höherer Anteil österreichischer
Produktionen ja auch im Sinne des Publikums.
Prof. Mag. Kurt Brazda, Vorstandsmitglied im Verband der
Österreichischen Filmschaffenden und Vorsitzender des Verbandes
Österreichischer Kameraleute, abschließend: "Öffentlich-rechtlich ist
Verpflichtung und Privileg in einem. Unserer Meinung nach hat die
Politik den ORF durch die Beschneidung seiner finanziellen Mittel in
jüngster Vergangenheit behindert, nicht gefördert. Für ein
unverwechselbar österreichisches Programm braucht der ORF Mittel, die
ihm vom Gesetzgeber wieder zur Verfügung gestellt werden müssen.
Darüber hinaus ist ein authentischer ORF - also ein stärker
Österreich orientiertes Programm - auch für die Werbewirtschaft
attraktiver."
Audio(s) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Audio
Service, sowie im OTS Audioarchiv unter http://audio.ots.at
Rückfragehinweis:
Peter Paul Skrepek
c/o Musiker-Komponisten-Autorengilde
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Tel: +43-1-544 55 99
Fax: +43-1-545 65 10
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