- 25.10.2002, 09:30:00
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OeNB - Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung 2001
Wie finanziert sich Österreich?
Wien (OTS) -
- Die Geldvermögensbildung und der Finanzierungsbedarf der
österreichischen Volkswirtschaft waren 2001 infolge der
Konjunkturabschwächung geringer als im Jahr 2000.
- Die privaten Haushalte verzeichneten 2001 einen
Vermögenszuwachs von 10,8 Mrd. EUR, somit erreichte der
Vermögensstand 280 Mrd. EUR.
- Bei der Struktur der Geldvermögensbildung der privaten
Haushalte war eine Umkehr des Trends vergangener Jahre, wo
verstärkt in risikoreichere Finanzprodukte investiert wurde,
beobachtbar.
- Der Finanzierungsbedarf der Unternehmen fiel im Jahr 2001
geringer aus als im Jahr 2000, wobei das Ausland als
Gläubiger an Bedeutung gewann.
- Der Staat ging 2001 keine Neuverschuldung ein.
Wenige Tage vor dem Weltspartag stellte die Oesterreichische
Nationalbank heute im Rahmen eines Pressegespräches die neuesten
Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung 2001
vor. Direktoriumsmitglied Mag. Dr. Peter Zöllner berichtete
dabei, dass infolge der Konjunkturabschwächung im Jahr 2001
sowohl die Geldvermögensbildung als auch der Finanzierungsbedarf
der österreichischen Volkswirtschaft geringer war als im Jahr
zuvor. Vor diesem Hintergrund ging er in der Folge auf einige
ausgewählte Ergebnisse im Detail ein.
Das Geldvermögen der privaten Haushalte betrug Ende 2001 rund
280 Mrd. EUR, was dem 2,2 fachen des verfügbaren Einkommens
dieses Sektors entsprach. Der Schuldenstand lag zum selben
Zeitpunkt bei 85 Mrd. EUR. Dies führte zu einem
Nettogeldvermögensstand von rund 195 Mrd. EUR, oder pro Kopf
gerechnet 24.500 EUR. Der Haushaltssektor trägt also weiterhin
wesentlich dazu bei, die Unternehmen und den Staat, die
traditionell Nettoschuldner sind, zu finanzieren.
Ein hoher Anteil des Geldvermögens der privaten Haushalte
besteht auch weiterhin aus Bargeld und Einlagen (im Jahr 2001
rund 155 Mrd. EUR oder 55 % des Geldvermögens), wobei besonders
die Spareinlagen bei inländischen Banken hervorzuheben sind.
Eine zunehmende Bedeutung kommt in den letzten Jahren den
kapitalmarktorientierten Anlageformen wie Aktien und
Investmentfonds zu (im Jahr 2001 knapp 44 Mrd. EUR oder 16 % des
Geldvermögens). Gleichermaßen stieg in den letzten Jahren auch
der Anteil des Versicherungssparens zwecks privater
Pensionsvorsorge. (siehe Grafik).
In Bezug auf die Neuveranlagungen der privaten Haushalte
stellte Direktor Zöllner fest, dass diese 2001 nicht zuletzt
durch den verringerten finanziellen Spielraum, der sich aus der
niedrigeren Wachstumsrate des verfügbaren Einkommens bei nahezu
unveränderter Wachstumsrate des Konsums ergab, um 22 % geringer
war als im Jahr 2000 und ein Volumen von 10,8 Mrd. EUR
erreichte.
In der Struktur der Geldvermögensbildung der privaten
Haushalte waren 2001 einige Veränderungen im Vergleich zur
Entwicklung der Vorjahre festzustellen, was auch die Veränderung
der konjunkturellen Lage und damit rationales Verhalten der
Haushalte widerspiegelt. So gingen 37 % der gesamten
Geldvermögensbildung in Bargeld und Einlagen. Dies kehrt den
Trend der vergangenen Jahre um, wo zunehmend in komplexere
Finanzprodukte investiert wurde. Es ist aber anzunehmen, dass
dies nur ein Zwischenparken finanzieller Mittel aufgrund der
sich verschlechternden Aussichten für die Aktienbörsen
darstellte.
