Neu: Buch über berühmte Wiener Gräber

Wien (OTS) - Das Aufsuchen von Gräbern berühmter Persönlichkeiten ist eigentlich nichts Neues: Bereits zur vorletzten Jahrhundertwende kursierten in Wien ähnlich geartete Gräberführer, die allesamt mit dem nekrophilen Kitzel ehemaliger Berühmtheiten spielten. Ob Kammeropersängerin, Politiker oder etwa Burgtheater-Schauspieler: Die über den Tod hinausreichende Anhänglichkeit des Wiener Publikums war schon seinerzeit legendär. So gesehen stellt Clemens M. Grubers neuer Grab-Führer keine eigentliche Besonderheit dar, vielmehr schließt er eine Lücke im posthumen "Who is who" der Wiener Stadtgeschichte.

Sonderliche literarische Ansprüche an einen solchen Typus von Buch zu stellen wäre freilich übertrieben und fehl am Platze. Führer, seien es Wander-, Stadt- oder eben Grabführer, sollen zu allererst kompakt informieren und rasche Orientierung bieten. Daran sind sie zu messen, hier liegt ihre Qualität begründet. Grubers Führer zu berühmten Gräbern in Wien kommt diesen Kriterien nicht allzu nahe. Seine Auflistung prominenter Persönlichkeiten gerät nur allzu oft zu einem assoziativen Wort-Rap. Warum etwa der Lebenslauf von Hans Hölzel, vulgo Falco erstaunlich breit geraten ist, die Biographien anderer, etwa von Hans Weigel oder Johannes Brahms deutlich kurz ausgefallen sind, bleibt verwunderlich. Die Einleitung, die vor allem Raum für eine profunde Auseinandersetzung mit dem Begriff "Wiener Berühmtheit" hätte bieten können, gerät zu einem anerkennenswerten Memento für all diejenigen berühmten Wiener, die 1938 ins Exil gedrängt wurden, eine Erwähnung, der man sicherlich nichts vorwerfen kann, andererseits aber die vergebene Möglichkeit um eine tiefergehende Auseinandersetzung nicht überdecken kann. Auch die grafische Aufbereitung der einzelnen Friedhöfe will nicht so recht begeistern. So etwa wurde darauf vergessen, die Namensnennung der jeweiligen Friedhöfe besonders zu kennzeichnen, eine grafische Unterlassung, die das Nützen des Buches durchaus beschwerlicher macht, als es sein müsste. Positiv zu vermerken ist die Mithereinnahme diverser bekannter Friedhöfe aus der Umgebung Wiens.

Was bleibt also? Clemens M. Grubers Friedhofsführer reiht sich ein in einen großen Bestand an Viennensia-Erscheinungen, deren Sinnhaftigkeit eher in einer charmanten bis skurrilen Stadt-Liebe liegt, als im Bestreben Neues zu wagen.

Clemens M. Gruber: Berühmte Gräber in Wien. Von der Kapuzinergruft bis zum Zentralfriedhof. Erschienen im Böhlau-Verlag, Wien 2002, EUR 19,90 (Schluss) hch/

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