Die Österreicher haben gewählt und der Auftrag lautet: Mehr Musik, Film, Kunst und Kultur aus Österreich ins ORF-Programm

Wien (OTS) - Zwei von drei Österreichern wünschen sich mehr Österreichisches - SPÖ- und ÖVP-Wähler votieren am stärksten für mehr heimische Musik - An die Politik gerichtet: Film- und Musikschaffende fordern Rahmenbedingungen für die Erfüllung des Kulturauftrages im öffentlich-rechtlichen Rundfunk - Für ausreichende Finanzierung des ORF

Das ORF-Musikprogramm im Radio trifft den Geschmack fast der Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher, das ORF-Filmprogramm im Fernsehen den eines Drittels.* Ein wesentlicher Faktor der Unzufriedenheit mit dem ORF-Programm ist das Gefühl, dass in Österreich Produziertes zu wenig Ausdruck findet. Eine Mehrheit der Hörer und Seher votiert für mehr österreichische Produktionen im ORF. Österreichs Musik- und Filmschaffende sprechen sich für eine Besinnung auf österreichische Identität im ORF-Programm aus. Sie treten dafür ein, mehr österreichische Produktionen ins Programm zu nehmen.

* Ergebnisse einer Gallup-Publikumsumfrage zum Film- und Musikprogramm des ORF, 1.000 Interviews im Zeitraum vom 28. September bis 7. Oktober 2002, Bevölkerung ab 14 Jahren.
Hörer und Seher wünschen mehr Österreichisches im Programm

Unbehagen herrscht darüber, dass das ORF-Musik- und Filmprogramm zunehmend den Charakter anderer deutschsprachiger Programme annimmt und das unverwechselbar Österreichische im Programm zu kurz kommt: 60 Prozent der über 14-jährigen Bevölkerung sind der Meinung, dass der ORF angesichts der Bedeutung von Kunst und Kultur als Wirtschaftsfaktor und des in Österreich vorhandenen breiten Spektrums auch internationaler Künstler mehr Produktionen aus Österreich senden sollte.

Musik: Besinnung auf Österreichisches

Besonders groß ist die Distanz zwischen Wunsch- und gesendetem Programm beim Musikprogramm des Rundfunks. 45 Prozent der Österreicher empfehlen dem ORF, mehr heimische Musik zu senden. Neun Prozent sind für weniger, 45 Prozent für einen gleich bleibenden Anteil heimischer Musik im Radio.

Der Bundesländervergleich der Antworten auf diese Frage ergibt, dass 50 Prozent der Niederösterreicher und Burgenländer, 48 Prozent der Steirer und Kärntner sowie 45 Prozent der Oberösterreicher und Salzburger für eine Erhöhung des Anteils heimischer Musik votieren. In Wien sind es 39 Prozent. In Tirol und Vorarlberg 36 Prozent.

Nach Wählergruppen sprechen sich 49 Prozent der SPÖ-Wähler, 44 Prozent der ÖVP-Wähler und 41 Prozent der FPÖ-Wähler für mehr heimische Musik im ORF-Radio aus. Von den Grün-Wählern sind hingegen nur 25 Prozent für mehr Heimisches im ORF-Musikprogramm.

Peter Paul Skrepek, Mitglied des ORF-Publikumsrates, Präsident der Musikergilde und Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst, Medien und Freie Berufe sowie Präsident der Plattform "Österreichische Note":
"Kein Wunder, dass das Publikum sich gegen die Amerikanisierung des ORF-Radios vehement wehrt. Denn in den EU-Ländern werden durchschnittlich rund 40 Prozent regionale Musik gespielt. In Österreich beträgt der Anteil nur rund 17 Prozent. Auch der Anteil von im ORF-Radio gesendeten CDs österreichischer Komponisten sinkt ständig und lag 2001 bei nur mehr 13,2 Prozent. Eine Besserung ist nicht in Sicht."

Filmprogramm: Zuwenig österreichische Produktionen

Was das Filmprogramm im ORF betrifft, ist das Votum der Österreicher ebenso eindeutig: 61 Prozent sagen, es sollten mehr österreichische Filme gespielt werden. 22 Prozent sind dagegen. 17 Prozent enthalten sich der Stimme.

"Die aktuelle Gallup-Umfrage", so Skrepek, "ist ein deutliches Votum der Österreicher für mehr Österreichisches im ORF."

Publikumsvotum ernst nehmen

Das Publikum, ergänzt Skrepek, erinnere damit kurz vor den Parlamentswahlen an seine Rechte als Financier und zahlender Kunde des öffentlich-rechtlichen ORF. Dies sei ein klarer Auftrag zur Einhaltung des im ORF-Gesetz verankerten Kulturauftrages. Der wesentliche Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern sei der Auftrag, im ORF heimisches Schaffen in der Programmgestaltung ausreichend zu berücksichtigen und dem Programm so eine unverwechselbare österreichische Identität zu verleihen.

