• 13.11.2002, 11:58:38
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Österreichs Spediteure sind Gradmesser bei Konjunkturentwicklung

Neue Gespräche mit ÖBB zur Mengenverlagerung auf die Schiene

Wien (OTS) - Die Spedition ist im Transport- und Logistikbereich
weiterhin sehr innovativ unterwegs und wird von Handel und Industrie
immer mehr als gleichberechtigter Partner zur Optimierung der Supply
Chains angesehen. Wie die Präsidentin des Zentralverbandes Spedition
& Logistik, Heidegunde Senger-Weiss, heute vor Journalisten in Wien
betonte, hat die Spedition mengenmäßig im Jahr 2002 - so wie die
gesamte österreichische Wirtschaft - unter der Konjunkturschwäche
gelitten. Am stärksten sind die Einbrüche im Verkehr mit Deutschland.
Dort ist die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin schlecht. In
Österreich steigen die Mengen im 4. Quartal wieder leicht an, die
Nachhaltigkeit dieser Entwicklung könne aber noch nicht beurteilt
werden.

Zum vielfach kommentierten Thema "Von der Straße auf die Schiene"
stellte die Sprecherin der privaten Spediteure klar: "Die Spedition
arbeitet grundsätzlich verkehrsträgerneutral und kooperiert sowohl
mit Schiene als auch Straße, Fluggesellschaften und Reedereien. Die
ÖBB fungieren in einer Doppelfunktion als Kooperationspartner und als
Wettbewerber. In jüngster Zeit gibt es wieder mehr
Kooperationsgespräche auch auf höchster Ebene zwischen dem Präsidium
des Zentralverbandes und dem ÖBB-Vorstand in beiderseitigem
Interesse. Ziel ist, gemeinsam sinnvoll verlagerbare Mengen der
Schiene zuzuführen."

Road Pricing: Durchschnittsrechnung stimmt nicht

Die allgemein in der Öffentlichkeit behauptete
Durchschnittsrechnung von EUR 0,22 im Vergleich mit Deutschlands EUR
0,15 stimmt aus folgenden Gründen NICHT: Kleinere LKW bis 12 Tonnen
zahlen in Deutschland gar nichts, in Österreich werden sie in die
Durchschnittsberechnung einbezogen, was im Vergleich falsch ist. Im
Gegenteil, da dadurch die Vor- und Nachläufe auch noch Road Pricing
zahlen, wirken sie im Schnitt für Transporte auf mittlere und lange
Distanzen über die EUR 0,273 hinaus noch zusätzlich verteuernd.

Weiters sind die Rabatte in Deutschland für ökologische LKW in der
Vergleichsrechnung nicht herangezogen, de facto ist für diese LKW in
Deutschland der Schnitt EUR 0,12. In Österreich gibt es keine Rabatte
für ökologische LKW, obwohl wir durch die Ökopunkteregelung
diesbezüglich bereits Erfahrung hätten und Österreichs
Güterbeförderer und Spediteure entsprechend investiert haben.

Österreich doppelt so teuer

Senger-Weiss resümiert im Namen der Branche: "Road Pricing ist in
Österreich in etwa DOPPELT SO TEUER wie in Deutschland, Frankreich
und Italien! Dies verschlechtert unsere Wettbewerbssituation und
forciert Standortverlagerungen von transportkostenintensiven
Industrien. Und: Österreich hat im Unterschied zur Schweiz noch einen
hohen Anteil an Grundstoffindustrie."

Verteuerung der Scheitelmauten

Spätestens mit Einführung des Road Pricing werden auch die Mauten
am Phyrn, Tauern und Arlberg insbesondere für die Anrainer wesentlich
teurer, da die bisherigen Vielfahrerbegünstigungen fallen. Die
leichte Verbilligung der Einzelkarten hat für die heimische
Wirtschaft wenig Auswirkung. Dennoch ist die Behauptung, dass
Österreich der billigste Alpenübergang sei, irreführend. Richtig ist,
dass die Brennerstrecke durch Österreich ca. 100 km, die
Gotthard-Strecke durch die Schweiz ca. 300 km lang ist, da ist
Österreich natürlich wesentlich billiger.

