• 27.09.2002, 10:00:43
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ÖAMTC-Praxistest zeigt Schwächen von Kleintransportern auf

Rasende Lieferwagen bergen erhebliche Risikopotenziale

Wien (ÖAMTC-Presse) - Auf der Autobahn halten Kleintransporter mit
den Pkw meist locker mit. Steigende Fahrzeugbestands-, aber auch
Unfallzahlen haben ÖAMTC und ADAC dazu veranlasst, Lieferwagen bis
3,5 Tonnen auf Herz und Nieren zu testen. Auf dem Prüfstand waren
drei gängige, miteinander vergleichbare Modelle: der Fiat Ducato Maxi
L2B, der Ford Transit FT 350L und der Mercedes Sprinter 313 CDI. "Aus
den Ergebnissen kann man jedenfalls schließen, dass ein
Kleintransporter, der bis an seine Grenzen ausgefahren wird, enorme
Gefährdungspotenziale birgt", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

Kleintransporter sind in den vergangenen Jahres dank kräftiger
Dieselmotoren immer schneller geworden. Auf der Autobahn sind sie den
Pkw meist dicht auf den Fersen. "Tatsache ist aber, dass ein
Kleintransporter technisch eher einem Lkw entspricht", umreißt Lang
das Problem. Die Test-Experten von ÖAMTC und ADAC wollten u.a.
wissen, was man aus den Kleintransportern maximal an Geschwindigkeit
herausholen kann und wie sie sich bei plötzlichen Ausweich- und
Bremsmanövern verhalten.

Kleinlaster sind schnell, aber teilweise recht unhandlich

Bei der Messung der Höchstgeschwindigkeit brachte es der Fiat
Ducato auf 165 km/h - schneller als es seine mit 160 km/h limitierten
Q-Reifen zulassen. Der Ford Transit schaffte maximal 162 km/h, beim
Mercedes Sprinter lag das Limit bei 160 km/h. Guten Kontakt zur
Straße hat der Fahrer in keinem der Lieferwagen. Was die Handlichkeit
betrifft, geht der Sprinter vor dem Transit und dem Ducato eindeutig
als Sieger hervor. "Von den drei Kandidaten hat er den kleinsten
Wendekreis und reagiert am willigsten auf die Lenkung", fasst Lang
zusammen.

Messwerte beim Bremsen konnten nicht überzeugen

Schwach fielen bei allen drei Kandidaten die Bremswerte aus. Bei
zehn Bremsversuchen aus 100 km/h brauchte der Ford Transit
durchschnittlich 46 Meter bis zu Stillstand, der Fiat Ducato stand im
Schnitt nach 46,5 Metern. Bedenkliche Ergebnisse lieferte der
Mercedes Sprinter. Durchschnittlich brauchte der Wagen 47,5 Meter bis
zum Stillstand; die Bremswirkung ließ im Verlauf der zehn Bremsungen
so stark nach, dass er zum Schluss erst nach 50 Metern stand.

Kurven fahren stand auf dem weiteren Test-Programm. Recht
unspektakulär verhielten sich Fiat und Ford ohne Beladung. "Beide
Fahrzeuge untersteuern leicht, lediglich im Grenzbereich muss der
Fahrer noch etwas stärker in die Kurve hineinlenken", berichtet der
ÖAMTC-Techniker. Auch der Mercedes fuhr problemlos durch die Kurven,
allerdings ging recht schnell das kurveninnere Hinterrad durch.

Mercedes Sprinter kippte im Elchtest

Eine Schrecksekunde gab es beim Elchtest mit dem heckbetriebenen
Mercedes: Der Sprinter drohte umzukippen, nur durch Fahrkönnen konnte
der Tester ein größeres Malheur verhindern. Was hier im Test
provoziert wurde, kann im Alltag auf der Straße zu kritischen
Situationen führen. "Die gute Nachricht ist aber, dass der Sprinter
ab sofort mit ESP (elektronisches Stabilitäts System) vom Band läuft.
Die Kippneigung kann zwar nicht ganz beseitigt werden, die
Fahrstabilität aber auf jeden Fall verbessert", so der
Club-Techniker.

Der Fiat Ducato mit Frontantrieb und der heckbetriebene Ford
Transit bestanden den Elchtest hingegen mit Bravour. Beide machten
die doppelte Ausweichbewegung mit Tempo 60 problemlos mit. "Sie
fühlten sich dabei allerdings recht behäbig an", fügt Max Lang hinzu.

Technische Leistung der Kleinlaster verbessern und Lenker
trainieren

"Die technische Leistung der Kleintransporter muss deutlich
verbessert werden", appelliert Lang an die Herstellerindustrie, "dazu
gehören sichere Fahrwerke, leistungsfähigere und standfestere Bremsen
sowie Reifen mit mehr Reserven". Alle Kleintransporter sollten
außerdem serienmäßig mit ESP ausgestattet sein. Das System sollte so
ausgelegt sein, dass es sich intelligent auf die Beladung des
Kleinlasters einstellt und den Fahrer schon sehr früh vor einem
Grenzbereich einbremst.

Aber nicht nur technisch muss noch gefeilt werden, auch an der
Schulung der Fahrer sollte dringend angesetzt werden. "Die
Fahrdynamik eines Kleinlasters ist mit der eines Pkw nicht
vergleichbar", sagt Gerhard Blümel, Leiter des
ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums in Teesdorf, "das Limit ist schneller
erreicht, als man glaubt". Auf einige Punkte sollte man als Lenker
eines Kleintransporters daher speziell achten:

* Der Reifendruck ist zumeist auf die maximale Beladung
abgestimmt. Fährt das Fahrzeug dann im Leerzustand, ist der Druck in
den Pneus zu hoch. Die Geschwindigkeit muss daher immer angepasst
werden.

* Auch der Bremsweg wird durch den Beladungszustand wesentlich
verändert.

* Durch die Beladung kann sich außerdem der Fahrzeug-Schwerpunkt
erhöhen, in bestimmten Situationen droht Kippgefahr. Abhilfe kann man
sich nur durch vorrausschauendes Fahren und gefühlvolle Lenkmanöver
verschaffen.

* Aufgrund ihrer Höhe sind Kleintransporter bei Seitenwind
gefährdet. Um nicht unvermittelt während der Fahrt seitlich
"versetzt" zu werden, sollte man sich dieser Gefahr bewusst sein und
das Lenkrad mit beiden Händen festhalten.

* Nicht zuletzt kommt es auch auf die richtige Positionierung und
Sicherung der Ladung an. Kommt die Ladung ins Rutschen, kann ein
Transporter schon allein deshalb zur Gefahr werden.

In den vier Fahrsicherheitszentren des ÖAMTC (Teesdorf/NÖ,
Brandlhof-Saalfelden/Salzburg, A1-Ring in Spielberg/Steiermark und
Mölbling/Kärnten) lernen auch Fahrer von Kleintransportern, ihr
Fahrzeug perfekt zu beherrschen. Es gibt individuelle Sonderkurse für
Berufsfahrer bzw. für spezielle Fahrzeugtypen. Informationen über das
Kursangebot gibt es beim Club unter der Tel. 02253/81700 oder unter
www.oeamtc.at/fahrsicherheit.

Aviso an die Redaktionen:
Bildmaterial finden Sie im ÖAMTC-Foto-Service im Internet unter
http://www.oeamtc.at/presse.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

Rückfragehinweis: ÖAMTC Pressestelle
Tel.: (01) 711 99-1218

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