- 09.11.2002, 08:00:00
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"profil": Ari Rath: "Natürlich ist Haider ein Antisemit"
Israelischer Publizist Ari Rath: "Haider bedient sich antisemitischer Klischees." - Warnung vor Neuauflage von Schwarz-blau
Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" übt der israelische
Publizist Ari Rath, langjähriger Herausgeber und Chefredakteur der
"Jerusalem Post", harte Kritik an Jörg Haider. "Natürlich ist Haider
ein Antisemit, wenn er sich eines klassischen antisemitischen
Klischees bedient. Die Ostküste ist ein Synonym fürs Weltjudentum.
Haider hat mit verharmlosenden Sprüchen übers Dritte Reich ähnliche
Gefühle ausgenützt. Er hat nichts dazugelernt."
Rath, gebürtiger Wiener, der 1938 nach Palästina flüchtete, warnt
vor einer Neuauflage einer scharz-blauen Koalition, die "gefährlich"
sein würde. Haider sei nun "beleidigt und böse". "Er hat Schüssel die
Macht erteilt und die Macht selbst nicht bekommen. Man kann gute
Politik nicht mit Hass führen. Haider trägt zuviel Hass mit sich.
Manchmal auf sich selbst, auf die eigenen Kollegen, auf verschiedene
Minderheiten. Auf die Dauer geht das in einer Demokratie nicht gut".
Rath kritsiert im "profil"-Interview aber die Entscheidung der
israelischen Regierung, den Botschafter aus Protest gegen die
Regierungsbeteiligung der FPÖ 2000 aus Wien abgezogen zu haben. "Ich
erinnere daran, dass Israel Anfang 1956 diplomatische Beziehungen mit
Österreich ohne jegliche Bedenken einging. Der junge Staat Israel hat
der Zweiten Republik also schon Mitte der fünfziger Jahre einen
pauschalen Persilschein gegeben."
Die unter der ÖVP-FPÖ-Regierung erfolgte Entschädigung von
NS-Opfern und Zwangsarbeitern begrüßt Rath: "Das war ein geschickter
und gescheiter Zug von Schüssel".
Düster fallen Raths Prognosen für die Neuwahlen in Israel aus.
Diese werden im Februar 2003 stattfinden,"wenn es vielleicht einen
US-irakischen Krieg gibt".
"Es besteht die Gefahr, dass es nach den Neuwahlen zu einer ganz
rechten Regierung kommt, die dann nicht nur de facto sondern de jure
die Oslo-Verträge einfach abschaffen wird. Dann sind wir 30 bis 40
Jahre zurückgeworfen."
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 2501 und 2502
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