ORF Landesstudio Niederösterreich - Ins Land einischaun: "Wir schaffen es! Das Leben nach der Flut"

Ein Film von Andi Leitner und Christian Puluj - Samstag, 5. 10. 2002, 17.05 Uhr, ORF 2

St. Pölten (OTS) - Mit diesem Film will das Landesstudio Niederösterreich ein Zeichen setzen und die Wiederaufbau-Bemühungen in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten unterstützen. Mit ausgewählten Portraits dokumentieren Andi Leitner und Christian Puluj die Zuversicht und die Entschlossenheit, mit der die Menschen nach der Flutkatastrophe ans Werk gehen.

Anton Korner ist Inhaber einer von der Flut geschädigten Gärtnerei in Ybbs an der Donau. Korner ist eine Kämpfernatur, die auf keinen Fall klein beigeben will: "Weitermachen oder nicht weitermachen, das war nie die Frage! Ich habe als Nahversorger die Verpflichtung, durchzuhalten! Was sollen die Leute denn ohne uns machen?"

In der Wachau führt Winzer Toni Bodenstein durch seine Rieden. Die Niederschläge haben in diesen exponierten Lagen große Schäden an den Jahrhunderte alten Trockensteinmauern angerichtet. Ein gewaltiger Schaden für die Terrassen-Kulturen, aber auch für die "Optik" des Weltkulturerbes und Tourismus-Aktivpostens Wachau. Aber auch hier wurden bereits erste Schritte zum Wiederaufbau gesetzt. Bodenstein spricht einen wichtigen Aspekt an: Was die betroffenen Gebiete jetzt brauchen, ist neben der raschen finanziellen Hilfe und den Leistungen freiwilliger Helfer vor allem die bleibende Solidarität derer, die das Land NÖ als Freund, als Gast oder als Wirtschaftspartner schon bisher geschätzt haben.

In Zwettl hat es das altehrwürdige Stift Zwettl und seine Wirtschaftseinrichtungen, vor allem die Karpfenteiche, getroffen. Das Stift hat aber auch ohne Karpfen einiges zu bieten, etwa die Ausstellung "Wer's glaubt, wird selig". Mittlerweile ist die Ausstellung wieder zugänglich. Den momentanen Zustand beschreibt Pater Maximilian Krausgruber, der wirtschaftliche Leiter des Stifts, in knappen, aber klaren Worten: "Viele Schäden sind behoben, die Gäste fehlen!" Ein Aufruf an die Gäste, der Region Waldviertel treu zu bleiben.

In Gars am Kamp haben die Fluten des Kamp die beiden neuen Häuser des Dungl-Zentrums, das Aktiv-Hotel und das China-Zentrum, schwer beschädigt. Mittlerweile sind beide Einrichtungen wieder funktionstüchtig - und warten auf Gäste. Dr. Andrea Dungl-Zauner stellt bereits ein neues Programm für das bevorstehende Wintergeschäft zusammen: "Durch den Winter ohne Depression."

In Zitternberg bei Gars wurde der Leiterplattenhersteller Häusermann schwer getroffen. Eine Einstellung des Betriebs kommt jedoch nicht in Frage, denn: Die Firma ist mit 180 Mitarbeitern eines der größten Unternehmer und wichtiger Arbeitgeber der Region. Geschäftsführer DI Rudolf Janesch ist voller Zuversicht: "Zusperren war ungefähr eine halbe Stunde ein Thema, in der ersten Verzweiflung. Jetzt stehen wir bei der Stunde Null. Es wird schwer, aber es ist nicht unmöglich". Bei der Belegschaft kann Janesch eine deutliche Veränderung erkennen: "Wir hatten schon vorher ein sehr gutes Betriebsklima. Aber der Zusammenhalt, den wir jetzt haben, der ist einzigartig!"

Die Gemeinde Grafenwörth ist ein exemplarisches Beispiel für die Bemühungen vieler Privater, nach der Flut wieder auf die Beine zu kommen. Eines ist ihnen allen gemein: Sie alle können trotz großer Anstrengungen nicht aus eigener Kraft bestehen. Sie werden auch weiterhin auf offizielle und private Hilfe angewiesen sein.

Immer wieder ist davon die Rede, ganze Siedlungen aus gefährdeten Zonen abzusiedeln - ein existentieller Einschnitt, wie er seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Österreich nicht mehr stattgefunden hat. Der Ort Strengberg mit der Katastralgemeinde Au ist besonders betroffen. Nach der Flut von 1991 haben einige Familien begonnen, in die höhergelegene Umgebung abzusiedeln. Nun wollen fast alle fort. Der Ortsteil Au wird damit in einigen Jahren zu existieren aufgehört haben. Bürgermeister Ernst Vösenhuber, selbst ein Betroffener, sucht nach Visionen für die Zukunft seiner Gemeinde und stellt Karl & Marianne Sallinger vor. Sie gehörten zu den ersten, die schon 1991 wegzuziehen bereit waren. So schwer ihnen der Umzug auch fällt, der Rohbau ihres neuen Hauses steht bereits. Das Haus kann in einem halben Jahr bezogen werden - und liegt noch dazu in Sichtweite des ursprünglichen Standortes.

Gestaltung: Andi Leitner, Christian Puluj
Kamera: Walter Reichl
Redaktion: Christian Hillinger

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