Präsentation der Studie "Jugend & Erweiterung" in der Industriellenvereinigung

Umfrage: Österreichs Jugendliche stehen zur EU-Erweiterung -Ferrero-Waldner: Noch mehr Infos für junge Menschen zum Thema nötig -IV-Generalsekretär Fritz: Jugend sieht ihre Chancen und sollte sie noch stärker wahrnehmen

Wien (PdI) Die Einstellungen, Positionen und Haltungen von österreichischen Jugendlichen zu Europa und zur EU-Erweiterung werden auch in der österreichischen Forschungslandschaft meist stiefmütterlich behandelt. Die Industriellenvereinigung (IV) hat deshalb dem Österreichischen Institut für Jugendforschung (ÖIJ) den Auftrag zu einer Studie erteilt, die erstmals im weitesten Sinn über das Verhältnis von Jugendlichen zu Europa Auskunft gibt und die am Mittwoch, 18. September, bei einem Pressegespräch gemeinsam mit der Außenministerin Dr. Benita Ferrero-Waldner im Haus der Industrie präsentiert wurde.

"Die junge Generation ist die erste, die nahezu ihr gesamtes Erwerbsleben in einer erweiterten EU bestreiten wird. Ihnen stehen von Anfang an die erweiterten Bildungs- und Arbeitschancen offen", erklärte IV-Generalsekretär Dkfm. Lorenz Fritz heute, 18. September, im Haus der Industrie bei der Präsentation der Ergebnisse. Von März bis April 2002 wurden 1.000 Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren mit Internetzugang im Rahmen der Fessel Online Befragung österreichweit befragt.

EU-Mitglied Österreich? - No problem!

Die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union wird von der Mehrheit der Jugendlichen sehr positiv betrachtet. "In der Diskussion über die künftige Größe der EU sind die meisten Jugendlichen eher für eine Erweiterung eingestellt - nur jeder Zehnte spricht sich dezidiert gegen eine Erweiterung aus, eher ablehnend stehen der Erweiterung 20 % der österreichischen Jugendlichen gegenüber. Insgesamt wird klar, dass sich Jugendliche für das Thema Europa im weitesten Sinn interessieren, und dass diese Altersgruppe einschneidenden Veränderungen wie einer EU-Erweiterung deutlich positiver entgegen sieht als ältere Menschen", berichtete Martina Weixler vom ÖIJ.

EU-Beitritt - war die Entscheidung richtig?

Mehr als zwei Drittel der 14- bis 24-Jährigen finden, dass der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union eine richtige Entscheidung gewesen ist. Rund jeder fünfte Jugendliche gab an, dass es eine falsche Entscheidung gewesen ist. Die Befürwortung des Beitritts unterscheidet sich auch nach Herkunftsschicht: 79 % der Jugendlichen der A-Schicht finden, dass es die richtige Entscheidung war. Dieser Anteil nimmt ab, je niedriger die Herkunftsschicht ist:
Nur noch 60 % der D/E-Schicht sprechen von einer richtigen Entscheidung.

Erweiterung - ja oder nein?

Unter den GegnerInnen einer Erweiterung finden sich insbesondere Jugendliche mit niedriger Bildung und Männer. Vor allem Jugendliche mit Universitätsabschluss bzw. StudentInnen sind zu je einem Drittel sehr für eine Erweiterung der EU. Bezüglich der Auswirkungen dominieren die Vorteile gegenüber den Nachteilen im persönlichen Bereich wie auch für Österreich und vor allem für die Beitrittsländer: Uneingeschränkte "Gewinner" einer Erweiterung werden für Mädchen und Burschen die neuen Mitgliedstaaten sein. Aber auch im Alltagsleben glauben mehr an positive als an negative Auswirkungen. Österreich wird laut Angaben der Jugendlichen vor allem in der Wirtschaft wie auch im Verständnis für andere Kulturen mehr Vorteile aus der Erweiterung ziehen, während sie vor allem bei den ökologischen und sozialen Standards Nachteile erwarten.

