• 01.10.2002, 14:54:19
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Wirtschaft fordert Anreize für Beschäftigung älterer Arbeitnehmer

Mitterlehner: "Gesetzliche Änderungen und Förderungsschwerpunkt durch AMS notwendig - Einrichtung einer Plattform für ältere Arbeitnehmer"

Wien (PWK690) "Mehr Anreize zur Beschäftigung älterer
Arbeitnehmer" forderte heute Dienstag Reinhold Mitterlehner,
Generalsekretär-Stv. der Wirtschaftskammer Österreich anlässlich
eines Workshops zum Thema "Ältere Arbeitnehmer". Mitterlehner sieht
nach der Ankurbelung der Konjunktur spätestens für 2008 einen
gravierenden Engpass von 165.000 zusätzlichen Beschäftigten. "Die
derzeitige Situation darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der
Anteil des Erwerbspotentials an der Gesamtbevölkerung von heute 62 %
auf 54 % im Jahr 2030 fallen wird. Jeder dritte Einwohner wird dann
über 60 Jahre alt sein. Wir werden daher das Potential der älteren
Arbeitnehmer für den Arbeitsmarkt gewinnen müssen, wollen wir der
mittelfristigen Nachfrage nach Arbeitskräften nachkommen."
Möglichkeiten für Anreize sieht Mitterlehner durch Änderungen im
gesetzlichen Bereich sowie in einem Förderungsschwerpunkt durch das
AMS. "Die Altersteilzeit ist sinnvoll, darf aber keinem Missbrauch
unterliegen. Eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes würde die
Einstellung älterer Arbeitnehmer erleichtern. Der Arbeitgeberbeitrag
zur Arbeitslosenversicherung soll nicht nur für die Neueinstellung,
sondern auch für die Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmer
entfallen.” Um den Worten auch Taten folgen zu lassen wird die
Wirtschaftskammer eine "Plattform für ältere Arbeitnehmer" gründen,
an der sich Sozialpartner, Regierung sowie Arbeitsmarktorganisationen
beteiligen sollten.

"Wir wollen eine Verlängerung der mit Ende 2003 auslaufenden
Altersteilzeit, jedoch sollten missbräuliche Inanspruchnahmen
vermieden werden." Die Nachfrage nach Altersteilzeit lag im August
2002 bereits bei über 18.000 Altersteilzeitbeziehern mit Kosten von
über 200 Millionen Euro. Mitterlehner kann sich daher einen Nachweis
für eine Vollzeitbeschäftigung vorstellen. "Damit wird vermieden,
dass Arbeitnehmer, die regelmäßig halbtags gearbeitet haben, nur im
Monat vor der Antragstellung auf Vollzeit umsteigen und anschließend
Altersteilzeit auf Basis eines Vollzeitgehaltes beziehen können."
Auch eine Anhebung des Zugangsalters von derzeit 50 Jahren für Frauen
und 55 für Männer um jeweils 1,5 Jahre sollte diskutiert werden.

Wesentliche Erleichterung für die Einstellung von Mitarbeitern über
50 wäre ein Flexibilisierung des Kündigungsschutzes. So ist nach
6-monatiger Betriebszugehörigkeit die Kündigung eines älteren
Arbeitnehmers oft nur mit großen Problemen möglich. Mitterlehner:
"Das ist in Wahrheit ein Einstellungshindernis für ältere
Arbeitnehmer. Hier müssen neue Wege angedacht werden."

Sympathie zeigt die Wirtschaftskammer für den Vorschlag der
Hartz-Kommission, ein Frühwarnsystem für Arbeitnehmer einzuführen,
die sich gleich nach Erhalt der Kündigung beim AMS arbeitsuchend
melden sollen. Mitterlehner: "Im gesamten Bereich des Frühwarnsystems
ist eine Entbürokratisierung vorzunehmen, da es derzeit nur Aufwand
und wenig arbeitsmarktpolitischen Erfolg gebracht hat."

"Der Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung von drei Prozent
sollte nicht nur für neu eingestellte Personen über fünfzig, sondern
für alle älteren Arbeitnehmer zumindest ab dem 55. Lebensjahr
entfallen", regt Mitterlehner einen weiteren Beschäftigungsanreiz für
Betriebe an.

Auch die Förderungen durch das AMS müssen sichergestellt sein. Laut
Maria Hofstätter, Qualifizierungsexpertin des AMS, stehen derzeit
jährlich 45 Mio. Euro zur Qualifikation älterer Arbeitnehmer zur
Verfügung. "Eingliederungsbeihilfen, Qualifizierungsförderungen oder
die Gründerprogramme funktionieren und werden stark in Anspruch
genommen." Da laut Hofstätter die Halbwertszeit des IT-Wissens nur
mehr sechs Monate beträgt und in anderen Bereichen zwei bis drei
Jahre, "kommen wir bei älteren Arbeitnehmern nicht um die Förderung
von Weiterbildung herum". (AB)

Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich
Dr. Alexander Biach
Tel.: 01/50105/4364

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