- 01.10.2002, 12:13:11
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Rieder: Kräftiges Lebenszeichen der Wiener Biotech-Szene
Zwischenbilanz des "Life Sciences-Calls": 20 eingereichte Projekte mit einem Investvolumen von mehr als 100 Mio. Euro
Wien (OTS) - "Die Umstellung der Wiener Technologieförderung weg
von der Gießkannenförderung hin zu so genannten Calls war ein voller
Erfolg", erklärte Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat
Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des
Mediengesprächs des Bürgermeisters, in dem eine Zwischenbilanz zum
ersten durchgeführten Call im Bereich Biotechnologie präsentiert
wurde. Insgesamt wurden von Wiener Firmen 20 Projekte eingereicht,
damit haben sich zwei Drittel aller in Wien ansässigen
Biotechunternehmen an dem Call beteiligt. Eine Jury wird diese in den
nächsten Wochen beurteilen und die Siegerprojekte am 27. November
bekannt geben. Für die Förderung der Projekte stehen 3 Millionen Euro
bereit.
"Wir erwarten uns einen kräftigen Impuls durch diese Initiative
und werten die überraschend große Zahl an eingereichten Projekten als
kräftiges Lebenszeichen des Biotechstandortes Wien", so Rieder.
Experten gehen - bei Realisierung aller eingereichten Projekte - von
einem ausgelösten Investvolumen von 100 Millionen Euro und 500
zusätzlichen hoch qualifizierten Jobs in der Biotechnologiebranche in
Wien aus. An dem Mediengespräch nahmen auch der Geschäftsführer des
Wiener Wirtschaftsförderungsfonds - WWFF, Dr. Bernd Riessland, und
der Vorsitzende der Life Sciences-Jury, Prof. Dr. Peter Swetly,
teil.****
Call "Life Sciences 2002"
Thema dieses Life Sciences-Calls ist die Entwicklung innovativer
Projekte zur Klinischen Entwicklung von neuen Medikamenten bzw.
Produkten oder Technologien für die diagnostische (Früh)Erkennung von
Krankheiten, wobei auf die Erarbeitung eines medizinischen "proof of
concept" im Bereich klinischer Forschung und Entwicklung besonderer
Wert gelegt wird. Die Einreichfrist endete am 13. September. Mit
insgesamt 20 Anträgen wurden die Erwartungen über die Beteiligung der
Unternehmen deutlich übertroffen. Die Teilnehmer sind ein
repräsentativer Mix aus Großunternehmen und Klein- und
Mittelunternehmen. Bei Durchführung aller eingereichten Projekte
würde nach Angaben der Unternehmen ein Investitionsvolumen von über
100 Millionen Euro ausgelöst werden. Die Zahl der erwarteten
zusätzlichen Arbeitsplätze nach Abschluss der Projekte wird von den
Unternehmen mit fast 500 angegeben.
Weiterer Ablauf
Die eingegangenen Projekte werden durch eine international
besetzte Jury unter der Leitung von Prof. Dr. Swetly, dem ehemaligen
Forschungsleiter von Boehringer Ingelheim, bewertet. Gefördert werden
die besten Projekte, solange die budgetären Mittel ausreichen.
Darüber hinaus werden die drei besten Projekte des Calls mit
Geldpreisen prämiert. Die Preisverleihung und die Vorstellung der
geförderten Projekte erfolgt bei einer Abschlussveranstaltung am 27.
November.
Der große Erfolg des Calls ist eine mehr als positive
Bestätigung für die eingeschlagene Strategie im Allgemeinen und für
die konkrete Auswahl der Themen im Speziellen. Es zeigt sich, dass es
in Wien in diesen und wohl auch in zahlreichen anderen Bereichen eine
Vielzahl von innovativen Unternehmen gibt, die auch den Wettbewerb
und den Vergleich untereinander nicht scheuen, sondern ihn suchen.
Wie funktioniert ein Call?
Calls sind "Ausschreibungen", an Hand derer die besten
Technologieprojekte der Stadt substanziell gefördert werden können.
Nach einer Ausschreibungsphase können innerhalb einer Frist Projekte
eingereicht werden. Eine Jury bewertet diese und verteilt die
vorhandenen Mittel auf die prämierten Projekte. Damit lässt sich die
Effizienz der eingesetzten Mittel der Wirtschaftsförderung erhöhen.
Die Vergabe von Fördermitteln im Rahmen von Ausschreibungen, so
genannter "Calls", ist das Herzstück des neuen
Technologieförderprogramms "wiennovation" des Wiener
Wirtschaftsförderungsfonds - WWFF, das von der ZIT - Zentrum für
Innovation und Technologie GmbH, einer Tochter des WWFF, durchgeführt
wird. Diese Calls stellen in vielfacher Hinsicht eine qualitativ neue
und verbesserte Form der Wirtschafts- und Technologieförderung dar.
Folgende Prinzipien liegen dieser neuen Form der Unterstützung
zugrunde:
o "Stärken stärken": Es werden bewusst Themenfelder ausgewählt,
die für die Wiener Wirtschaft von großer Bedeutung sind und in
denen bereits in der Vergangenheit viel versprechende
Entwicklungen festgestellt wurden.
o Abkehr vom Prinzip der Gießkannenförderung: Durch die
Konzentration auf ausgewählte Themenbereiche können diese
substanziell gefördert werden, Mitnahmeeffekte werden minimiert.
o "Wer schnell hilft, hilft doppelt": Die Teilnehmer an den Calls
wissen spätestens 2,5 Monate nach Einreichung ihres Antrags, ob
sie eine Förderung erhalten.
o Die Unternehmen müssen nicht ihre gesamten Aufwendungen
vorfinanzieren: Sie erhalten einen bis zu 50-prozentigen
Vorschuss, womit sich die Gefahr von finanziellen Engpässen in
der Startphase minimiert.
o Die höchstmögliche Fördersumme für den ersten Call "Life
Sciences" pro Unternehmen beträgt 1 Million Euro. Die
Förderquote kann zwischen 25 % und 60 % der Projektkosten
betragen. Insgesamt stehen für diesen Call 3 Millionen Euro zur
Verfügung.
6,5 Millionen Euro für drei Calls im Jahr 2002
Für 2002 stehen für dieses Instrument der Calls insgesamt 6,5
Millionen Euro zur Verfügung. Zwei der Calls wurden bereits
gestartet: "Life Science 2002" (Gesamtfördersumme 3 Millionen Euro)
und "Creative Industries" (Gesamtfördersumme 1,5 Millionen Euro), ein
Dritter zum Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien noch
in diesem Jahr.
Mehr Infos zu den Calls gibt es unter: http://www.wiennovation.at/
"Wiennovation. Die Technologieoffensive"
Inhaltliche und organisatorische Klammer für Aktivitäten im
Technologiebereich ist die Initiative "Wiennovation. Die
Technologieoffensive". In ihr werden unter anderem die aktuellen
Calls, sämtliche andere Formen der Technologieförderung, die
Kompetenzzentren-Programme, die Aktivitäten der universitären
AplusB-Zentren oder auch die Teilnahme Wiens am LISA (Life Science
Austria)-Vienna Region-Programm zusammengefasst. Allein für das Jahr
2002 stehen für Projekte im Rahmen von "Wiennovation. Die
Technologieoffensive" 27,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Life Sciences - Biotechnologie
Ein besonders erfolgreiches Beispiel in Wien ist die Entwicklung
auf dem Biotechnologie-Sektor. In den letzten drei Jahren haben sich
rund 30 international erfolgreiche Start-up-Unternehmen entwickelt
bzw. sich in Wien angesiedelt. Insgesamt sind am Biotech-Standort
Wien mehr als 2.000 Personen im Forschungs- und Entwicklungsbereich
tätig.
Vom Kern der Vienna-Region ausgehend kann der Zentral- und
Osteuropäische Markt mit über 250 Mio. Menschen leicht erschlossen
werden. Das dynamische Umfeld für Forschung und Entwicklung sowie die
Marktvorteile der Region zogen bereits Global Players, wie Novartis,
Eli Lilly, Boehringer Ingelheim, Baxter, Amgen, Quintiles und über
100 Life Science Unternehmen in die Vienna Region.
Die Vienna Region kann auf eine lange Geschichte im Bereich der
biomedizinischen Forschung zurückblicken. Heute gibt es allein in
Wien 4 Universitäten mit einem Pool von 3.000 Medizin- und
Biotechnologiestudenten, die in allen relevanten Bereichen der
Biomedizin, Pharmazie, Veterinär- und Agrobiotechnologie sowie
Wirtschaft ausgebildet werden.
Die Biotechnologie ist der mit Abstand am schnellsten wachsende
Hochtechnologiebereich. Derzeit existieren über 1.400 Biotech-Firmen
in den USA und etwa ebenso viele in Europa. Bereits 1999 erreichte
die Biotechnologie mit weltweit mehr als 150.000 Arbeitsplätzen eine
Wertschöpfung von etwa 145,35 Milliarden Euro. Voraussagen sprechen
von mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätzen ab dem Jahre 2010. Schon 50
Prozent aller neuen Medikamente, die sich derzeit in klinischer
Prüfung befinden, sind biotechnologischen Ursprungs. Innerhalb der
nächsten 5 Jahre werden überhaupt 60 Prozent aller Innovationen im
Hochtechnologiesektor durch Biotechnologie und Molekulare Medizin
geschaffen. (Schluss) mmr
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Martin Ritzmaier
Tel.: 4000/81 855
mailto:[email protected]
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