Das Kunsthistorisches Museum präsentiert die Großausstellung Guatemala im MUSEUM FÜR VÖLKERKUNDE in Wien - die ersten Objekte treffen bereits am 20. September in Wien ein!

GUATEMALA - Land des Quetzal. Von den Maya zur spanischen Welt 9. Oktober 2002 bis 13. Jänner 2003 im Museum für Völkerkunde, Neue Burg, 1010 Wien

Wien (OTS) - Pressekonferenz: Dienstag, 8. Oktober 2002 um 10.30
Uhr im Museum für Völkerkunde

Das Land des Quetzal, wie die metaphorische Bezeichnung für Guatemala lautet, kann ab Oktober im Museum für Völkerkunde entdeckt werden. Eine repräsentative Auswahl hochwertiger Exponate bezieht sich sowohl auf das Guatemala der Maya als auch auf dasjenige der Spanier. Der Quetzal, der kleine schillernde Vogel mit seiner prächtigen Federschleppe, war schon in der Mayazeit Ausgangspunkt verschiedener Mythen. Heute ist er das Nationalwahrzeichen Guatemalas und sogar die Landeswährung wurde nach ihm benannt.

Mit dieser Ausstellung soll die hohe kulturelle Bedeutung Guatemalas betont werden. Viele Objekte der Ausstellung können zum ersten Mal außerhalb der guatemaltekischen Museen bewundert werden. Weitere Leihgaben stammen aus Spanien und Mexiko.

Obwohl die präkolumbianische und die koloniale Kunst und Geschichte ganz unterschiedlichen Charakter besitzen, trägt das Wissen um die ursprüngliche Kultur doch sehr wesentlich zum Verständnis der Entwicklung und Bedeutung des kulturellen Geschehens in der darauffolgenden Epoche bei. Die Spanier stießen auf eine hoch entwickelte Kultur; die Maya waren bereits an ein Leben in einer komplexen Gesellschaft gewöhnt, in dem jeder eine bestimmte Position einnahm und die entsprechenden Pflichten zu erfüllen hatte. Mit der Einführung des Christentums wurde die Weltanschauung der Maya an eine bis dahin fremde Religion angepaßt, woraus eine neue Mentalität entstand, die auch dem heutigen Guatemala Gestalt gibt.

Während des 2. Jahrtausends v. Chr. befanden sich auf dem heutigen Staatsgebiet Guatemalas viele kleine Dörfer, die sich allmählich zu wichtigen Kulturzentren entwickelten. Nach und nach erbauten die Maya im mittelamerikanischen Urwald Kultstätten, durch die sie ihre Weltanschauung zum Ausdruck brachten. Kunst und Wissenschaft florierten und erreichten einen Standard vergleichbar mit demjenigen der herausragendsten Zivilisationen der alten Welt. Tempel, Paläste und Stelen wurden bis in den Himmel errichtet, so als ob sie zu verstehen geben wollten, daß eine ewige Verbindung zwischen den Göttern und Menschen bestünde.

Die fundamentalen Aspekte der alten Zivilisation der Maya werden durch Objekte aus unterschiedlichen Materialien, unter anderem aus Keramik, Stein, Metall und Knochen, vorgestellt; diese Gegenstände entstammen der Zeit von der Prä-Klassik bis zur Post-Klassik. Einen Höhepunkt bilden unter anderem die prächtigen mosaicos de concha (Schneckenmosaike), die erst kürzlich in Topoxté (Petén) und la Placa de Nebaj (Quiché) entdeckt wurden. Besonderes Augenmerk gilt im Bereich der Keramik der exquisiten Sammlung von Gefäßen aus dem Museo Nacional de Arqueología y Etnología (Nationalmuseum für Archäologie und Völkerkunde) und aus dem Museum Popol Vuh sowie den mehrfarbigen Gefäßen aus der Mundo Perdido - der "Verlorenen Welt" (Tikal) und der caja de Escuintla.

Der Übergang von der antiken Mayakultur zur spanischen Gesellschaft wird anhand von bisher noch nie ausgestellten Schriftstücken dokumentiert (Originalmanuskript der Relación de las cosas von Yucatán von Bruder Diego de Landa; erster Teil des Sprachschatzes cakchiquil, quiché und zuhutil von Bruder Francisco Ximénez). Die Ankunft der Spanier in Guatemala bedeutete den Übergang zu einer neuen Ordnung mit Institutionen, die bis heute in der Welt der Maya unbekannt sind.

Die barocke Stadt Antigua (ehemals Santiago), aus der etliche Objekte der Ausstellung stammen, besaß als drittwichtigste Stadt Hispanoamerikas in der Kolonialzeit ab 1731 zahlreiche Kirchen, Konvente, Einsiedeleien und eine Universität. Die sorgfältig ausgewählten Objekte repräsentieren insbesondere den Glanz der Kolonialzeit. Wie in anderen Teilen Amerikas auch läßt sich hier feststellen, daß die lokale religiöse Skulptur und die aus Europa stammenden Kultgegenstände nebeneinander existierten. Erstmals außerhalb Guatemalas kann das Grabmonument für ein Kind aus der Iglesia de la Merced in Guatemala Stadt besichtigt werden. Dabei handelt es sich um das einzige erhaltene Exemplar dieses ehemals verbreiteten Grabtypus. Das Objekt besteht aus mehrfarbigem Holz und zeigt die Portraits der Eltern des Kindes in Betposition.

In der Kunst Guatemalas sind besonders die mehrfarbig bemalten Skulpturen und die von Indianern, Mulatten und Mestizen geschaffenen Werke der Silberschmiedekunst von Interesse. Daher ist der Teil der Ausstellung, der sich mit der Kolonialzeit befaßt, in erster Linie diesen beiden Bereichen gewidmet.

Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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