• 21.09.2002, 10:34:09
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Swoboda zu Akulturation: Autochtone und zugewanderte Minderheiten in Österreich "schlecht behandelt"

"Sprachprüfung" für Immigranten falscher Weg - Swoboda für "Anreize"

Wien (SK) Bei einer Podiumsdiskussion am Freitag Abend zum Thema
"Vielfalt innerhalb der Einheit" stellte SPÖ-EU-Delegationsleiter
Hannes Swoboda den Begriff Akulturation in Zusammenhang mit
Integration in Frage: "Inwieweit leistet Akulturation einen Beitrag
zur Integration?" Es sei die Frage zu klären, ob "Fundamentalismus
mit zu großer Akulturation zusammenhängt." Zum Thema
"Unterschiedliche Behandlung von autochtonen und zugewanderten
Minderheiten" sagte Swoboda: "In Österreich behandeln wir beide
schlecht". Die weiteren Diskussionsteilnehmer waren die
Sprachwissenschafterin Ruth Wodak, die Politikwissenschafterin Sonja
Puntscher-Riekmann, Rainer Bauböck von der Akademie der
Wissenschaften sowie Amitai Etzioni, Professor an der George
Washington University in Washington D.C. und Herausgeber des
teilweise umstrittenen Manifests "Diversity within Unitiy". ****

Swoboda machte im Zuge seines Diskussionsbeitrags auch die zuvor
angesprochenen "Ängste vor der Flüchtligsproblematik" zum Thema und
erinnerte daran, dass es vorrangig die ärmsten Länder seien, die die
meisten Flüchtlinge aufnehmen: "Migration geht in erster Linie von
arm zu arm." Angst vor Identitätsverlust sei insofern zu
relativieren, als dass sie nicht nur Einwanderern, sondern auch
Europa selbst gegenüber bestehe. Swoboda stellte in diesem
Zusammenhang fest, dass man die europäische Einwanderungsproblematik
nicht mit der bewältigten Immigrationspolitik Amerikas vergleichen
könne, wie das in dem umstrittenen Manifest von Etzioni der Fall sei.
Hierbei stellte Swoboda auch die Frage in den Raum, ob
unterschiedliche Behandlung von autochtonen und zugewanderten
Minderheiten gerechtfertigt sei.

Akulturation im Zusammenhang mit Staatsbürgerschaftserwerb
bezeichnete Swoboda als problematisch. Akulturation werde oft mit
Integrationsfähigkeit gleichgesetzt, an eine Umsetzbarkeit einer
solchen Doktrin glaubt Swoboda nicht: "Ich habe Zweifel, wie man
feststellt, ob jemand integrationsfähig oder ausreichend integriert
ist, um die Staatsbürgerschaft zu bekommen." Eine "Überprüfung"
könnte "problematisch und diskriminierend werden." So sei man etwa
mit einer "Sprachprüfung" auf dem falschen Weg. Nicht prüfen, sondern
anbieten und motivieren solle man: "Ich bin für Anreiz, nicht für
Ausschluss. Im Bereich Integration haben wir in Österreich noch viel
zu tun", betonte Swoboda abschließend. (Schluss) bm

Rückfragehinweis: Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

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