Nach Regionen unterteilt sich die Befürwortung und Skepsis folgendermaßen: Mit Abstand die meisten BefürworterInnen gibt es in Wien - rund ein Drittel tritt dort sehr stark für eine Erweiterung ein, ein weiteres Drittel eher. Dabei ist in den anderen Bundesländern der Anteil der starken BefürworterInnen mit rund 20% deutlich schwächer. Die Außenministerin Dr. Benita Ferrero-Waldner betonte vor allem die politische Dimension der Erweiterung; "Die Erweiterung der Union betrifft uns alle, die Jugendlichen aber in besonderem Maße, da sie ihre Zukunftsperspektiven nachhaltig verbessert und ihnen neue Chancen erschließt. Nach über vier Jahren Verhandlungen zur Erweiterung stehen wir vor einem Jahrhundert-Ereignis, ja einem "Mega-Event", das die Zukunft unseres Kontinents nachhaltig prägen wird. Österreich rückt von der Peripherie des Westens wieder in die Mitte eines geeinten Europas."

Was bedeutet die Erweiterung für Europa?

Mehr als drei Viertel der Befragten glauben, dass Europa durch die Erweiterung eine stärkere weltpolitische Bedeutung zukommt und die europäische Wirtschaft gegen die asiatischen und amerikanischen Märkte konkurrenzfähiger wird. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass eine Erweiterung die Abwanderung aus mittel- und osteuropäischen Ländern in den Westen verstärken wird. Dass durch eine erweiterte EU die sozialen Standards steigen werden und Europa sicherer wird, finden mehr als 40 %. An Negativauswirkungen - wie etwa ein weniger handlungsfähiges und demokratisches Europa - glauben weniger als ein Drittel der Befragten.

Fritz erklärte dazu "Junge Leute denken hier sowohl materialistisch als auch postmaterialistisch - es geht ihnen um Frieden und persönlichen Wohlstand. Sie sehen für sich selbst mehr Chancen, aber auch eine gestärkte Position Europas in der Welt. So ist die Erwartung von 42%, Arbeit im Ausland finden zu können, erfreulich hoch. Im Rahmen des Projekts ‚Europa erweitern' wird die Industriellenvereinigung gemeinsam mit der Jungen Industrie ihren Teil zur besseren Information über die Erweiterung beitragen."

Was bedeutet die Erweiterung für mich?

Jugendliche versprechen sich besonders im Tourismusbereich große Vorteile einer Erweiterung. Aber auch im Hinblick auf Jobs im Ausland und im Aus- und Weiterbildungsbereich glauben mehr als 40 % an einen persönlichen Vorteil. Bei den Verdienstmöglichkeiten und Einkommen ist jedoch weniger als ein Drittel von persönlichen Vorteilen überzeugt, vor allem StudentInnen sehen durch eine Erweiterung stärker Vorteile als andere.
Insbesondere weniger Qualifizierte glauben an persönliche Nachteile bei der Arbeitssuche bzw. bei Verdienstmöglichkeiten. Ein wachsendes Europa bedeutet für geringer Qualifizierte eher wachsende Konkurrenz, Destabilisierung von Arbeitsplätzen und Zwang zu vielleicht ungewollter Mobilität.

Fritz zieht daraus folgende Schlüsse: "Die österreichischen Unternehmen müssen weiter die wirtschaftlichen Kooperationen über die Grenzen hinweg suchen und sich den neuen Märkten öffnen. Der Standort Österreich muss noch stärker die Chance wahrnehmen, Hauptinvestor in den und Headquarter für den mittel- und osteuropäischen Wirtschaftsraum - den neu entstehenden EU-Zentralraum - zu sein. Die österreichische Jugend sieht sich verstärkt als Teil Europas, bei der persönlichen Chancenwahrnehmung gibt es aber noch Potenzial."

Ferrero-Waldner kündigte hier verstärkte Bemühungen für Jugendliche an: "Wir sollten dies daher als Aufforderung auffassen, gerade den Jugendlichen mehr Informationen anzubieten. In wenigen Wochen wird vom Bildungsministerium eine Broschüre über die Auswirkungen der EU-Erweiterung präsentiert, die in enger Zusammenarbeit mit dem Außenministerium entstanden ist und vor allem in Österreichs Schulen verteilt wird."

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