- 31.10.2002, 09:43:30
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Neu: Buch über berühmte Wiener Gräber
Wien (OTS) - Das Aufsuchen von Gräbern berühmter Persönlichkeiten
ist eigentlich nichts Neues: Bereits zur vorletzten Jahrhundertwende
kursierten in Wien ähnlich geartete Gräberführer, die allesamt mit
dem nekrophilen Kitzel ehemaliger Berühmtheiten spielten. Ob
Kammeropersängerin, Politiker oder etwa Burgtheater-Schauspieler: Die
über den Tod hinausreichende Anhänglichkeit des Wiener Publikums war
schon seinerzeit legendär. So gesehen stellt Clemens M. Grubers neuer
Grab-Führer keine eigentliche Besonderheit dar, vielmehr schließt er
eine Lücke im posthumen "Who is who" der Wiener Stadtgeschichte.
Sonderliche literarische Ansprüche an einen solchen Typus von
Buch zu stellen wäre freilich übertrieben und fehl am Platze. Führer,
seien es Wander-, Stadt- oder eben Grabführer, sollen zu allererst
kompakt informieren und rasche Orientierung bieten. Daran sind sie zu
messen, hier liegt ihre Qualität begründet. Grubers Führer zu
berühmten Gräbern in Wien kommt diesen Kriterien nicht allzu nahe.
Seine Auflistung prominenter Persönlichkeiten gerät nur allzu oft zu
einem assoziativen Wort-Rap. Warum etwa der Lebenslauf von Hans
Hölzel, vulgo Falco erstaunlich breit geraten ist, die Biographien
anderer, etwa von Hans Weigel oder Johannes Brahms deutlich kurz
ausgefallen sind, bleibt verwunderlich. Die Einleitung, die vor allem
Raum für eine profunde Auseinandersetzung mit dem Begriff "Wiener
Berühmtheit" hätte bieten können, gerät zu einem anerkennenswerten
Memento für all diejenigen berühmten Wiener, die 1938 ins Exil
gedrängt wurden, eine Erwähnung, der man sicherlich nichts vorwerfen
kann, andererseits aber die vergebene Möglichkeit um eine
tiefergehende Auseinandersetzung nicht überdecken kann. Auch die
grafische Aufbereitung der einzelnen Friedhöfe will nicht so recht
begeistern. So etwa wurde darauf vergessen, die Namensnennung der
jeweiligen Friedhöfe besonders zu kennzeichnen, eine grafische
Unterlassung, die das Nützen des Buches durchaus beschwerlicher
macht, als es sein müsste. Positiv zu vermerken ist die
Mithereinnahme diverser bekannter Friedhöfe aus der Umgebung Wiens.
Was bleibt also? Clemens M. Grubers Friedhofsführer reiht sich
ein in einen großen Bestand an Viennensia-Erscheinungen, deren
Sinnhaftigkeit eher in einer charmanten bis skurrilen Stadt-Liebe
liegt, als im Bestreben Neues zu wagen.
Clemens M. Gruber: Berühmte Gräber in Wien. Von der
Kapuzinergruft bis zum Zentralfriedhof. Erschienen im Böhlau-Verlag,
Wien 2002, EUR 19,90 (Schluss) hch/
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Mag. Hans-Christian Heintschel
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