Vor- und Nachteile durch EU-Erweiterung

"Der Countdown für die EU-Osterweiterung 2004 läuft und ist
politisch sehr zu begrüßen! Für Österreichs Speditionen bedeutet dies
einerseits neue Chancen durch verstärkten Handelsaustausch."
Andererseits warnt die ZV-Präsidentin speziell in der
Umstellungsphase unserer Nachbarländer vor gravierenden Nachteilen:

1. durch den schlagartigen Wegfall des Verzollungsgeschäftes an den
Ostgrenzen und für Ost-Ex- und Importe. Dies wird Arbeitsplätze und
Wertschöpfung kosten! Wir haben dies bereits in wesentlich stärkerem
Ausmaß - 1995 anlässlich des EU Beitritts Österreichs - erlebt.
Damals wurde eine Arbeitsstiftung für betroffene Mitarbeiter
gegründet, die von den Speditionsfirmen, den Mitarbeitern, dem Staat
Österreich und der EU finanziert wurde und sehr erfolgreich
Umschulungsmaßnahmen für 1.200 betroffene Mitarbeiter durchgeführt
hat. Diesmal werden weniger Speditionsmitar-beiter betroffen sein (in
etwa ein Viertel der damaligen Anzahl), aber auch dies wird für
Firmen und vor allem für die betroffenen Zolldeklaranten schmerzlich
sein.

2. durch die mögliche Abwanderung der logistischen
Drehschreibenfunktion für EU Ostexporte von Wien nach Budapest, das
sich auf diese Aufgabe durch Verkehrs-infrastrukturmaßnahmen bereits
intensiv vorbereitet.

3. durch das Risiko der Verlagerung von LKW-Transporten von
österreichischen Firmen auf ungarische, tschechische, slowakische und
slowenische, da diese mit dem Datum der EU-Erweiterung voll
liberalisiert innerhalb der EU transportieren dürfen (Ausnahme:
nationale Kabotage innerhalb Österreichs). Aufgrund des Wegfallens
der bisherigen Fahrtkontingente und der wesentlich niedrigeren
Lohnkosten ist mit einer Verlagerung von österreichischen LKW auf
solche der Nachbarländer zu rechnen. Auch österreichische
Unternehmungen werden diese Möglichkeit durch Etablierung von
Tochterfirmen in den Neo-EU-Ländern nützen müssen. Damit werden
Arbeitsplätze in Österreich verloren gehen, ohne dass aber die
Straßen in Österreich entlastet würden. Je höher Kraftfahrzeugsteuern
u.ä. Abgaben in Österreich sind (derzeit 6 mal so hoch wie in
Ungarn), desto stärker wird diese Sogwirkung.

Nachtfahrverbot Tirol

Diese Maßnahme trifft die Tiroler Wirtschaft empfindlich durch
Verschlechterung der Lieferzeiten und Verspätung von Anlieferungen.
Die Tiroler Speditionen haben durch vermehrte Überstunden,
Arbeitshektik, Samstagarbeit und zusätzlichen LKW Einsatz in der
Fläche - also durch wesentliche Kostenverteuerungen - versucht, diese
negativen Auswirkungen für Handel, Industrie und Konsumenten zu
reduzieren.

Für die Tiroler Bevölkerung ist es ebenfalls negativ, da der
Verkehr zu den Tagesrandzeiten wesentlich zugenommen hat. Die
Begründung für das Nachtfahrverbot war, dass im Jahr 1999 - also in
den letzten 3 Jahren ein einziges Mal - ein überhöhter Immissionswert
an einer Messstelle im Unterinntal gemessen wurde! Der Transitverkehr
ist vom Tiroler Nachtfahrverbot viel geringer betroffen, da durch die
doppelt so teure Brenner Nachtmaut nur noch wenige LKW in der Nacht
über den Brenner gefahren sind. Die ASFINAG kann nun allerdings nicht
mehr die teure Nachtmaut von den Ausländern kassieren, wobei
besonders dringende Transporte notgedrungen über die Tauernstrecke
ausweichen müssen. Der ZV und insbesondere die WKÖ bemühen sich -
auch auf gerichtlichem Weg -, dieses die heimische Wirtschaft
schädigende Nachtfahrverbot wieder wegzubekommen. Bis dahin müssen
wir die Arbeitserschwernisse aber in Kauf nehmen und werden gezwungen
sein, diese auch in unsere Preise einzurechnen.

Weitere Informationen: http://www.spediteure-logistik.at

Rückfragehinweis:
Pressestelle Zentralverband Spedition & Logistik
c/o Melzer PR Group, A-1010 Wien
Tel.: (01) 526 89 08-0
mailto:office@melzer-pr.com
http://www.melzer-pr.com

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