Im Durchschnitt der letzten drei Jahre ging je ein Drittel
der Neuveranlagung in Einlagen, in Wertpapiere (festverzinsliche
Wertpapiere, Aktien und Investmentzertifikate) und in das
Versicherungssparen. Für die inländischen Banken bedeutet dies,
dass nur mehr 20 % in deren Primärgeschäft veranlagt wurde,
während naturgemäß die Verschuldung der privaten Haushalte
weiterhin hauptsächlich bei Banken erfolgte.
Die österreichischen privaten Haushalte haben im Vergleich zu
anderen Ländern der Währungsunion relativ spät begonnen, in
höherwertige Finanzprodukte zu investieren. Da der Anteil am
Geldvermögen daher im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ
gering ist, sind auch die Konsequenzen der Volatilität auf den
Finanzmärkten geringer als etwa in Großbritannien oder den USA.
Es ist daher in Österreich nicht mit schwerwiegenden
Auswirkungen des Aktienkursverfalls auf die Realwirtschaft zu
rechnen.
Direktor Zöllner leitete nach seinen Ausführungen zum
Verhalten der privaten Haushalte auf die Vermögenssituation der
Unternehmen über. Dieser Sektor ist traditionell Nettoschuldner.
Die Verschuldung der Unternehmen erreichte 2001 rund
258 Mrd. EUR wobei die Nettoneuverschuldung (Finanzierungssaldo)
aber um rund 800 Mio. EUR geringer war als im Jahr 2000 und
11,1 Mrd. EUR betrug.
Die Finanzierung der Unternehmen ist im Wesentlichen dadurch
determiniert, dass einerseits die Banken einen relativ hohen
Anteil der Fremdfinanzierung durchführen, andererseits aber die
Bedeutung des Auslands bei der Unternehmensfinanzierung durch
Direktinvestitionen und Kreditfinanzierung von verbundenen
Unternehmen steigt. Der Anteil der Finanzierung der Unternehmen
durch Kreditgewährungen inländischer Banken betrug im Schnitt
der Jahre 1999 - 2001 rund 37 %.
Wie der Unternehmenssektor ist auch der Staat traditionell
Nettoschuldner. Seine Verschuldung war 164 Mrd. EUR, wobei er
2001 keine Nettoneuverschuldung einging Die Struktur der
Verschuldung des Staates hat sich im Zeitverlauf sowohl in Bezug
auf die Form der Verschuldung als auch in Bezug auf die
Gläubigersektoren wesentlich verändert. So stieg zum Beispiel
der Anteil der Wertpapiere an der gesamten Verschuldung von 65 %
1995 auf 80 % 2001. Der Anteil von inländischen Banken, Fonds
und Versicherungen als Gläubiger sank von 60 % 1995 auf nur mehr
36 % 2001.
Zum Abschluss ging Direktor Zöllner noch auf die Rolle des
Auslands bei Investitionen und Finanzierungen der
österreichischen Volkswirtschaft ein. Die Auslandsveranlagungen
betrugen 2001 rund 308 Mrd. EUR (25 % des gesamten
Geldvermögens) und die Verpflichtungen gegenüber dem Ausland
betrugen 357 Mrd. EUR (27 % der gesamten Verpflichtungen),
woraus sich eine Nettoverschuldung gegenüber dem Ausland von
knapp 50 Mrd. EUR ergab. Sehr stark veranlagten Investmentfonds,
Versicherungen und Unternehmen im Ausland. Im Schnitt der Jahre
1999 - 2001 investierten sie jeweils einen Anteil von rund 60 %
ihrer Geldvermögensbildung jenseits der Grenzen. Passivseitig
ist vor allem das Bankensystem zu erwähnen, das sich zu mehr als
50 % im Ausland refinanzierte.
Detaillierte Daten erscheinen als Beilage zum Statistischen
Monatsheft 9/2002 und sind im Internet unter www.oenb.at
abrufbar.
Weitere statistische Informationen unter
http://www.dieaktuelleZahl.oenb.at
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Oesterreichische Nationalbank
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