"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Lohn für gute Arbeit" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 17. 09. 2002

Innsbruck (OTS) - Irrten die Meinungsforscher oder war im Finale
der Drang zu Bewährtem einfach unwiderstehlich? Göran Persson verschaffte den darbenden europäischen Sozialdemokraten eines ihrer selten gewordenen Erfolgserlebnisse.

Der bullige Schwede fuhr die Ernte guter Arbeit als Finanzminister und Regierungschef ein. Mit eisernem Sparkurs führte er das Land seit Mitte der 90er-Jahre auf neue Höhen. Die Arbeitslosenrate sank von mehr als zehn Prozent auf 4,3 Prozent und Schweden kam aus dem Minus zu einem Budgetüberschuss. Das stärkt zweifellos das Vertrauen in Regierende.

Die härtesten Zeiten liegen hinter uns, signalisierte Persson im Wahlkampf. Und die Mehrheit wird die Botschaft gerne gehört haben, dass es nun auch wieder Spielraum für Verbesserungen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungssektor gebe. Mit zuletzt deutlich umgänglicherem Wesen konnte der bisher harsche Regierungschef auch bei der Sympathie punkten. Insgesamt also eine Mischung, gegen die die Opposition in ihrer blassen personellen Spitzenbesetzung deutlich abfiel. Und vor der Entscheidung werden sich Schwedinnen und Schweden wohl auch vergegenwärtigt haben, dass die bisherigen nicht-sozialdemokratischen Regierungsintermezzi alles andere denn glorreich verliefen.

Persson, der sich in der übersprühenden Laune des Siegers schon als Beginn einer europäischen Trendwende weg von rechts und von der extremen Rechten sieht, ist wohl Profi genug, um alle Signale des letzten Wahlsonntags richtig zu deuten. Es gab - vor allem im Süden des Landes - ein weiteres Mal die europäische Lehre, dass das Ausländerthema eines bleibt, auf dem Kandidaten mit simplen bis aggressiven Parolen auf der Woge von echten und behaupteten Problemen den kürzesten Weg zum Erfolg finden. Auf den erfolgreichen Bauarbeiterssohn wartet eine weitere Herausforderung.

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