- 24.10.2002, 12:28:56
- /
- OTS0170 OTW0170
Gedenkstunde als Mahnung
Wien (OTS) - Am Mittwoch nahmen StR Dr. Elisabeth Pittermann und
Weihbischof Dr. Ludwig Schwarz an einer Gedenkstunde im Haus der
Barmherzigkeit teil. Am Tag genau vor sechzig Jahren wurden
behinderte Frauen und Kinder von der Währinger Pflegeeinrichtung in
die Nervenheilanstalt "Am Steinhof" abtransportiert. Sie fielen der
NS-Medizin zum Opfer. Aus diesem Anlass wurde eine Gedenktafel mit
den Namen der Getöteten enthüllt. Sie ist Mahnung, jedes
Menschenleben als wertvoll zu betrachten.
Am 23. Oktober gedachte das Haus der Barmherzigkeit behinderten
Frauen und Kindern, die während des Dritten Reiches aus der
Pflegeeinrichtung abtransportiert wurden. Sie wurden vom Krankenhaus
in Wien-Währing und aus dem Pflegeheim im niederösterreichischen
Totzenbach (Kirchstetten) in die Nervenheilanstalt "Am Steinhof"
überstellt. Zwanzig von ihnen fielen der NS-Medizin zum Opfer. In
einer Gedenkstunde enthüllte Gesundheitsstadträtin Dr. Elisabeth
Pittermann eine Gedenktafel mit den Namen der Getöteten. Weihbischof
Dr. Ludwig Schwarz segnete diese.Dem Festakt wohnten u.a. die
Landtagsabgeordneten Ingrid Korosec (ÖVP), Helene Partik-Pablé (FPÖ)
und Dr. Sigrid Pilz (Die Grüne) bei.
Der Ärztliche Direktor des Pflegekrankenhaus Prim. Univ.-Prof.
Dr. Christoph Gisinger: "Das Gedenken an die Opfer ist nicht
rückwärts gerichtet. Vielmehr ist uns ihr Andenken Mahnung, uns mit
Entschlossenheit gegen zukünftige Tendenzen in der Gesellschaft zur
Wehr zu setzen, Menschen und Menschenleben wieder nur nach ihrem
Nutzen zu bewerten." Das Haus der Barmherzigkeit betreut seit seiner
Gründung im Jahre 1875 alte und unheilbar kranke sowie behinderte
Menschen. Barmherzigkeit wird als Auftrag verstanden, sich um
besonders Bedürftige zu kümmern.
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes würdigt
Beitrag gegen Euthanasie-Tendenzen
Auch Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer vom
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) begrüßt
im Vorfeld der Gedenkstunde die Erinnerung an die kranken und
behinderten Opfer des Nationalsozialismus. "In dem das Haus der
Barmherzigkeit eine Gedenkveranstaltung durchführt, eine Gedenktafel
schafft und eine Gedenkschrift herausgibt wird ein wichtiger Beitrag
geleistet, allen Tendenzen, Menschen den Wert des Lebens
abzusprechen, und eine neue Euthanasie zu propagieren,
entgegenzutreten."
Gedenkschrift von Wolfgang Bandion und Gedenktafel von Stephan
Hilge
Prof. Wolfgang J. Bandion verfasste zu diesem Anlass eine
Gedenkschrift. Diese ist bei Mag. Eva Bauer (Öffentlichkeitsarbeit),
Tel. 01/40 199-180 oder per mail an [email protected] erhältlich.
Der Schweizer Künstler Stephan Hilge gestaltete die Gedenktafel
aus Metall im Vorraum der Hauskapelle. Hilge hat sich in den letzten
Jahren intensiv mit dem Thema der Erinnerung in der Kunst
auseinandergesetzt. 1998 schuf er für die Opfer des
Konzentrationslagers Mauthause eine Urne für die Barbarakapelle in
St. Stephan.
Die Geschichte des Haus der Barmherzigkeit
1864 gründete der Buchdruckereibesitzer Franz Eipeldauer die
"Bruderschaft von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zur Pflege armer
Unheilbarer". Der erste geistliche Rektor war der Wiener Domkapitular
Graf Ludwig Coudenhove. Die Vereinigung knüpfte an eine im Zuge der
josefinischen Kirchenreform aufgelöste Bruderschaft und an eine
Wallfahrtstradition nach Karnabrunn (NÖ) an. 1875 wurde das Haus der
Barmherzigkeit in Währing eröffnet. Die "Barmherzigen Schwestern vom
hl. Vinzenz von Paul" übernahmen den Pflegedienst. Bis 1900 wurde das
Haus laufend erweitert. Die Nationalsozialisten hoben 1939 die
Pflegeeinrichtung als kirchliche Stiftung auf. Sie wurde der Stadt
Wien übertragen. Der Name wurde auf "Wiener Städtisches Altersheim
Währing" geändert. In den letzten Jahren des Krieges wurden Teile des
Hauses durch Bombenangriffe zerstört. 27 Patienten und fünf
Pflegerinnen kamen bei den Luftangriffen ums Leben. Erst in den
50er-Jahren erwirbt das Haus der Barmherzigkeit wieder eine
eigenständige Rechtspersönlichkeit.
Für die Zukunft plant das Haus der Barmherzigkeit einen Neubau
in Wien-Ottakring (Baubeginn 2003) und die Errichtung weiterer
Wohngemeinschaften für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
Allgemeine Informationen:
o Haus der Barmherzigkeit: http://www.hdb-wien.at/
(Schluss) rog/be
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Andrea Rogy
Tel.: 53 114/81 231
Handy: 0664/516 44 73
mailto:[email protected]
Haus der Barmherzigkeit
Mag. Eva Bauer, Öffentlichkeitsarbeit
Vinzenzgasse 2-6, 1180 Wien
Tel. 01/ 40 199-180
Mobil: 0664/82 707 84
E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK






