Rieder: Kräftiges Lebenszeichen der Wiener Biotech-Szene

Zwischenbilanz des "Life Sciences-Calls": 20 eingereichte Projekte mit einem Investvolumen von mehr als 100 Mio. Euro

Wien (OTS) - "Die Umstellung der Wiener Technologieförderung weg von der Gießkannenförderung hin zu so genannten Calls war ein voller Erfolg", erklärte Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des Mediengesprächs des Bürgermeisters, in dem eine Zwischenbilanz zum ersten durchgeführten Call im Bereich Biotechnologie präsentiert wurde. Insgesamt wurden von Wiener Firmen 20 Projekte eingereicht, damit haben sich zwei Drittel aller in Wien ansässigen Biotechunternehmen an dem Call beteiligt. Eine Jury wird diese in den nächsten Wochen beurteilen und die Siegerprojekte am 27. November bekannt geben. Für die Förderung der Projekte stehen 3 Millionen Euro bereit.

"Wir erwarten uns einen kräftigen Impuls durch diese Initiative und werten die überraschend große Zahl an eingereichten Projekten als kräftiges Lebenszeichen des Biotechstandortes Wien", so Rieder. Experten gehen - bei Realisierung aller eingereichten Projekte - von einem ausgelösten Investvolumen von 100 Millionen Euro und 500 zusätzlichen hoch qualifizierten Jobs in der Biotechnologiebranche in Wien aus. An dem Mediengespräch nahmen auch der Geschäftsführer des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds - WWFF, Dr. Bernd Riessland, und der Vorsitzende der Life Sciences-Jury, Prof. Dr. Peter Swetly, teil.****

Call "Life Sciences 2002"

Thema dieses Life Sciences-Calls ist die Entwicklung innovativer Projekte zur Klinischen Entwicklung von neuen Medikamenten bzw. Produkten oder Technologien für die diagnostische (Früh)Erkennung von Krankheiten, wobei auf die Erarbeitung eines medizinischen "proof of concept" im Bereich klinischer Forschung und Entwicklung besonderer Wert gelegt wird. Die Einreichfrist endete am 13. September. Mit insgesamt 20 Anträgen wurden die Erwartungen über die Beteiligung der Unternehmen deutlich übertroffen. Die Teilnehmer sind ein repräsentativer Mix aus Großunternehmen und Klein- und Mittelunternehmen. Bei Durchführung aller eingereichten Projekte würde nach Angaben der Unternehmen ein Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro ausgelöst werden. Die Zahl der erwarteten zusätzlichen Arbeitsplätze nach Abschluss der Projekte wird von den Unternehmen mit fast 500 angegeben.

Weiterer Ablauf

Die eingegangenen Projekte werden durch eine international besetzte Jury unter der Leitung von Prof. Dr. Swetly, dem ehemaligen Forschungsleiter von Boehringer Ingelheim, bewertet. Gefördert werden die besten Projekte, solange die budgetären Mittel ausreichen. Darüber hinaus werden die drei besten Projekte des Calls mit Geldpreisen prämiert. Die Preisverleihung und die Vorstellung der geförderten Projekte erfolgt bei einer Abschlussveranstaltung am 27. November.

Der große Erfolg des Calls ist eine mehr als positive Bestätigung für die eingeschlagene Strategie im Allgemeinen und für die konkrete Auswahl der Themen im Speziellen. Es zeigt sich, dass es in Wien in diesen und wohl auch in zahlreichen anderen Bereichen eine Vielzahl von innovativen Unternehmen gibt, die auch den Wettbewerb und den Vergleich untereinander nicht scheuen, sondern ihn suchen.

Wie funktioniert ein Call?

Calls sind "Ausschreibungen", an Hand derer die besten Technologieprojekte der Stadt substanziell gefördert werden können. Nach einer Ausschreibungsphase können innerhalb einer Frist Projekte eingereicht werden. Eine Jury bewertet diese und verteilt die vorhandenen Mittel auf die prämierten Projekte. Damit lässt sich die Effizienz der eingesetzten Mittel der Wirtschaftsförderung erhöhen. Die Vergabe von Fördermitteln im Rahmen von Ausschreibungen, so genannter "Calls", ist das Herzstück des neuen Technologieförderprogramms "wiennovation" des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds - WWFF, das von der ZIT - Zentrum für Innovation und Technologie GmbH, einer Tochter des WWFF, durchgeführt wird. Diese Calls stellen in vielfacher Hinsicht eine qualitativ neue und verbesserte Form der Wirtschafts- und Technologieförderung dar.

