- 03.10.2002, 08:30:36
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ORF Landesstudio Niederösterreich - Ins Land einischaun: "Wir schaffen es! Das Leben nach der Flut"
Ein Film von Andi Leitner und Christian Puluj - Samstag, 5. 10. 2002, 17.05 Uhr, ORF 2
St. Pölten (OTS) - Mit diesem Film will das Landesstudio
Niederösterreich ein Zeichen setzen und die Wiederaufbau-Bemühungen
in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten unterstützen. Mit
ausgewählten Portraits dokumentieren Andi Leitner und Christian Puluj
die Zuversicht und die Entschlossenheit, mit der die Menschen nach
der Flutkatastrophe ans Werk gehen.
Anton Korner ist Inhaber einer von der Flut geschädigten Gärtnerei
in Ybbs an der Donau. Korner ist eine Kämpfernatur, die auf keinen
Fall klein beigeben will: "Weitermachen oder nicht weitermachen, das
war nie die Frage! Ich habe als Nahversorger die Verpflichtung,
durchzuhalten! Was sollen die Leute denn ohne uns machen?"
In der Wachau führt Winzer Toni Bodenstein durch seine Rieden. Die
Niederschläge haben in diesen exponierten Lagen große Schäden an den
Jahrhunderte alten Trockensteinmauern angerichtet. Ein gewaltiger
Schaden für die Terrassen-Kulturen, aber auch für die "Optik" des
Weltkulturerbes und Tourismus-Aktivpostens Wachau. Aber auch hier
wurden bereits erste Schritte zum Wiederaufbau gesetzt. Bodenstein
spricht einen wichtigen Aspekt an: Was die betroffenen Gebiete jetzt
brauchen, ist neben der raschen finanziellen Hilfe und den Leistungen
freiwilliger Helfer vor allem die bleibende Solidarität derer, die
das Land NÖ als Freund, als Gast oder als Wirtschaftspartner schon
bisher geschätzt haben.
In Zwettl hat es das altehrwürdige Stift Zwettl und seine
Wirtschaftseinrichtungen, vor allem die Karpfenteiche, getroffen. Das
Stift hat aber auch ohne Karpfen einiges zu bieten, etwa die
Ausstellung "Wer's glaubt, wird selig". Mittlerweile ist die
Ausstellung wieder zugänglich. Den momentanen Zustand beschreibt
Pater Maximilian Krausgruber, der wirtschaftliche Leiter des Stifts,
in knappen, aber klaren Worten: "Viele Schäden sind behoben, die
Gäste fehlen!" Ein Aufruf an die Gäste, der Region Waldviertel treu
zu bleiben.
In Gars am Kamp haben die Fluten des Kamp die beiden neuen Häuser
des Dungl-Zentrums, das Aktiv-Hotel und das China-Zentrum, schwer
beschädigt. Mittlerweile sind beide Einrichtungen wieder
funktionstüchtig - und warten auf Gäste. Dr. Andrea Dungl-Zauner
stellt bereits ein neues Programm für das bevorstehende
Wintergeschäft zusammen: "Durch den Winter ohne Depression."
In Zitternberg bei Gars wurde der Leiterplattenhersteller
Häusermann schwer getroffen. Eine Einstellung des Betriebs kommt
jedoch nicht in Frage, denn: Die Firma ist mit 180 Mitarbeitern eines
der größten Unternehmer und wichtiger Arbeitgeber der Region.
Geschäftsführer DI Rudolf Janesch ist voller Zuversicht: "Zusperren
war ungefähr eine halbe Stunde ein Thema, in der ersten Verzweiflung.
Jetzt stehen wir bei der Stunde Null. Es wird schwer, aber es ist
nicht unmöglich". Bei der Belegschaft kann Janesch eine deutliche
Veränderung erkennen: "Wir hatten schon vorher ein sehr gutes
Betriebsklima. Aber der Zusammenhalt, den wir jetzt haben, der ist
einzigartig!"
Die Gemeinde Grafenwörth ist ein exemplarisches Beispiel für die
Bemühungen vieler Privater, nach der Flut wieder auf die Beine zu
kommen. Eines ist ihnen allen gemein: Sie alle können trotz großer
Anstrengungen nicht aus eigener Kraft bestehen. Sie werden auch
weiterhin auf offizielle und private Hilfe angewiesen sein.
Immer wieder ist davon die Rede, ganze Siedlungen aus gefährdeten
Zonen abzusiedeln - ein existentieller Einschnitt, wie er seit Ende
des Zweiten Weltkriegs in Österreich nicht mehr stattgefunden hat.
Der Ort Strengberg mit der Katastralgemeinde Au ist besonders
betroffen. Nach der Flut von 1991 haben einige Familien begonnen, in
die höhergelegene Umgebung abzusiedeln. Nun wollen fast alle fort.
Der Ortsteil Au wird damit in einigen Jahren zu existieren aufgehört
haben. Bürgermeister Ernst Vösenhuber, selbst ein Betroffener, sucht
nach Visionen für die Zukunft seiner Gemeinde und stellt Karl &
Marianne Sallinger vor. Sie gehörten zu den ersten, die schon 1991
wegzuziehen bereit waren. So schwer ihnen der Umzug auch fällt, der
Rohbau ihres neuen Hauses steht bereits. Das Haus kann in einem
halben Jahr bezogen werden - und liegt noch dazu in Sichtweite des
ursprünglichen Standortes.
Gestaltung: Andi Leitner, Christian Puluj
Kamera: Walter Reichl
Redaktion: Christian Hillinger
Rückfragehinweis:
Mag. Michael Koch
ORF Landesstudio Niederösterreich
Telefon: 02742 / 2210 - 23 754
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