• 01.09.2002, 17:55:33
  • /
  • OTS0036 OTW0036

"Die Presse"-Kommentar: Androsch, Busek, Haider (VON ANDREAS UNTERBERGER)

Ausgabe vom 02 09 2002

=

Wien (OTS) - Wien (OTS).Viele können sich eine Politik ohne Jörg
Haider nicht mehr vorstellen. Zu lange haben seine Ideen und
Dummheiten den politischen Takt geschlagen. Viele glauben daher nicht
an die Endgültigkeit seines Rückzugs.
Viele seiner Gegner haben überhaupt nur noch aus dem Antagonismus zu
Haider heraus denken können. Einige hatten zwar oft wenig Ahnung von
ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Sie wußten nur:
Sind sie gegen Haider, liegen sie in ihrer eigenen Szene richtig.
Werden Österreichs sogenannte Intellektuelle der gegnerlosen Zeit
gewachsen sein? Man muß besorgt sein: Sie müßten dann ja selber
nachdenken. Oder werden sie nun Fans der Regierung, der sie
zweieinhalb Jahre lang vorgeworfen haben, nur Marionette Haiders zu
sein, wenn Haider künftig der schärfste Gegner dieser Regierung ist?
Sicher Probleme werden die Wochenmagazine haben, mit denen uns ein
Verlag fast an jedem Wochentag beglückt. Sie werden nun in fast jeder
Nummer das große Comeback Haiders erhoffen. Denn Haider-Themen sind
noch immer ein besseres Mittel gegen sinkende Auflagen als die
Befassung mit den wirklichen Sorgen des Landes.
Gewiß: Auch Haider selbst denkt Tag und Nacht an Rache (wofür immer).
Er selbst wird es sowenig wie einst ein Hannes Androsch oder ein
Erhard Busek verkraften, daß die eigene Partei auf ihn als
politisches Supergenie verzichten kann. Er wird daher weiterhin vom
Balkon der Muppet-Show herunter schimpfen.
Bei den Wählern außerhalb Kärntens jedoch ist der Ruf nach seiner
Rückkehr so leise wie der nach einer Einführung des Linksverkehrs auf
unseren Straßen.
Seine wenigen verbliebenen Anhänger und seine von der Sinnkrise
gepackten Gegner sollten sich doch daran gewöhnen: Es gibt kein
Naturgesetz vom unaufhaltsamen Aufstieg und vom nie eintretenden
Abstieg Haiders.
Die Perspektive ist klar: Entweder Schüssel und Riess-Passer schaffen
die zweite Halbzeit, oder Gusenbauer und Van der Bellen regieren.
Aber selbst dann wird die Sehnsucht nach Haider und seinen 365
widersprüchlichen Politiken die Republik nicht zum Wanken bringen.

Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel