"Kleine Zeitung" Kommentar: "Menschen" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 20.09.2002

Graz (OTS) - Politiker beteuern im polemischen Gegeneinander
gern, wie sehr sie sich um "die Menschen draußen" sorgen müssen. Das legt die Vermutung nahe, dass sie sich in solchen Augenblicken als Halbgötter fühlen, die die volle Wahrheit ausschließlich für sich gepachtet haben.

Aber sie sind auch nur Menschen. Sie haben ein Gefühlsleben. In spezifischen Fällen überfällt sie eine Beißhemmung.

Was dem Normalbürger eine Beerdigung bedeutet, ist für den Politiker der Rücktritt. Bei der Abschiedselegie für die Vizekanzlerin im Nationalrat schwangen das Wildwest-Motto mit, dass nur ein toter Indianer ein guter Indianer sei, und die klammheimliche Freude, dass ein möglicher Konkurrent ausgefallen ist.

Aber sie war auch ein Ausdruck der Anerkennung und Wertschätzung für die Person einer streitbaren Gegnerin.

Die Nachrede, dass keine "Feindin" am Werk war, sondern ein Mensch in seinem Widerspruch, der es auf seine Art gut gemeint hat,
kommt spät. Augenblicke der Besinnung sind aber wichtig für die Einschätzung der Rolle, die man selber spielt.

Andauern wird sie nicht. Im Wahlkampf haben wir wieder die gewohnten ideologischen Halbgötter zu erwarten. ****

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