Folgende Prinzipien liegen dieser neuen Form der Unterstützung zugrunde:

o "Stärken stärken": Es werden bewusst Themenfelder ausgewählt, die für die Wiener Wirtschaft von großer Bedeutung sind und in denen bereits in der Vergangenheit viel versprechende Entwicklungen festgestellt wurden.
o Abkehr vom Prinzip der Gießkannenförderung: Durch die Konzentration auf ausgewählte Themenbereiche können diese substanziell gefördert werden, Mitnahmeeffekte werden minimiert. o "Wer schnell hilft, hilft doppelt": Die Teilnehmer an den Calls wissen spätestens 2,5 Monate nach Einreichung ihres Antrags, ob sie eine Förderung erhalten.
o Die Unternehmen müssen nicht ihre gesamten Aufwendungen vorfinanzieren: Sie erhalten einen bis zu 50-prozentigen Vorschuss, womit sich die Gefahr von finanziellen Engpässen in der Startphase minimiert.
o Die höchstmögliche Fördersumme für den ersten Call "Life Sciences" pro Unternehmen beträgt 1 Million Euro. Die Förderquote kann zwischen 25 % und 60 % der Projektkosten betragen. Insgesamt stehen für diesen Call 3 Millionen Euro zur Verfügung.

6,5 Millionen Euro für drei Calls im Jahr 2002

Für 2002 stehen für dieses Instrument der Calls insgesamt 6,5 Millionen Euro zur Verfügung. Zwei der Calls wurden bereits gestartet: "Life Science 2002" (Gesamtfördersumme 3 Millionen Euro) und "Creative Industries" (Gesamtfördersumme 1,5 Millionen Euro), ein Dritter zum Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien noch in diesem Jahr.

Mehr Infos zu den Calls gibt es unter: http://www.wiennovation.at/

"Wiennovation. Die Technologieoffensive"

Inhaltliche und organisatorische Klammer für Aktivitäten im Technologiebereich ist die Initiative "Wiennovation. Die Technologieoffensive". In ihr werden unter anderem die aktuellen Calls, sämtliche andere Formen der Technologieförderung, die Kompetenzzentren-Programme, die Aktivitäten der universitären AplusB-Zentren oder auch die Teilnahme Wiens am LISA (Life Science Austria)-Vienna Region-Programm zusammengefasst. Allein für das Jahr 2002 stehen für Projekte im Rahmen von "Wiennovation. Die Technologieoffensive" 27,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Life Sciences - Biotechnologie

Ein besonders erfolgreiches Beispiel in Wien ist die Entwicklung auf dem Biotechnologie-Sektor. In den letzten drei Jahren haben sich rund 30 international erfolgreiche Start-up-Unternehmen entwickelt bzw. sich in Wien angesiedelt. Insgesamt sind am Biotech-Standort Wien mehr als 2.000 Personen im Forschungs- und Entwicklungsbereich tätig.

Vom Kern der Vienna-Region ausgehend kann der Zentral- und Osteuropäische Markt mit über 250 Mio. Menschen leicht erschlossen werden. Das dynamische Umfeld für Forschung und Entwicklung sowie die Marktvorteile der Region zogen bereits Global Players, wie Novartis, Eli Lilly, Boehringer Ingelheim, Baxter, Amgen, Quintiles und über 100 Life Science Unternehmen in die Vienna Region.

Die Vienna Region kann auf eine lange Geschichte im Bereich der biomedizinischen Forschung zurückblicken. Heute gibt es allein in Wien 4 Universitäten mit einem Pool von 3.000 Medizin- und Biotechnologiestudenten, die in allen relevanten Bereichen der Biomedizin, Pharmazie, Veterinär- und Agrobiotechnologie sowie Wirtschaft ausgebildet werden.

Die Biotechnologie ist der mit Abstand am schnellsten wachsende Hochtechnologiebereich. Derzeit existieren über 1.400 Biotech-Firmen in den USA und etwa ebenso viele in Europa. Bereits 1999 erreichte die Biotechnologie mit weltweit mehr als 150.000 Arbeitsplätzen eine Wertschöpfung von etwa 145,35 Milliarden Euro. Voraussagen sprechen von mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätzen ab dem Jahre 2010. Schon 50 Prozent aller neuen Medikamente, die sich derzeit in klinischer Prüfung befinden, sind biotechnologischen Ursprungs. Innerhalb der nächsten 5 Jahre werden überhaupt 60 Prozent aller Innovationen im Hochtechnologiesektor durch Biotechnologie und Molekulare Medizin geschaffen. (Schluss) mmr

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