Skrepek: "Die Kulturschaffenden wünschen sich einen starken ORF. Er muss ausreichend ausgestattet sein, um ein unverwechselbares, dem gesetzlichen Kulturauftrag entsprechendes Programm zu machen. Unsere Forderung richtet sich daher an die Politik: Egal, welche Bundesregierung nach dem 24. November 2002 die Verantwortung übernimmt. Sie hat jedenfalls den Auftrag der Wähler, dem ORF, was dessen Einnahmenmöglichkeiten betrifft, genügend Mittel zu verschaffen, damit er seinen Auftrag als öffentlich-rechtlicher Rundfunk erfüllen kann. Das kann z.B. durch die Zweckbindung der ORF-Gebühren und die Wiederherstellung des Zustandes vor der ORF-Reform geschehen."

Filmwirtschaft: Forderungen an die Politik

Dr. Veit Heiduschka, Filmproduzent und stv. Obmann des Fachverbandes der Audiovisions- und Filmindustrie: "Für die österreichische Filmindustrie und die österreichischen Filmschaffenden ist der ORF ein wichtiger Partner. Wir sind bereit, dem ORF bei einer Ausweitung des "österreichischen" Programmes zur Seite zu stehen. Wenn die derzeitige Politik fortgesetzt wird, wird der ORF allerdings wirtschaftlich dazu nicht mehr in der Lage sein."

Die politischen Forderungen der Filmwirtschaft, so Heiduschka weiter, zielen auf die Stärkung dieses Wirtschaftszweiges und darauf hin, dem ORF wieder jene Mittel zur Verfügung zu stellen, die es ihm erlauben, mehr in Österreich zu produzieren, und damit seinem Kulturauftrag gerecht zu werden: "Wir fordern die Erhöhung der Filmförderung, den Ersatz der durch die Gebührenbefreiung für den ORF verlorenen Gelder durch die Politik und die Steuerbefreiung von Investitionen in Film- und Fernsehproduktionen nach Luxemburger Modell."

Heiduschka: "Es gibt eine Vielfalt von Möglichkeiten, ohne Gebührenerhöhung die Einnahmen des ORF zu erhöhen. Allein die Gebührenbefreiung für einen Teil der Seher kostet den ORF jährlich bis zu 43,6 Mio. Euro. Die Erstattung dieses Betrages durch die öffentliche Hand würde Mittel frei machen, die zweckgewidmet in Auftragsproduktionen des ORF an die Filmindustrie fließen könnten. Die Einschränkung der Werbemöglichkeiten durch das ORF-Gesetz hat dem ORF weitere 50 Mio. Euro jährliche Einnahmen genommen. Und die Bindung der derzeit nicht dem ORF zufließenden Gelder, die der Konsument unter dem Titel "ORF-Gebühren" bezahlt, macht rund 170 Mio. Euro aus."

Musikprogramm auf Europa-Standard heben

Dr. Paul Hertel, Vorstandsmitglied der AKM und Mitglied im Kuratorium des Österreichischen Musikrates, sieht in den Forderungen der österreichischen Film- und Musikschaffenden eine volkswirtschaftliche Komponente: "Den Forderungen des Publikums nach mehr heimischer Musik im Radio nachzugeben, zieht einen Beschäftigungseffekt nach sich, den die österreichische Volkswirtschaft dringend braucht. Bei einer Hebung des Anteils heimischer Musik von derzeit 17 Prozent auf den europäischen Standard von 40 Prozent würden volkswirtschaftlich 15 Mrd. Schilling mehr Wertschöpfung in Österreich entstehen. Unserer Meinung nach kann man darauf nicht verzichten." Im übrigen ist - wie die heute vorgestellte Gallup-Umfrage gezeigt hat - ein höherer Anteil österreichischer Produktionen ja auch im Sinne des Publikums.

Prof. Mag. Kurt Brazda, Vorstandsmitglied im Verband der Österreichischen Filmschaffenden und Vorsitzender des Verbandes Österreichischer Kameraleute, abschließend: "Öffentlich-rechtlich ist Verpflichtung und Privileg in einem. Unserer Meinung nach hat die Politik den ORF durch die Beschneidung seiner finanziellen Mittel in jüngster Vergangenheit behindert, nicht gefördert. Für ein unverwechselbar österreichisches Programm braucht der ORF Mittel, die ihm vom Gesetzgeber wieder zur Verfügung gestellt werden müssen. Darüber hinaus ist ein authentischer ORF - also ein stärker Österreich orientiertes Programm - auch für die Werbewirtschaft attraktiver."

Audio(s) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Audio Service, sowie im OTS Audioarchiv unter http://audio.ots.at

Rückfragen & Kontakt:

Pressebetreuung:
Dr. Viktor Bauer Public Relations
A-1190 Wien, Aslangasse 93
Tel: +43-1-320 95 45
Fax: +43-1-320 95 45 - 12
public.relations@viktorbauer.com

Peter Paul Skrepek
c/o Musiker-Komponisten-Autorengilde
A-1050 Wien, Gartengasse 22
Tel: +43-1-544 55 99
Fax: +43-1-545 65 10
Mobil: +43- 676 62 72 956
info@musikergilde.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0001