Schönborn: Österreich braucht "Werte-Solidarität"

Vorsitzender der Bischofskonferenz ruft in TV-Interview zur Beteiligung an den bevorstehenden Nationalratswahlen auf - Zum interreligiösen Dialog gibt es keine Alternative

Wien (OTS) - Für die Bildung der neuen Bundesregierung nach den Wahlen und die künftige Entwicklung Österreichs wünsche er sich in erster Linie eine "Werte-Solidarität", betonte Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag im ORF-TV-Magazin "Orientierung". Wörtlich sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz: "Wir brauchen eine Reihe von Grundwerten, ohne die eine Demokratie nicht existieren kann. Diese Werte müssen auch zwischen den Parteien außer Streit stehen".

Kardinal Schönborn nannte insbesondere vier Werte, die auch bei der Herbstsession der Bischofskonferenz sehr stark angesprochen worden seien: Familie ("es muss für alle Parteien klar sein, dass Familienpolitik Priorität für die Zukunft unseres Landes hat"), Solidarität ("in der Österreichs Menschen groß sind, wie sich in der Entwicklungs-, Flüchtlings- und Katastrophenhilfe zeigt"), Europa, Schutz des Lebens in allen seinen Phasen. Im Hinblick auf die Nationalratswahlen wiederholte der Kardinal sein Anliegen, dass möglichst viele Menschen zur Wahl gehen und dadurch die "Möglichkeit und Pflicht zur demokratischen Mitbestimmung" wahrnehmen.

In Hinblick auf die Ergebnisse der Volkszählung, die einen Rückgang der Katholikenzahlen in den letzten zehn Jahren aufweisen, erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass diese Entwicklung auch mit der "Bindungsscheu" des modernen "Freiheitskünstlers" zusammenhängt. Dies zeige sich auch in der Scheu, eine Ehe zu schließen oder einen geistlichen Beruf zu ergreifen. Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner habe aber auch nachgewiesen, dass die Bindungsschwäche auch "Unbehaustheit" schafft. Es sei daher nicht verwunderlich, dass es auch einen Trend hin zur Kirche gebe und die Eintrittszahlen langsam, aber kontinuierlich seit 15 Jahren ansteigen.

Der interreligiöse Dialog sei diesmal kein ausdrückliches Thema der Bischofskonferenz gewesen, teilte der Kardinal mit. Dieser Dialog sei aber ein Dauerthema. Beim Dialog etwa mit dem Islam müssten ganz offen "Schwierigkeiten benannt" werden, andererseits müsse man aber auch betonen, dass die Religionen weltweit zusammenleben müssen. Wörtlich betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: "Es gibt keinen anderen Weg als das Miteinander, in Ehrlichkeit, aber auch in Solidarität, denn die Religionsgemeinschaften haben gemeinsame Aufgaben in dieser Welt".

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