• 10.11.2002, 17:52:33
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Schönborn: Österreich braucht "Werte-Solidarität"

Vorsitzender der Bischofskonferenz ruft in TV-Interview zur Beteiligung an den bevorstehenden Nationalratswahlen auf - Zum interreligiösen Dialog gibt es keine Alternative

Wien (OTS) - Für die Bildung der neuen Bundesregierung nach den
Wahlen und die künftige Entwicklung Österreichs wünsche er sich in
erster Linie eine "Werte-Solidarität", betonte Kardinal Christoph
Schönborn am Sonntag im ORF-TV-Magazin "Orientierung". Wörtlich sagte
der Vorsitzende der Bischofskonferenz: "Wir brauchen eine Reihe von
Grundwerten, ohne die eine Demokratie nicht existieren kann. Diese
Werte müssen auch zwischen den Parteien außer Streit stehen".

Kardinal Schönborn nannte insbesondere vier Werte, die auch bei
der Herbstsession der Bischofskonferenz sehr stark angesprochen
worden seien: Familie ("es muss für alle Parteien klar sein, dass
Familienpolitik Priorität für die Zukunft unseres Landes hat"),
Solidarität ("in der Österreichs Menschen groß sind, wie sich in der
Entwicklungs-, Flüchtlings- und Katastrophenhilfe zeigt"), Europa,
Schutz des Lebens in allen seinen Phasen. Im Hinblick auf die
Nationalratswahlen wiederholte der Kardinal sein Anliegen, dass
möglichst viele Menschen zur Wahl gehen und dadurch die "Möglichkeit
und Pflicht zur demokratischen Mitbestimmung" wahrnehmen.

In Hinblick auf die Ergebnisse der Volkszählung, die einen
Rückgang der Katholikenzahlen in den letzten zehn Jahren aufweisen,
erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass diese Entwicklung auch mit
der "Bindungsscheu" des modernen "Freiheitskünstlers" zusammenhängt.
Dies zeige sich auch in der Scheu, eine Ehe zu schließen oder einen
geistlichen Beruf zu ergreifen. Der Wiener Pastoraltheologe Paul
Zulehner habe aber auch nachgewiesen, dass die Bindungsschwäche auch
"Unbehaustheit" schafft. Es sei daher nicht verwunderlich, dass es
auch einen Trend hin zur Kirche gebe und die Eintrittszahlen langsam,
aber kontinuierlich seit 15 Jahren ansteigen.

Der interreligiöse Dialog sei diesmal kein ausdrückliches Thema
der Bischofskonferenz gewesen, teilte der Kardinal mit. Dieser Dialog
sei aber ein Dauerthema. Beim Dialog etwa mit dem Islam müssten ganz
offen "Schwierigkeiten benannt" werden, andererseits müsse man aber
auch betonen, dass die Religionen weltweit zusammenleben müssen.
Wörtlich betonte der Vorsitzende der Österreichischen
Bischofskonferenz: "Es gibt keinen anderen Weg als das Miteinander,
in Ehrlichkeit, aber auch in Solidarität, denn die
Religionsgemeinschaften haben gemeinsame Aufgaben in dieser Welt".

Rückfragehinweis:
Kathpress
(Katholische Presseagentur)
CR Erich Leitenberger
Tel.: +43 1 512 52 83

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