Wirtschaft fordert Anreize für Beschäftigung älterer Arbeitnehmer

Mitterlehner: "Gesetzliche Änderungen und Förderungsschwerpunkt durch AMS notwendig - Einrichtung einer Plattform für ältere Arbeitnehmer"

Wien (PWK690) "Mehr Anreize zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer" forderte heute Dienstag Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär-Stv. der Wirtschaftskammer Österreich anlässlich eines Workshops zum Thema "Ältere Arbeitnehmer". Mitterlehner sieht nach der Ankurbelung der Konjunktur spätestens für 2008 einen gravierenden Engpass von 165.000 zusätzlichen Beschäftigten. "Die derzeitige Situation darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Anteil des Erwerbspotentials an der Gesamtbevölkerung von heute 62 % auf 54 % im Jahr 2030 fallen wird. Jeder dritte Einwohner wird dann über 60 Jahre alt sein. Wir werden daher das Potential der älteren Arbeitnehmer für den Arbeitsmarkt gewinnen müssen, wollen wir der mittelfristigen Nachfrage nach Arbeitskräften nachkommen." Möglichkeiten für Anreize sieht Mitterlehner durch Änderungen im gesetzlichen Bereich sowie in einem Förderungsschwerpunkt durch das AMS. "Die Altersteilzeit ist sinnvoll, darf aber keinem Missbrauch unterliegen. Eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes würde die Einstellung älterer Arbeitnehmer erleichtern. Der Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung soll nicht nur für die Neueinstellung, sondern auch für die Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmer entfallen.” Um den Worten auch Taten folgen zu lassen wird die Wirtschaftskammer eine "Plattform für ältere Arbeitnehmer" gründen, an der sich Sozialpartner, Regierung sowie Arbeitsmarktorganisationen beteiligen sollten.

"Wir wollen eine Verlängerung der mit Ende 2003 auslaufenden Altersteilzeit, jedoch sollten missbräuliche Inanspruchnahmen vermieden werden." Die Nachfrage nach Altersteilzeit lag im August 2002 bereits bei über 18.000 Altersteilzeitbeziehern mit Kosten von über 200 Millionen Euro. Mitterlehner kann sich daher einen Nachweis für eine Vollzeitbeschäftigung vorstellen. "Damit wird vermieden, dass Arbeitnehmer, die regelmäßig halbtags gearbeitet haben, nur im Monat vor der Antragstellung auf Vollzeit umsteigen und anschließend Altersteilzeit auf Basis eines Vollzeitgehaltes beziehen können." Auch eine Anhebung des Zugangsalters von derzeit 50 Jahren für Frauen und 55 für Männer um jeweils 1,5 Jahre sollte diskutiert werden.

Wesentliche Erleichterung für die Einstellung von Mitarbeitern über 50 wäre ein Flexibilisierung des Kündigungsschutzes. So ist nach 6-monatiger Betriebszugehörigkeit die Kündigung eines älteren Arbeitnehmers oft nur mit großen Problemen möglich. Mitterlehner:
"Das ist in Wahrheit ein Einstellungshindernis für ältere Arbeitnehmer. Hier müssen neue Wege angedacht werden."

Sympathie zeigt die Wirtschaftskammer für den Vorschlag der Hartz-Kommission, ein Frühwarnsystem für Arbeitnehmer einzuführen, die sich gleich nach Erhalt der Kündigung beim AMS arbeitsuchend melden sollen. Mitterlehner: "Im gesamten Bereich des Frühwarnsystems ist eine Entbürokratisierung vorzunehmen, da es derzeit nur Aufwand und wenig arbeitsmarktpolitischen Erfolg gebracht hat."

"Der Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung von drei Prozent sollte nicht nur für neu eingestellte Personen über fünfzig, sondern für alle älteren Arbeitnehmer zumindest ab dem 55. Lebensjahr entfallen", regt Mitterlehner einen weiteren Beschäftigungsanreiz für Betriebe an.

Auch die Förderungen durch das AMS müssen sichergestellt sein. Laut Maria Hofstätter, Qualifizierungsexpertin des AMS, stehen derzeit jährlich 45 Mio. Euro zur Qualifikation älterer Arbeitnehmer zur Verfügung. "Eingliederungsbeihilfen, Qualifizierungsförderungen oder die Gründerprogramme funktionieren und werden stark in Anspruch genommen." Da laut Hofstätter die Halbwertszeit des IT-Wissens nur mehr sechs Monate beträgt und in anderen Bereichen zwei bis drei Jahre, "kommen wir bei älteren Arbeitnehmern nicht um die Förderung von Weiterbildung herum". (AB)

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