- 28.08.2002, 10:59:34
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AK Test Gesundheitsratgeber im Web: Fragen Sie jedenfalls Ihren Arzt
Wien (AK) - Sie sind oft müde und Ihnen ist manchmal schwindelig
- statt Ihren Hausarzt fragen Sie "Doktor Internet". Doch dessen Rat
sollten Sie nicht blind vertrauen, wie ein aktueller AK Test zeigt:
Denn ein Drittel der überprüften Gesundheitsportale ist unbrauchbar
oder sogar unseriös, und ebenso viele sind so "recht und schlecht".
Die AK fordert daher ein verlässliches Gütesiegel, damit Konsumenten
seriöse Seiten von Scharlatanen und Geschäftemachern unterscheiden
können. Bei akuten gesundheitlichen Problemen soll jedenfalls ein
realer Arzt aufgesucht werden, rät die AK. Insgesamt hat die AK 13
seriös wirkende Gesundheitsportale untersucht.
Immer mehr Internetseiten bieten Gesundheitsinformationen an und
stoßen damit auch auf reges Interesse. Rund 10 Prozent der
Internetsurfer nutzen regelmäßig medizinische Websites, am häufigsten
Personen mit chronischen Erkrankungen oder mit Krankheiten, die mit
einem "Tabu" behaftet sind. Aber die AK warnt: Gesundheitsaufklärung
und -förderung aus dem Netz ist nicht ohne Risiken.
Deutliche Qualitätsunterschiede
Das Ergebnis des AK Tests ist ernüchternd: Nur drei der 13
untersuchten Gesundheitsportale sind wirklich gut. Von einem Drittel
der Seiten sollten Konsumenten besser die Finger lassen.
Die Testsieger sind: www.netdoctor.at, www.surfmed.at und
www.medwell24.at.
Die Ergebnisse im Detail zeigen:
+ Mangelnde Transparenz
Jede dritte Seite bietet nur eine unvollständige oder schwer
auffindbare "Visitenkarte" des Portalbetreibers und verstößt damit
gegen das E-Commerce-Gesetz. Noch mehr gegeizt wird mit Hinweisen,
wer für die Gesundheitsinformationen verantwortlich ist. Nur knapp
die Hälfte gibt das preis. Eine Kontaktmöglichkeit mit dem Autor der
Informationen gibt es nirgends.
+ Beliebteste Finanzierung: Werbung und Produktverkauf
Nur eine Seite war werbefrei. Für mehr als die Hälfte der Portale ist
Werbung eine wesentliche Finanzierungsgrundlage. Zwei Drittel der
Seiten versuchen, Produkte zu verkaufen, bei jeder dritten Seite
überwiegt die "Verkaufsinfo". Dabei reicht die Palette von
Gesundheitsbüchern über Körperpflegeartikel und Heilmittel bis hin zu
kurios erscheinenden Angeboten wie zB Hausstaubmilbentester.
+ Lausiges Service
Kein Anbieter gibt eine allgemeine Info-Telefonnummer an. Ein Viertel
bietet keine Suchfunktion und bei der Hälfte ist die Handhabung der
Seite und das Auffinden von Informationen umständlich.
+ Wer Spezielles sucht, findet es selten
Drei Testkrankheiten - Herpes Genitalis, Nahrungsmittelallergien und
Durchfall - sollten zeigen, ob Gesuchtes auch gefunden wird. Jede
zweite Seite hat zu Herpes Genitalis Informationen abrufbar.
Nahrungsmittelallergien und Durchfall wurden jeweils nur von 38
Prozent als interessant genug befunden. Lediglich jeweils 20 Prozent
der gefundenen Informationen ist für Laien verständlich aufgearbeitet
und dennoch umfassend.
Mehr Sicherheit für die Internet-Konsumenten
Konsumenten, die im Internet Antworten auf Gesundheitsfragen suchen,
brauchen mehr Sicherheit. Daher fordern die AK Konsumentenschützer:
+ Von den Behörden muss wirksam kontrolliert werden, ob die
Informations- und Verbraucherschutzbestimmungen eingehalten werden.
+ Darüber hinausgehende Vorgaben für Gesundheitswebseiten sollen zum
Schutz der Verbraucher und der seriösen Anbieter rasch entwickelt
werden. Die AK hat daher Vorschläge für ein Gütesiegel erarbeitet,
dass am Verbraucher orientierte Qualitätskriterien festlegen soll.
Die AK Vorschläge für ein E-Health-Gütesiegel finden Sie unter
www.konsumentenschutz.at.
Tipps der AK Konsumentenschützer
+ Suchen Sie bei akuten medizinischen Problemen immer einen Arzt auf.
+ Nehmen Sie Infos nicht ernst, wenn nicht klar ist, wer hinter einer
Seite steht, keine Kontaktmöglichkeit oder nur eine allgemeine
E-Mail-Adresse geboten wird. Seriöse Anbieter geben auch an, wer die
Gesundheitshinweise verfasst hat.
+ Über Suchmaschinen können Sie versuchen, über den Anbieter oder den
Verfasser einer Gesundheitsinformation mehr zu erfahren.
+ Im Netz gibt es keinen ausreichenden Datenschutz. Übermitteln Sie
daher nicht leichtfertig Gesundheitsdaten übers Netz oder per E-Mail.
Auch eine Registrierung ist für das Abrufen von
Gesundheitsinformationen grundsätzlich nicht notwendig.
+ Finger weg von kostenpflichtigen Angeboten.
+ Vorsicht beim Anbieten von Ferndiagnosen und individueller
E-Mail-Beratung. Beides ist in Österreich und Deutschland verboten.
+ Sind in Gesundheitsinfos Hinweise auf ein bestimmtes Produkt
enthalten, sollten die Alarmglocken läuten. Es gibt immer mehrere
wirksame Mittel und Wege, um eine Gesundheitsstörung zu behandeln.
Zur Untersuchung
Die AK hat 13 seriös wirkende Gesundheitsportale überprüft. Die
Bewertung erfolgte nach zwei Kriterien - das Portal wurde anhand
verschiedener verbraucher- und nutzungsrelevanter Kriterien
beurteilt, anderseits wurde die Auffindbarkeit, Qualität und
Vollständigkeit der Informationen zu drei ausgewählten Krankheiten
analysiert und somit der individuelle Usernutzen verglichen.
Rückfragehinweis: Doris Strecker
AK Wien Kommunikation
Tel.: ( ++43-1) 501 65 2677
mailto:doris.strecker@akwien.at
http://www.akwien.at
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