Die Ungargasse - ihre Bauten und Bewohner

Wien (OTS) - Das Bezirksmuseum Landstraße, 3., Sechskrügelgasse 11, zeigt die Ausstellung "Die Ungargasse - ihre Bauten und Bewohner". Die Ausstellung wird am Freitag, dem 13. September, um 19 Uhr, eröffnet. Die Öffnungszeiten: Sonntag von 10 bis 12 Uhr, Mittwoch von 16 bis 18 Uhr, sowie nach telefonischer Rücksprache: 711 34 03. Letzter Ausstellungstag ist der 10. November.

Der 1.150 Meter lange Straßenzug im 3. Bezirk ist bereits mehr als 500 Jahre alt. Schon 1444 würde über die "Hungargasse" berichtet. Der Name leitet sich davon ab, dass sich hier zahlreiche Herbergen für die aus Ungarn eintreffenden Kaufleute und Pferde-, Ochsen- und Heuhändler befanden. Literaturfreunde assoziieren mit der Ungargasse sofort den Namen "Ingeborg Bachmann", die in ihrem Roman "Malina" dieser Gasse ein Denkmal gesetzt hat.****

In diesem Straßenzug gab es mehrere Palais, den Poststadel, für kurze Zeit ein Theater, zwei Klavierfabriken, die große Trainkaserne, hier befand sich auch bis 1884 die "k.k. Polizey Bezirks Direktion". Noch heute steht das Palais Sternberg, in dem das italienische Kulturinstitut untergebracht ist.

Die Ungargasse hat auch viele bekannte Persönlichkeiten beherbergt. Ludwig van Beethoven vollendete im Haus Nummer 5 1823/24 seine 9. Symphonie. Auf Nummer 8 wohnte lange Jahre der Dichter Joseph von Eichendorff. Auf Nummer 9 wirkte Wilhelm von Doderer, der Vater des Schriftstellers Heimito von Doderer, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war hier der Architekt und Städteplaner Camillo von Sitte zu Hause. Die Schauspieler Hans und Hermann Thimig und Vilma Degischer waren Mieter des Hauses, das auch Ingeborg Bachmann im Roman "Malina" beschreibt. Eine Perle der Ungargasse ist auch der "Sünnhof", heute ein nobles Hotel.

Im ehemaligen Haus Nummer 21 wohnte in den 30er Jahren die sozialdemokratische Kommunalpolitikerin und Widerstandskämpferin Frieda Nödl. Auf Nummer 27 baute der Klavierfabrikant Johann Baptist Streicher ein weitläufiges Gebäude. Hier gab es auch einen Konzertsaal, in dem Franz Liszt und Clara Schumann aufgetreten sind. Auf Nummer 28, das Haus wurde im März 1945 von Bomben zerstört, befand sich das Zentral-Milch-Depot, das Erzherzog Friedrich errichtete. Im Hintertrakt befindet sich der "Zellentrakt" des ehemaligen Jesuitenklosters.

Den Vorgängerbau von Nummer 40 beherbergte die Familie Felder, deren Sohn Cajetan Felder von 1868 bis 1878 Bürgermeister von Wien war. Auf den Nummern 47 bis 49 wurde während der Regierungszeit Maria Theresias der "Commerzienhof" als Institution des Merkantilismus eingerichtet. Hier befanden sich Warendepots und Unterkünfte für die Bediensteten. Im Inneren befand sich auch ein Theaterlokal. Auf den Nummern 52 bis 58 befand sich das ehemalige "Neuling'sche Brauhaus". Der entlang der Neulinggasse angelegte Gasthausgarten bot 700 bis 800 Gästen Platz. Hier spielten im 19. Jahrhundert alle großen Wiener Musiker, wie Joseph Lanner, August Lanner, Strauß Vater, die Brüder Drahanek. Hier gab es auch die berühmten "Wäschermädlbälle". Im Bereich der Nummern 59 bis 61 errichtete 1900 Max Fabiani ein elegantes Geschäfts- und Wohnhaus. Im "Portois und Fix-Haus" wohnte von 1929 bis 1937 Karl Farkas. Auf Nummer 60 befindet sich heute ein großes Hotel, 1850 waren hier die Reithalle und die Stallungen des "Equitationsinstitutes" erbaut worden.

Auf den Nummern 63 bis 67 ließ Gundacker Graf Althan 1729 von Joseph Emanuel Fischer von Erlach sein Gartenpalais errichten. Auf Nummer 69 steht heute noch die "Januarisukapelle". Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die "k.k.priv. Zuckerraffinierie" eingerichtet. Zu Ende des 2. Weltkrieges zerstörten Bomben das Gebäude. Seit 1987 steht hier eine Höhere Technische Lehranstalt. Im Haus Nummer 71 lebte der Präsident der Provisorischen Nationalversammlung Dr. Franz Dinghofer, der am 12. November 1918 von der Parlamentsrampe die Gründung der Republik Deutsch-Österreich ausrief. (Schluss) fk/rr

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